Der "Erlöser" aus Hollywood macht nur noch austauschbaren Pop

30 Seconds To Mars enttäuschten bei Konzert in Wien

Mittwoch, 18. April 2018 | 10:41 Uhr

Er hat so einiges erreicht: Gut gebuchter Schauspielstar mit Oscarehren, Millionen verkaufte Musikalben auf der Habenseite und auch mit 46 Jahren immer noch angehimmelter Mädchenschwarm. Stellt man Jared Leto aktuell aber auf eine Bühne und lässt ihn mit seiner “Band” 30 Seconds To Mars in Bombast und Pathos schwelgen, dann enttäuscht das auf ganzer Linie. So auch Dienstagabend in Wien.

Mit neuem Album “America” im Gepäck, machten der Sänger und sein Bruder Shannon am Schlagzeug mit ihrer “The Monolith”-Tour Station in der prall gefüllten Stadthalle. Dass die Musikkarriere, die vor 16 Jahren mit dem selbstbetitelten Debüt von 30 Seconds To Mars begann, immer wieder zugunsten seiner Filmengagements pausieren muss, störte die mehr als 12.000 Besucher offenbar nicht. Vielmehr ging hier beides Hand in Hand: Die von Beginn an begeisterte Menge sog einerseits die austauschbaren Popsongs auf, andererseits wurde mit Jared Leto natürlich auch ein Hollywoodstar angehimmelt.

Und er wusste sich zu inszenieren: Zu düsterem Electrodröhnen wurde eine im ersten Hallendrittel platzierte Bühne, die zunächst noch von Leuchtelementen im Containerstil verdeckt wurde, betreten. Wer eine Band erwartet hat, wurde rasch eines Besseren belehrt. Stammgitarrist Tomo Milicevic ist seit gut einem Monat “aus persönlichen Gründen” absent, weshalb nur das Brüderpaar im Fokus stand – der eine wie manisch auf sein Drumset eindreschend, der andere in kunterbunter Hippie-Optik als Messias für Arme das Publikum anstachelnd.

Darin bestand ein Gutteil der folgenden knapp eineinhalb Stunden: Stücke wie “Kings and Queens”, “Do or Die” oder “City of Angels”, allesamt mit obligaten “Oh”-Refrains ausgestattet und in ihrem Wechsel zwischen akustisch nur schwammig umgesetzten Ruheinseln und der großen Geste des Stadionrock höchst vorhersehbar, wurden nämlich mehrfach unterbrochen, um Jared sein Bad in der Menge zu ermöglichen. Er animierte die jubelnden Fans zum exzessiven Springen, holte immer wieder Glückliche zu ihm auf die Bühne und brachte CD-Exemplare seines neuen Albums unters Volk.

Dass nicht alles wie Konservenkost klang, dafür sorgten neben einer Armada an Technikern zwei Begleitmusiker, die allerdings im hinteren Bühnengraben versteckt wurden und so von vielen gar nicht entdeckt zu den stampfenden Rhythmen ihre Häupter schwangen. Aber schließlich durfte auch nichts ablenken von den Herren Leto, wobei die von Jared angesprochenen “crazy persons” wohl in erster Linie Augen für ihn hatten. Jedes Winken und kleine Hallo evozierte folglich auch frenetische Reaktionen und Songs wie der jüngste Hit “Walk on Water” wurden inbrünstig mitgesungen – besonders natürlich die “Oh”-Abschnitte.

Trotzdem: Ein bleibendes Erlebnis klingt in jedem Fall anders. War das Frühwerk von 30 Seconds To Mars noch auf eingängig getrimmter Alternative Rock, ist man mittlerweile im lupenreinen Pop angekommen. Was im Fluss der tägliche Radioberieselung wohl kaum auffällt und somit auch nicht stört, blieb live, kaum war der letzte Akkord verklungen, keine Sekunde in den Gehörgängen. Zwar mag er als Sänger durchaus seine Momente haben, wie eine gelungene Coverversion von Rihannas “Stay” offenbarte, ein zwingender Songwriter wird aus Jared Leto allerdings nicht mehr so schnell. Punktet er in seinen Filmrollen durchaus mit Emotionalität, ist er als Musiker ganz auf Blendwerk gebürstet. Wer dennoch Lust auf einen Nachschlag haben sollte: Am 1. September schauen 30 Seconds To Mars in der Grazer Stadthalle vorbei.

Von: apa