Das Austropop-Feuerwerk kam beim Publikum bestens an

60 Jahre Wiener Stadthalle: Die Nacht der Gänsehaut-Momente

Freitag, 22. Juni 2018 | 10:43 Uhr

Der “Märchenprinz” ist immer noch “Stoak wia a Felsen”, “Jedermann” ist “Flying High” … “like a Phoenix”, der “Großvater” hat wie immer “A Überdosis G’fühl” – und überhaupt: Alle singen “I Am From Austria” und “wachsen langsam zamm” – 60 Jahre Austropop-Geschichte sorgten zum 60er der Wiener Stadthalle am Donnerstag für eine lange Nacht der Gänsehaut-Momente, mit vielen, vielen Stars.

Es waren drei Stunden vollgepackt mit Emotionen und Erinnerungen, Begeisterungsstürmen und berührenden Eindrücken. Mitreißend wie eh und je etwa die Steirerpartie: “Schreihals” Herwig Rüdisser und Ewald Pfleger von Opus, die mit “Live Is Life” die Halle immer noch zum Beben bringen; Gert Steinbäcker zuerst solo, dann mit Freund Schiffkowitz von STS und natürlich auch “Fürstenfeld”; Paul Pizzera, der mit seinem Wiener Hawara Otto Jaus beeindruckend “Jedermann” rappte; und, ja, Stefanie Werger, musikalisch erstaunlich “Stoak wia a Felsen”.

Und berührend: als etwa Marianne Mendt im virtuellen Duett mit dem an Lungenkrebs verstorbenen Georg Danzer – via Backpro aus seinem letzten Konzert – “Bleib da” sang (ausgerechnet an dessen elftem Todestag übrigens); oder als das von Musikdirektor Christian Kolonovits stets souverän geführte 70-köpfige Klassik-Orchester samt Chor den ebenfalls schon toten und nur mehr per Videowall präsenten Ludwig Hirsch mit seinem beklemmend-magischen “Kumm großer schwarzer Vogel” begleitete; und natürlich, als Wolfgang Ambros – gebückt, am Stock gehend – die Bühne erklomm und “Langsam wochs ma zamm” intonierte. Aber der Wolferl fackelte nicht lange mit Sentimentalem rum: “Zentralfriedhof” riss die Fans von den Sesseln, das überraschend doch noch auf die Setlist gesetzte “Schifoan” musste er dann eigentlich gar nicht mehr selbst singen – das besorgte “die Halle”.

Und natürlich brillierte auch der nimmermüde Moderator des Abends, Klaus Eberhartinger, mit seinem EAV-Hit-“Märchenprinz” in aktualisierter Textierung, beeindruckten Conchita – nicht nur mit “Rise Like A Phoenix”, sondern auch mit der Udo Jürgens-Nummer “Walk Away” -, Seiler & Speer (“Soits leben”) und Neo-Austropopper Voodoo Jürgens (“Heite grob ma Tote aus”). Und auch Wanda durften drei Lieder live darbieten. Passend zu Wien schwebte über all dem der Geist der großen Toten der Szene: Der erfolgreichste Austro-Star Falco wurde mit einem Hit-Medley zu Beginn des zweiten Teiles geehrt. Nur mehr als Fotos zu ihrer Musik waren zudem u.a. Udo Jürgens, Hansi Lang, “Supermax” Kurt Hauenstein und Hansi Dujmic präsent.

So toll der Abend war, es haben wohl auch einige Lebende gefehlt: sicher “Dr. Kurt Ostbahn” Willi Resetarits und Bilderbuch, wohl auch Christl Stürmer und Rainhard Fendrich (dessen heimliche Österreich-Hymne “I Am From Austria” allerdings zum Abschluss kollektiv abgesungen wurde) sowie – als weiteres Austropop-Urgestein nicht zu vergessen – der seinerzeitige Hit-Lieferant Peter Cornelius.

65 Millionen Menschen haben in den 60 Saisonen in der Wiener Stadthalle rund 5.500 Veranstaltungen verfolgt, wie Direktor Wolfgang Fischer stolz bilanzierte. Und es werden sicher noch viele mehr werden – meinte doch ihr fast 100-jähriger Erbauer, Baumeister Viktor Hauswirth, bei einer Ehrung im VIP-Bereich mit verschmitztem Lächeln: “Die steht ewig…”.

Von: apa