Hat beim Bergsteigen Extreme gewagt wie kein anderer

40 Jahre Everest solo – Messner: “Ich hatte wirklich großes Glück”

Freitag, 14. August 2020 | 08:35 Uhr

Ohne Begleiter und ohne künstlichen Sauerstoff auf den höchsten Berg der Welt: Vor 40 Jahren, am 20. August 1980 erreichte Reinhold Messner im Alleingang den 8848 Meter hohen Gipfel des Mount Everest – und schrieb damit Alpingeschichte.

Das “i-Tüpfchen” auf sein Bergsteigen hat er den Erfolg einmal genannt – und dennoch ist ihm in diesem Jahr ein anderer Jahrestag wichtiger: Vor 50 Jahren, im Juni 1970, bestieg er mit seinem Bruder Günther über die Rupalwand als höchste Steilwand der Welt, den Nanga Parbat. Beim Abstieg kam sein Bruder ums Leben.

“1970 ist die Schlüsselzahl meines Lebens”, sagt Messner. “50 Jahre Nanga Parbat ist um ein Vielfaches wichtiger als 40 Jahre Mount Everest.” Das gelte auch bergsteigerisch. “Mit diesem Jahr beginnt eine neue Phase des Himalaya-Bergsteigens.”

Mit extrem wenig Ausrüstung und ohne aufwendige Lager wie sonst bei den damaligen Expeditionen prägte er in den folgenden Jahren einen völlig neuen Stil des Höhenbergsteigens mit. Rund 60 Kilo Gepäck hatte er etwa am Everest dabei – acht Tonnen schwer sei hingegen die Ausrüstung der Expedition zehn Jahre zuvor am Nanga Parbat gewesen.

Am Nanga Parbat – seinem erster Achttausender – habe er mit den Grundstein gelegt für den späteren Alleingang am Mount Everest, sagt Messner. Weil seine Zehen erfroren, stieg er damals vom Klettern um auf das Höhenbergsteigen. 1978 bestieg er den Nanga Parbat im Alleingang. “Das hat mir gezeigt, dass ich psychologisch in der Lage bin, mit mir selber zurecht zu kommen.” Allein am Berg trage man auch allein die Verantwortung – und Ängste blieben ungeteilt.

Kurz zuvor hatte Messner zusammen mit Peter Habeler den Everest ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen. Ärzte warnten, ein Mensch könne in der Höhe nicht ohne zusätzlichen Sauerstoff überleben, ohne Schaden zu nehmen; erfahrene Alpinisten räumten dem Plan wenig Aussicht auf Erfolg ein.

Bis heute sehen Bergsteigerkollegen in dieser Everest-Besteigung den eigentlichen Durchbruch. “Das war das letzte wirklich große Abenteuer auf dieser Welt – die große Unbekannte war: Ist das möglich?”, sagt der Extrem-Kletterer Stefan Glowacz. Die Besteigung durch Messner und Habeler sei für den Alpinismus ein riesiger Schritt gewesen “vergleichbar mit der Mondlandung”. “Messner hat Abenteuer überlebt, die ihrer Zeit weit voraus waren. Er war ein großer Visionär, der den Alpinismus bis heute prägt.”

Messner selbst sagt, die Erfahrungen mit Habeler sowie allein am Nanga Parbat hätten ihn bestärkt für den Solo-Gang am Everest: “Das kann ich auch allein machen.” Ein schönes und romantisches Bergerlebnis sei eine Achttausenderbesteigung allerdings keineswegs. “Es ist sehr anstrengend, es ist kalt, im obersten Teil ist das ein einziges Hecheln, die kalte Luft fährt einem in die Lunge.”

Auf dem Weg zum Everest rutscht Messner in eine Gletscherspalte – alleine, ungesichert. In der scheinbar ausweglosen Situation und Dunkelheit der Spalte ist für ihn klar: “Wenn ich da rauskomme, lass ich es.” Er kann sich tatsächlich befreien – und steigt doch weiter.

Oben angekommen – “ich war unendlich müde” – neue Sorgen: Der Monsun treibt Nebel herauf. “Ich hatte Angst, wenn es anfängt zu schneien, dann finde ich nicht mehr hinunter – ich war ja auf meine Spur angewiesen.” In den riesigen weißen Flächen ist im Nebel Orientierung unmöglich. Halb laufend, halb rutschend erreicht er niedrigere Lagen – der Nebel lichtete sich. “Ich hatte wirklich großes Glück.”

