Um den Preis geht es Barbara Albert weniger

Albert nach “Licht”-Weltpremiere in Toronto “erleichtert”

Montag, 11. September 2017 | 11:56 Uhr

Das Kostümdrama “Licht” der österreichischen Regisseurin Barbara Albert (“Nordrand”) hat seine Weltpremiere beim Toronto Filmfestival gefeiert – und das erfolgreich. “Ich bin sehr zufrieden”, sagte die Filmemacherin der APA im Anschluss. “Ich bin natürlich nervös vor Premieren und fand die Reaktionen vom Publikum sehr schön.”

Angesiedelt in der Wiener Gesellschaft des Rokoko, erzählt “Licht” (engl. Titel: “Mademoiselle Paradis”) von der seit ihrem dritten Lebensjahr blinden 18-jährigen Maria Theresia Paradis (Maria Dragus), die 1777 nach einer Behandlung durch den umstrittenen Wunderheiler Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) kurzzeitig wieder sehen kann, daraufhin jedoch ihre Virtuosität als Pianistin verliert.

Die Geschichte spiegelt auch die Not der Frauen inmitten der Ungleichheiten der europäischen Adelsgesellschaft des 18. Jahrhunderts wider und ist in dem Sinne die Erbauungsgeschichte einer jungen Frau, die sich aus ihrem eng geschnürten Korsett befreien möchte. Es passt in das Oeuvre von Barbara Albert (46), das mit Filmen wie “Nordrand”, “Fallen” und “Die Lebenden” zentral von Heldinnen getragen wird.

“Ich bin es nicht leid, Geschichten von Frauen zu erzählen”, betonte die Regisseurin in einer Frage-Antwort-Runde im Anschluss an die Weltpremiere. “Heute Abend habe ich zum ersten Mal erkannt wie sehr es darin um Frauen geht”, so die Künstlerin über ihren neuen Film. Das Toronto International Filmfestival findet sie jedenfalls toll: “Es ist sehr international hier. Es geht natürlich viel um den Verkauf, aber es geht auch darum, in welchen Ländern der Film nachher gezeigt wird.”

Das internationale Filmmagazin “Screen Daily” bezeichnet in der Rückschau “Licht” als ein “exquisites Kostümdrama” und lobte die “hervorragende Leistung von Maria Dragus”, die an diesem Abend nicht anwesend war. “Es ist schade, dass die Maria nicht kommen konnte, weil sie einen großen, internationalen Film in Schottland dreht, ‘Mary Queen of Scots'”, erzählte Albert der APA. Die überragende Performance von Dragus als blinde Pianistin hat einen bleibenden Eindruck unter einigen Premierengästen hinterlassen.

“Screen Daily” lobte außerdem Kostümdesignerin Veronika Albert, die Schwester der Regisseurin. Sie “verdient besondere Erwähnung für die Stoffe und Pracht, die verwendet wurden um zu zeigen, wie Mode ein Maß für den Status im Wien des 18. Jahrhunderts war.”

Die Filmzeitschrift “Cinema Scope” beschreibt Licht indes als einen Film, “der eine feines Doppel mit Jessica Hausners ‘Amour fou’ oder David Cronenbergs ‘A Dangerous Method’ machen würde; ein feiner und intelligenter Film über die historische Krise der weiblichen Subjektivität und die verschiedenen Männer, die versuchen, diese aufkommende Identität zu kontrollieren.”

“Licht” ist einer von insgesamt zwölf Filmen, die bis zum 17. September in der prestigeträchtigen “Platform”-Sparte in Toronto konkurrieren. Hier sind unter anderem “The Death of Stalin” des schottischen Filmemachers Armando Iannucci (“Veep”) mit Steve Buscemi und “Euphoria” der schwedischen Regisseurin Lisa Langseth mit Eva Green und Alicia Vikander vertreten. In der Jury sitzt etwa Regisseur Wim Wenders, der in Toronto selbst Weltpremiere seines jüngsten Films “Submergence” feiert.

Um den Preis geht es Barbara Albert aber weniger. “Ich finde, das ist ein Film für einen Schauspielpreis, und das wünsche ich der Maria sehr. Sie ist herausragend und hervorzuheben, weshalb ich mich sehr freue, dass wir im Wettbewerb mehr Aufmerksamkeit bekommen. Das ist das Tolle. Das reicht mir schon”, zeigte sich die 46-jährige Wienerin glücklich.

Die “Platform”-Schiene ist jene, die im vergangenen Jahr “Jackie” honorierte und den Oscar-Gewinner “Moonlight” international vorstellte. “Licht” geht anschließend in San Sebastian (22. bis 30. September) im Hauptwettbewerb ins Rennen um die Goldene Muschel. “Das wird toll”, sagte Albert, “denn das ist die europäische Premiere mit mehr Team und in gewisser Weise auch feierlicher, weil wir nicht alle nach Toronto mitnehmen konnten.” Danach ist das Werk auf der Viennale zu sehen, bevor es am 10. November in den österreichischen Kinos startet.

Von: apa