Aus der Band Alice Cooper wurde der Frontmann Alice Cooper

Alice Coopers Bassist schrieb Memoiren über den Schock-Rock

Freitag, 07. Oktober 2016 | 09:31 Uhr

Alice Cooper gilt vielen jungen Fans als Sänger, der den Schock-Rock miterfunden hat. Dabei stand der Name ursprünglich für eine Band, die nach zwei weniger und dann einigen höchst erfolgreichen Alben an Egos, Alkohol und Drogen zerbrach. Über den Beginn, den Durchbruch und letztendlich die Aufnahme in die Rock ‘n’ Roll Hall of Fame berichtet Bassist Dennis Dunaway in einem kurzweiligen Buch.

Dunaway verfügt nach eigenen Angaben über ein “lebhaftes Erinnerungsvermögen”, konnte aber beim Verfassen von “Schlangen, Guillotinen und ein elektrischer Stuhl – Meine Abenteuer mit der Alice Cooper Group” auch auf Tagebücher und Briefe zurückgreifen. Ko-Autor Chris Hodenfield half dem Musiker, das Erlebte im “Sprachstil der damaligen Ära” nachzuerzählen. Herausgekommen ist eine chronologische, anekdotische Aufarbeitung ohne Sensationsenthüllungen.

Bereits im Kunstkurs schmiedeten Dunaway und Vincent Furnier, der spätere Alice Cooper, “Pläne für die Revolution”. Die erste Band Earwigs entstand aus Spaß, aber schon da spielten theatralische Elemente eine Rolle. Nach Umbenennung in Nazz, Spider und schließlich Alice Cooper setzte man zunehmend auf androgynen Look, Lautstärke und Showelemente. Franz Zappa tauchte als erster Förderer auf, mit den Doors, Pink Floyd und den Stooges wurden wilde Partys gefeiert.

Der Bassist tischt bunte Geschichten von Groupies und dem Tourleben auf, als noch keine harten Drogen dem Freigeist der späten Sechziger zusetzten. Im “Summer of Love” übernachtete die Gruppe auf Parkbänken in Los Angeles, weil es an Geld mangelte. Dann die Erkenntnis: “Als Garagenband kommt man nicht weit.” Mit dem Produzenten Bob Ezrin gelangen der Formation Millionen-Seller wie “Killer” und “School’s Out”.

Aus billigen Effekten wie zerfetzten Kopfpolstern und per Feuerlöscher über die Zuschauer geblasenen Federn wurden aufwendige Showelemente, der Frontmann ließ sich jeden Abend hängen und kam mit einer Schlange auf die Bühne. “Wir galten als die Band, die den Pfahl in das Herz der Love-Generation trieb”, schreibt Dunaway. Doch forderten Erfolg und der damit einhergehende Lebenswandel Tribut: Alice Cooper, der Sänger, trank zunehmend mehr, Gitarrist Glen Buxton verfiel den harten Drogen.

Die Kluft zwischen Band und ihrem Frontmannn vergrößerte sich. Schließlich wurde Vincent Furnier zum alleinigen Alice Cooper, die Gruppe blieb auf der Strecke. Besonders hart geht Dunaway mit dem Sänger im Buch jedoch nicht ins Gericht. Statt Zorn spürt man bei der Lektüre die Freude, mit der sich der Bassist an jene Zeiten erinnert, als Salvador Dali der Alice Cooper Group seine Aufwartung machte und Groupies die Hotelzimmer belagerten. Und wer genau wissen will, was damals mit einem ins Publikum geworfenen lebenden Huhn wirklich passierte, sollte zu dieser Lektüre greifen.

Von Wolfgang Hauptmann/APA

INFO: Dennis Dunaway und Chris Hodenfield, “Schlangen, Guillotinen und ein elektrischer Stuhl – Meine Abenteuer mit der Alice Cooper Group”, Verlag Hannibal, 252 Seiten, Taschenbuch 23,60 Euro, eBook 9,99 Euro

Von: apa