Ingrid Burkhard als beste weibliche Hauptrolle geehrt

9. Österr. Filmpreis: Viele Gewinner, wenige Verlierer

Mittwoch, 30. Januar 2019 | 22:07 Uhr

Alle Menschen sind gleich – zumindest beim heurigen Österreichischen Filmpreis, der am Mittwoch zum 9. Mal im glanzvollen Ambiente des Wiener Rathauses verlieren wurde: Der Großteil der nominierten Werke durfte sich in zumindest einer Kategorie über die von VALIE EXPORT gestaltete Trophäe freuen. So gingen alle vier Hauptsparten Bester Film, Regie und die Darsteller an unterschiedliche Werke.

Als Bester Film wurde der achtfache Nominierungskönig “Murer – Anatomie eines Prozesses” von Christian Frosch gewürdigt – der ansonsten aber lediglich in der Sparte der Nebendarstellerinnen mit Inge Maux einen weiteren Preis realisieren konnte. Dafür wurde Wolfgang Fischer mit seiner Fluchtparabel “Styx” zum besten Regisseur gekürt und konnte mit Drehbuch (Fischer und Ika Künzel) und Schnitt (wie im Vorjahr Monika Willi) auch seine zwei übrigen Nominierungen in Auszeichnungen wechseln.

Bei den Hauptdarstellerinnen konnte sich die 87-jährige Veteranin Ingrid Burkhard für “Die Einsiedler” über den Sieg freuen, während bei den Herren Laurence Rupp für “Cops” die Schauspielerauszeichnung erhielt. Sein Kollege Anton Noori komplettierte in der Nebendarstellerriege den Erfolgslauf des Polizistendramas “Cops”, der auch noch in der Tongestaltung über die Konkurrenz triumphierte.

Das siebenfach nominierte Historienessay “Angelo” von Markus Schleinzer kam auf drei Auszeichnungen – allerdings nicht in den Hauptsparten, sondern bei Kostüm, Maske und Szenenbild. Und schließlich durfte sich Ruth Beckermann, die es mit “Waldheims Walzer” nicht auf die Shortlist für den Auslandsoscar geschafft hatte, zumindest über den Österreichischen Filmpreis in der Dokumentarsparte freuen.

“So lange man etwas sagen darf, muss man jede Gelegenheit nutzen”, gab die gewohnt engagierte Filmemacherin in ihrer Dankesrede wie viele Preisredner die politische Tonalität des Abends vor. Ein Jahr nach der Angelobung der Regierung lasse sich konstatieren: “Die ÖVP ist von Waldheim auf Waldhäusl gekommen – vom Heim zum Häusl.” Zugleich müsse man der Wahrheit ins Auge schauen: “Die Mehrheit der Österreicher hat diese Regierung gewählt und steht noch immer hinter ihrer menschenverachtenden Politik. Es soll nur nie irgendwer sagen, er hätte von nichts gewusst.”

Dass beim Österreichischen Filmpreis die Uhren anders ticken, hatte das Moderatorenduo Caroline Peters und Nicholas Ofczarek bereits zum Auftakt deutlich gemacht, beruhigte man doch die 77 Nominierten: “Nehmen Sie sich so viel Zeit für Ihre Dankesreden, wie Sie wollen.” Man werde auch eine noch so “affenartig lange Danksagung” nicht unbrechen, versuchte Peters die “waidwunden Rehe” der nervösen Kandidaten zu beruhigen.

Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) replizierte auf die Zeit und bat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in seiner Begrüßung, den Abspann bei österreichischen Filmen langsamer laufen zu lassen: “Das ist auch eine Frage des Respekts.” Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) wiederum forderte “eine Zivilgesellschaft die aufsteht – früh aufsteht – und die Klappe aufmacht”. Diesen Appell – “Klappe Auf!” – trägt auch eine im Vorjahr von den Filmemachern gestartete Aktion, die mittlerweile über 100 politische Kurzfilme auf ihrer Homepage (www.klappeauf.at) versammelt hat und in deren Namen Kameramann Gerald Kerkletz unter Stehenden Ovationen auf offener Bühne zum Engagement gegen die türkis-blaue Regierung aufrief.

In dieselbe Kerbe schlug auch Martin Pollack in seiner ob Erkrankung von Peter Simonischek vorgetragenen Gastrede: “In der nächsten Dekade kann alles passieren – sogar das Schlimmste. Wir schwimmen auf der Titanic.” Noch sei Österreich nicht Polen oder Ungarn. Aber die FPÖ steuere in der Regierung in dieselbe Richtung. “So eine Entwicklung dürfen wir nicht hinnehmen”, fordert Pollack: “Wir dürfen uns an die Sprache der Niedertracht, der Zerstörung und des Hasses nicht gewöhnen.”

Einzig Christian Frosch als Regisseur des Hauptpreissiegers “Murer – Anatomie eines Prozesses”, der sich mit dem Umgang von Nachkriegsösterreich mit der Nazivergangenheit beschäftigt, bedankte sich bei der Bundesregierung: “Ich danke der Regierung, dass sie das Thema unseres Filmes immer aktuell hält.”

Von: apa

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