Ehrengast Nastassja Kinski bei der Festival-Eröffnung in Locarno

70. Filmfestival Locarno mit Glamour eröffnet

Donnerstag, 03. August 2017 | 10:44 Uhr

Mit einem französischen Drama ist das 70. Internationale Filmfestival Locarno am Mittwochabend eröffnet worden. Zum Auftakt wurde die sensible Mutter-Tochter-Saga “Morgen und alle anderen Tage” von Regisseurin Noémie Lvovsky gezeigt. Etwa 8.000 Zuschauer kamen zur Freiluft-Gala auf die Piazza Grande der schweizerischen Stadt. Darunter auch Österreichs Schauspielstar Birgit Minichmayr.

Die Burgschauspielerin gehört zu der von dem französischen Regisseur Olivier Assayas (“Carlos – Der Schakal”) geleiteten fünfköpfigen Jury, die über die Vergabe der Hauptpreise entscheidet. Die wichtigste Auszeichnung ist dabei der Goldene Leopard.

Zu den Premierengästen gehörte auch die überwiegend in Frankreich arbeitende Schauspiel-Ikone Nastassja Kinski (56, “Paris, Texas”). Die Tochter von Klaus Kinski wird anlässlich des Festivaljubiläums mit einer Hommage geehrt.

Mit “Demain et tous les autres jours” (Morgen und alle anderen Tage) machte das Festival auf der Piazza Grande einen tragikomischen Auftakt: Das Drama von und mit Noemie Lvovsky erzählt die Geschichte der neunjährigen Mathilde, die nach der Scheidung ihrer Eltern bei ihrer Mutter (Lvovsky) lebt. Diese pflegt zwar ein inniges Verhältnis zu ihrer Tochter, hat aber mit großen psychischen Problemen zu kämpfen. In der Rolle von Mathildes Vaters ist der französische Star Mathieu Amalric zu sehen.

Die sensible Filmwahl des künstlerischen Leiters Carlo Chatrian sowie das Wetter sorgten bereits am Eröffnungsabend für die in Locarno einzigartige Stimmung auf der Piazza Grande. Dort geht es am Donnerstagabend mit einem zweiten französischen Spielfilm, “Lola Pater”, und der Ehrung Nastassja Kinskis weiter. Am Freitag nimmt der US-amerikanische Oscar-Gewinner Adrien Brody (“The Pianist”) den Leopard Club Award entgegen.

In Locarno will man nicht lange bei Festivitäten zum 70-jährigen Jubiläum verweilen, das machte Chatrian am Mittwoch einmal mehr deutlich. Es gelte den Blick in die Zukunft zu richten. Dennoch wird das Jubiläum mit einer Spezialsektion begangen. Es wurden elf einstige Debütfilme programmiert, die am Filmfestival Premiere gefeiert hatten. Die Entdeckung junger Filmemacher hat in Locarno Tradition.

Zu sehen sein werden etwa Michael Hanekes “Der siebente Kontinent” aus dem Jahr 1989, “San Gottardo” des Schweizers Villi Hermann (1977) oder Todd Haynes “Poison” (1991). US-Regisseur Haynes erhält in Locarno zudem einen Ehrenleoparden.

Mit Astrid Johanna Ofners Spielfilmdebüt “Abschied von den Eltern” nach der autobiografischen Erzählung von Peter Weiss findet sich ein österreichischer Beitrag im Wettbewerb für Erst- und Zweitfilme (Cineasti del presente). Weltpremiere feiert auch ein weiteres heimisches Langfilmdebüt, jedoch außer Konkurrenz: Für ihren Dokumentarfilm “Sand und Blut” interviewten die Filmakademie-Wien-Studenten Matthias Krepp (Regie) und Angelika Spangel (Kamera) Augenzeugen des Kriegs im Irak und in Syrien, die nun als Flüchtlinge in Österreich leben.

Von: APA/dpa

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