Regisseur Yorgo Lanthimos' Film hat Chancen auf den Oscar

91. Oscars heuer mit breitem Nominiertenfeld

Mittwoch, 13. Februar 2019 | 15:14 Uhr

Die Auguren können einem vor der 91. Oscar-Verleihung nur leidtun: So schwer war es selten, aus dem breit aufgestellten Favoritenfeld zu prognostizieren, wer am 24. Februar die Bühne des Dolby Theatre in Hollywood als strahlender Sieger verlässt. Immerhin steht fest, dass Alfonso Cuarons “Roma” und Yorgos Lanthimos’ “The Favourite” mit je zehn Nennungen das Feld anführen.

Allein auf weiter Flur sind die beiden historischen Werke allerdings nicht – im Gegenteil. Auf je acht Oscar-Nominierungen bringen es Adam McKays Politsatire “Vice” über den einstigen US-Vizepräsident Dick Cheney mit Christian Bale sowie die mit Lady Gaga ebenfalls prominent besetzte Musikbiografie “A Star is Born”. Platz 5 des Feldes reklamiert mit sieben Nennungen das schwarze Superheldenspektakel “Black Panther” für sich, dem Spike Lees Buddy-Politmovie “BlacKkKlansman” mit sechs Oscar-Chancen dicht auf den Fersen ist. Und auf auch immerhin fünf Nominierungen kommen die Freddie-Mercury-Biografie “Bohemian Rhapsody” sowie das Rassismusdrama “Green Book”.

Mithin viel Auswahl für die gut 7.000 Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die über die jeweiligen Gewinner in den 24 Preiskategorien entscheiden. Aber immerhin hat sich bei den Preisgalas der laufenden Saison Cuarons autobiografisch geprägter Schwarz-Weiß-Film aus Mexiko etwas vor Lanthimos’ barockem Frauendreieck als siegträchtig entpuppt.

So wurde etwa Cuaron von den Kollegen der Directors Guild of America, bei den Critics’ Choice Awards oder den britischen BAFTAs zum besten Regisseur gekürt, wo “Roma” auch zum besten Film ernannt wurde. Bei den Golden Globes gab es die Weltkugeln für die beste Regie und den besten nicht-englischsprachigen Film. Und bereits jetzt kann sich Cuaron freuen, als Regisseur, Produzent, Autor und Kameramann für sein auf Spanisch gedrehtes, autobiografisch-angelehntes “Roma” nominiert zu sein. Damit hat der 57-Jährige zum bisher von Warren Beatty, Alan Menken und den Coen-Brüdern gehaltenen Rekord der meisten Nominierungen für eine Person für einen einzelnen Film aufgeschlossen.

Für Österreich gibt es heuer indes keine Oscar-Weihen, nachdem der heimische Auslandsoscar-Kandidat “Waldheims Walzer” von Ruth Beckermann es nicht auf die Shortlist geschafft hatte. Dagegen ist Deutschland mit Florian Henckel von Donnersmarks Künstlerbiografie “Werk ohne Autor” gleich zweifach nominiert: Als bester nicht-englischsprachiger Film und für die Kameraarbeit. Und immerhin besitzt der Regisseur neben der deutschen auch die österreichische Staatsbürgerschaft.

Wie oft auch immer der Satz “And the Oscar goes to…” am 24. Februar mit “Roma” enden wird, den bissigen Humor eines Gastgebers bei der Gala muss Cuaron heuer nicht fürchten. Nachdem Komiker Kevin Hart wenige Tage nach seiner Ernennung zum heurigen Host im Dezember wegen früherer homophober Äußerungen zurückzog, steht mittlerweile fest, dass es gar keinen Showmaster geben wird. So wird die Gala in Hollywood wie zuletzt vor 30 Jahren allein mit Starpräsentatoren für die einzelnen Kategorien bestritten. Dazu gehören etwa Javier Bardem, Melissa McCarthy, Daniel Craig oder Whoopi Goldberg.

Bis es aber soweit ist, bleibt dem filmgeneigten Zocker nur, sein Geld auf mögliche Oscar-Gewinner zu setzen – oder auch auf andere Wetten, wem die Frage nach dem Sieger angesichts des breiten Feldes heuer zu unsicher ist. Wer etwa darauf wetten möchte, dass die beste Schauspielerin ihren Oscar auf offener Bühne fallen lässt, der kann beim britischen Anbieter Sportingbet setzen. Allzu hoch fiele der Gewinn jedoch nicht aus, wenn man auf Nein tippt – dann erwarten den Gewinner derzeit lediglich 1,03 Euro für 1 Euro Einsatz. Dann vielleicht doch lieber darauf setzen, dass Montserrat Caballe die letzte Person ist, die in der Sequenz der Verstorbenen genannt wird. Hier liegt die Quote immerhin bei 67:1.

Von: apa