Der Autor zeigt es vor: Eine Gitarre spielt die Hauptrolle

Allachers “Wiener Blues”: Hauptstadt-Krimi in der Musikszene

Donnerstag, 09. April 2020 | 20:21 Uhr

Es gibt Kriminalromane, die in Wien spielen und dabei en passant das Wiener Stadtleben und das “goldene Wienerherz” einfangen. Und es gibt Krimis, in denen Rockmusiker vorkommen. Und nun gibt es Johann Allachers “Wiener Blues”, in dem beides vermischt wird und auch gut zur Geltung kommt. Wer also Krimis und Musik liebt, kommt hier mit Sicherheit auf seine Rechnung.

Eigentlich spielt in Allachers drittem Krimi eine Gitarre die Hauptrolle. Nicht irgendeine Gitarre, sondern jene Gibson Les Paul, die einst einem gewissen Eric Clapton gestohlen wurde und seither als verschollen gilt. Im Roman ergibt sich der Verdacht, dass es dieses Instrument von unschätzbarem Wert auf verschlungenen Wegen in den Siebziger-Jahren zu Konrad Zauner, dem damaligen Sänger der Wiener Band “Velvet Shades” verschlagen hat. Nun ist diese Rockgruppe seit einem bösen Streit im Herbst 1976 aufgelöst, doch Langzeitstudent Erki Neubauer – die Hauptfigur in allen drei Allacher-Krimis – gräbt im Zuge seines Praktikums bei einem Wiener Radiosender einen alten Song dieser Combo aus – mit unabsehbaren Folgen.

Zunächst wird Erki vom Musikredakteur des Senders beauftragt, den gerade in Wien weilenden früheren “Shades”-Sänger zu interviewen, um eine Geschichte rund um den wieder im Radio hörbaren Song “Boogie Street” zu basteln. Der Praktikant braucht dem Ex-Musiker aber seine wohlüberlegten Fragen nicht mehr zu stellen, da dieser unmittelbar vor dem Interviewtermin aus einem hoch gelegenen Fenster jenes Hotels stürzt, in dem das Gespräch hätte stattfinden sollen.

Dieser Mord – die polizeiliche Suizid-These muss rasch verworfen werden – ist jedoch nur der erste Kriminalakt im Zusammenhang mit früheren Musikern der “Velvet Shades”, und nach und nach wird klarer, dass der Zeitpunkt einiger ominöser Ereignisse kein Zufall ist. Der frühere Manager der Band hat inzwischen seine eigenen Probleme – in Form von hohen Schulden bei einem Münchner Rotlicht-Baron, der bei der Wahl seiner Mittel zur Eintreibung nicht zimperlich ist, und das bei enden wollender Geduld. Für ihn wäre die vermisste Les Paul ein (nicht nur) finanzieller Rettungsanker, er findet aber nur ein Schreiben des inzwischen toten Zauner, in welchem er offenbar als Entschuldigung für den mehr als vier Jahrzehnte zurückliegenden Streit – das Instrument einem anderen Band-Mitglied überschrieben hat. Somit klappert der glücklose Musikagent einen nach dem anderen noch lebenden Musiker – der Bassist ist aufgrund seiner ausufernden Drogensucht schon einige Jahre tot – ab, jedoch ohne Erfolg.

Ob bzw. wo die Les Paul letztlich auftaucht, wie Hauptfigur Erki nach und nach in den Strudel der sich häufenden kriminellen Machenschaften gezogen wird, wie sich die von Inspektor Jerabek geleiteten polizeilichen Ermittlungen gestalten und warum das Aufnahmestudio des früheren Keyboarders der “Velvet Shades” komplett niederbrennt, soll hier nicht im Detail ausgeführt werden. Wohl aber soll erwähnt werden, dass sich Musik-Liebhaber schon vom Cover angesprochen fühlen werden, das eine (Vinyl-)Platte der “Shades” zeigt, die auf einem offenen Plattenspieler abgespielt wird.

Dabei allein bleibt es freilich nicht, denn die Rockmusik – vor allem jene aus dem Wien der Siebziger-Jahre – samt zahlreicher österreichischer und internationaler Interpreten spielt auch zwischen den Buchdeckeln eine tragende Rolle. Und zwar samt ihrer Begleiterscheinungen wie übermäßigem Alkohol- und Drogenkonsum so manchen Musikers, aber auch etwa dem Widerstreit von künstlerischem Anspruch einer Band mit kommerziellen Interessen von Managern und Plattenfirmen.

Neben diesen Einblicken in die nicht nur rosige Welt der Rockmusik enthält Allachers dritter Krimi wieder viel Wiener Lokalkolorit. Mal subtiler, mal auffälliger, aber immer sehr passend. Einer der Ex-Musiker des Romans, der sich jahrzehntelang in der Welt herumgetrieben hat, wird sogar mit den Worten zitiert, dass einem ausgewanderten Wiener irgendwann einmal auch die Raunzerei und Grantigkeit der Menschen eben dieser Stadt fehlen würden. Oder, um ein passendes Musik-Zitat zu finden: “Doch du musst wissen, des hat scho’ sei Ordnung, denn nur wenn’s raunzen geht’s ihna guat” aus Peter Cornelius’ “Ganz Wien hat den Blues” – den Wiener Blues eben, dem der Autor dieses Buch gewidmet hat. Vertont hat er ihn übrigens auch: “Boogie Street”, der Hit aus dem Buch, wurde von Allacher mit einigen Mit-Musikern eingespielt und ist unter www.johann-allacher.at/wienerblues/ anzuhören.(S E R V I C E – Johann Allacher: Wiener Blues, Emons-Verlag, 272 Seiten, 13,40 Euro)

Von: apa