Drehort war Südtirol

58. Viennale – “Siberia”: Dafoe taucht in die Tiefen der Seele

Sonntag, 25. Oktober 2020 | 05:35 Uhr

Eines ist sicher: “Siberia” wird kein Kassenschlager. Es ist ein Film über die Tiefen und Abgründe der Seele, die Ängste und das nicht aufgearbeitete Leben des in der Einsamkeit des winterlichen Gebirges lebenden Einzelgängers (Willem Dafoe). Eine italienisch-deutsch-mexikanische Produktion, die in Metaphern erzählt. Nach der Weltpremiere bei der heurigen Berlinale ist das Werk von Abel Ferrara ab Montag bei der Viennale zu sehen.

Es beginnt realistisch in der einsamen Hütte, in der Clint, so heißt der Mann in der Einsamkeit, gleichsam den Barmann für spärlich Vorbeikommende gibt. Doch schon bald hebt die Handlung ab, zieht die Register des Horrorgenres, wenn es in dunkle Räume oder Höhlen geht, aus denen Stimmen dringen. Plötzlich steht Clint zwischen steil abfallenden Felsen (Drehort Südtirol), dann liegt eine blutüberströmte Alte vor ihm.

Übergangslos wechselt der Spielort in eine Wüstenoase, wo Beduinen den Mann mit der Husky-Gruppe mit arabischen Weisheitssprüchen versorgen. Dann wiederum darf Willem Dafoe einer Schwarzen, einer Asiatin und einer schwangeren Russin die nackten Brüste streicheln. Immer, wenn er in den Keller seiner Berghütte steigt, betritt er die Tiefen seiner Seele. Zum Schluss stehen von der Hütte nur mehr Ruinen.

Die zusammenhanglosen Szenen verbindet die Figur von Willem Dafoe, der dem sich vor ihm Abspielenden teils interessiert, teils verständnislos gegenübersteht. So wie manche Zuseher. “Für mich verkörpert Sibirien einen Ort mit vielen Bedeutungen, ein Exil”, sagte Willem Dafoe einst bei der Präsentation in Berlin.

Infos unter www.viennale.at/de/film/siberia

Von: apa

Bezirk: Bozen