Dennoch: Die Expedition am Nanga Parbat und der Verlust seines Bruders Günther zehn Jahre zuvor prägten sein Leben. Jahrelang lag Messner mit Ex-Kameraden von damals in einem erbitterten Streit über die Todesumstände Günthers. Messner hat stets zurückgewiesen, den Bruder allein gelassen zu haben. Er sieht sich bis heute als Opfer einer “Rufmordkampagne”.

Ruhelos suchte der Südtiroler, den Fans für seinen Wagemut bewundern und dem Kritiker übersteigerten Ehrgeiz und Egoismus vorhalten, immer neue Grenzerfahrungen. Ihm gelangen viele Erstbegehungen, etwa vor 55 Jahren die erste direkte Begehung der Ortler-Nordwand. Er war der Erste, der drei Achttausender in einem Jahr erstieg; und er schaffte als Erster alle 14 Achttausender der Welt. Mit Arved Fuchs marschierte er 2.800 Kilometer ohne Hunde- oder Motorschlitten über den Südpol, die Expedition endete 1990.

Ohne Exponiertheit kein Abenteuer, lautet Messners Credo. In den 1980er Jahren seien am Everest noch Abenteuer möglich gewesen. Stets hat Messner den “Pistenalpinismus” mit präparierten Wegen kritisiert, ebenso die Verbauung des Everest mit Fixseilen und Leitern. Durch die Coronakrise habe der Berg derzeit etwas Ruhe. Dafür fehlten den Sherpas die Einkünfte. “Ich bin in einem Dilemma: Einerseits ist es notwendig, dass dort Tourismus stattfindet, andererseits ruiniert das Pistenbergsteigen die Ausstrahlung des Berges.”

Mit 75 Jahren bereitet Messner nun sein Erbe: Mit einer “Final Expedition” um die Welt will er bei Auftritten sein Verständnis vom Bergsteigen und seinen Appell zum Respekt für die Berge weitergeben. “Ich bin nicht der Einzige, der es kann – aber ich bin einer der derjenigen, die überlebt haben.” Deshalb sieht er sich verpflichtet, für den traditionellen Alpinismus zu kämpfen.

Von: dpa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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15 Kommentare auf "40 Jahre Everest solo – Messner: “Ich hatte wirklich großes Glück”"


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pfaelzerwald
pfaelzerwald
Superredner
1 Monat 10 Tage

Und hat mit allem viel Geld gemacht.

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Und mit dem Geld hat er wie viele Museen für die Menschen gebaut?

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Das war ja sonnenklar, dass sich mindestens ein Neidhammel zu Wort meldet und die Anderen 👎 drücken. Arbeitest du umsonst ?

NanuNana
NanuNana
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Er hot sein Leidnschoft zin Beruf gimocht. Fa epas mussa wo a lebm und a Geld vodian. I find des wosa gileistn hot großartig und i wünsch ihm lei is Beste.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

@Faktenchecker..die besucht er nicht, kosten Eintritt

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Superredner
1 Monat 10 Tage

@Fakten….
und wie hoch sind die Eintrittspreise?

GTH
GTH
Tratscher
1 Monat 10 Tage

@NanuNana sportlich gsegen gib dir recht herausragenden leistung, der rest a katastrophe

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Was bekommst Du dafür? Wie viele Arbeitsplätze sind entstanden? Reinhold ist nicht die Caritas für Schmarotzer.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Ein Mann, der polarisiert. Ob man ihn nun mag oder nicht, für mich einer der “Allergrößten” seiner Zunft und ein großer Südtiroler Visionär.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Na, na! Bleiben wir mal am Boden. Er war gewiss ein hervorragender Bergsteiger, aber sonst hat er nichts Besonderes geleistet, was ein anderer nicht auch zuwege gebracht hätte.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

@PeterSchlemihl..wo stehen deine Museen, die eindrucksvoll die Geschichte des Alpinimus, der Gletscherwelt, der Berge und das Leben in ihrem Umfeld beschreiben ?

andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Mein Respekt ich ziehe den Hut vor ihm, hat wohl auch viel mit Leidenschaft zu tun

inni
inni
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Unglaublich: in einem Alter als manche noch zuhause im trauten Heim fast noch am Rockzipfel der Mutter hängen, hat Reinhold schon Himalaya-Gipfel bestiegen. RESPEKT! 
Respekt auch, wie er seine Leistungen erfolgreich vermarktet hat.

Reitiatz
Reitiatz
Superredner
1 Monat 10 Tage

mier hobm koa Lady Gaga und koan Arnold Schwarzenegger mier hobm insrn Reinhold Messner 😉

poison
poison
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

gross👍💪💪

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