Premiere in Venedig am Freitag

73. Filmfestspiele Venedig – Ronny Trocker: Hassliebe zu Südtirol

Freitag, 02. September 2016 | 15:45 Uhr

Venedig/Wien/Südtirol – Das österreichische Filmschaffen ist in Venedig unter anderem durch “Die Einsiedler” des Südtiroler Regisseurs Ronny Trocker vertreten, der mit den Wiener Schauspielern Andreas Lust und Ingrid Burkhard besetzt ist und in der Orizzonti-Reihe läuft. Der 38-Jährige erzählt in seinem Spielfilmdebüt von Albert, der sich zwischen einem Leben am Berghof und einem Arbeitsalltag im Tal entscheiden muss.

Vor der Premiere am Freitag sprach der Südtiroler Trocker über seine alte Heimat und seine Gefühlslage in Venedig.

dpa: Sie sind in Südtirol aufgewachsen, leben aber seit Jahren nicht mehr dort. Was hat Sie dazu bewegt, für diesen Film in diese Region zurückzugehen?

Trocker: Es gibt für mich so eine Art Hassliebe zu dieser Region. Ich finde es eine faszinierende Gegend, denn dort treffen sich verschiedene Sprachen und Lebensweisen. Wenn man da aufwächst, kommt man in den Genuss von beiden, das ist wie ein Schmelztiegel. Allerdings gibt es in solchen Regionen auch so eine Art Isolierung und Selbstbezug: “Wir deutschsprachige Minderheit” und so weiter. Man interessiert sich nur für sich.

dpa: Viele Menschen verbinden mit Südtirol schöne Urlaubserinnerungen. Sie zeigen aber eine sehr andere Welt.

Trocker: Ich wollte die Region mal klischeefrei porträtieren. Für den Tourismus sind die schönen Berge und schönen Fotos super. Aber für die Leute, die den Berg bearbeiten, ist der Berg ein Hindernis. Ich wollte diese Welt ohne Schnörkel zeigen.

dpa: Sind in den Film persönliche Erfahrungen eingeflossen?

Trocker: Ich bin selber in einem kleinen, modernen Touristenort aufgewachsen. Aber meine Mutter ist in einem sehr isolierten Bauernhof groß geworden. Als Kinder sind wir da alle drei Wochen den Großvater und Onkel besuchen gegangen. Und das war ein großer Kontrast zu dem, wie ich aufgewachsen bin. Der Bauernhof trug noch sehr archaische Züge. Da habe ich dieses Spartanische kennengelernt; das ist mit eingeflossen.

dpa: Sie haben es mit Ihrem Spielfilmdebüt gleich nach Venedig geschafft. Was ist das für ein Gefühl?

Trocker: Ein gutes. Ich freue mich aber auch für das Team. Es war schwierig, das Projekt finanziert zu bekommen. Deswegen freue ich mich für alle, die mitgearbeitet und daran geglaubt haben. Für mich ist das außerdem eine extrem wichtige Plattform. Ich war als Student selber viel auf diesen Festivals unterwegs und habe jeden Tag viele Filme geschaut. Jetzt selber einen da zu haben ist grandios.

 

ZUR PERSON: Ronny Trocker, 38, ist in Südtirol aufgewachsen. Seine Muttersprache ist Deutsch. Mit 21 Jahren zog er nach Berlin, wo er unter anderem als Tontechniker arbeitete. Dann ging er für sein Filmstudium nach Argentinien und Frankreich. Derzeit lebt er in Belgien. “Die Einsiedler” ist sein Debütfilm.

 

Von: dpa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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1 Kommentar auf "73. Filmfestspiele Venedig – Ronny Trocker: Hassliebe zu Südtirol"


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Kurt
Grünschnabel
26 Tage 8 h

Super, hoffentlich kommt er bald in unsere Kinos!!

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