Erstmals eröffnet das Festival mit einem Animationsfilm

Am Anfang der Berlinale gehen die Hunde auf Bärenjagd

Mittwoch, 14. Februar 2018 | 16:09 Uhr

Am morgigen Donnerstag wird die 68. Berlinale mit der Weltpremiere von Wes Andersons Animationsfilm “Isle of Dogs” eröffnet. Zur Gala im Festivalpalast am Potsdamer Platz sind mehr als 1.600 Gäste angesagt. Der 48-jährige Anderson will zusammen mit den prominenten Stimmen seines Hundefilms kommen, darunter Tilda Swinton, Greta Gerwig, Bill Murray, Jeff Goldblum und Bryan Cranston.

Festivaldirektor Dieter Kosslick empfängt Stars und Sternchen auf dem angestammten roten Teppich. Die Onlinepetition, den Teppich aus Protest gegen den Missbrauch in der Filmbranche schwarz einzufärben, konnte sich nicht durchsetzen. Sie hatte bis Mittwoch mehr als 20.000 Unterstützer. Dennoch dürfte die #MeToo-Debatte die elf Festivaltage entscheidend prägen – angefangen von der Eröffnungsgala mit der politisch versierten Moderatorin Anke Engelke bis hin zum Besuch des südkoreanischen Kultfilmers Kim Ki-duk, der sich in seiner Heimat selbst Gewaltvorwürfen ausgesetzt sieht.

Die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) forderte eine offene Auseinandersetzung mit Machtmissbrauch hinter den Kulissen. “Angst und Schweigen waren viel zu lange seine stillen Komplizen. Es ist gut, dass damit Schluss gemacht wird und dass sich nun vermehrt Frauen und auch Männer zur Wehr setzen”, erklärte sie. “Wir brauchen hier einen Kulturwandel, an dem alle mitwirken!”

Mit dem neuen Werk von US-Regisseur Wes Anderson eröffnet erstmals in der Geschichte ein Animationsfilm das Festival. Der Texaner mit weltweiter Fangemeinde erzählt von dem 12-jährigen japanischen Jungen Atari. Als durch einen Regierungserlass alle Hunde der Stadt auf eine riesige Mülldeponie verbannt werden, versucht er mit ihrer Hilfe, die Zukunft der ganzen Präfektur zu retten.

“Ein Anderson-Film, wie ihn die Leute lieben”, sagt Festivalchef Dieter Kosslick, der eine besondere Vielfalt an Themen verspricht. “Wenn es gut geht, verlassen wir das Kino mit anderen Bildern im Kopf als jenen, mit denen wir hineingegangen sind.”

Für Berlinale-Stammgast Anderson ist es das vierte Mal, dass er im internationalen Wettbewerb um den Goldenen Bären nominiert ist. 2014 hatte er mit dem Eröffnungsfilm “Grand Budapest Hotel” den Großen Preis der Jury gewonnen.

Diesmal gehen insgesamt 19 Filme ins Bären-Rennen, darunter mit Emily Atefs “3 Tage in Quiberon”, dem Porträt der späten Romy Schneider mit Marie Bäumer in der Hauptrolle, auch eine österreichische Koproduktion. Der deutsche Berlinale-Stammgast Christian Petzold verwebt in “Transit” die Geschichte von Exilsuchenden in der NS-Zeit mit dem Flüchtlingsschicksal heute. Nach einem autobiografischen Roman von Anna Seghers spielen der diesjährige Shooting Star Franz Rogowski und Paul Beer. Von Thomas Stubner kommt das Außenseiterdrama “In den Gängen” – diesmal Sandra Hüller neben Rogowski.

Die renommierten Bären-Preise werden vor dem abschließenden Publikumstag am 24. Februar verliehen. Über die Vergabe entscheidet eine sechsköpfige Jury unter Vorsitz von “Lola rennt”-Regisseur Tom Tykwer. Mit dabei: die belgische Schauspielerin Cecile de France und die amerikanische Independant-Produzentin Adele Romanski.

Die Berlinale gilt mit jährlich mehr als 300.000 verkauften Tickets als das größte Publikumsfestival der Welt. Sie wird aus dem Etat von Grütters mit 7,7 Millionen Euro unterstützt. Diesmal sind in den verschiedenen Reihen insgesamt 385 Filme zu sehen. Ein Schwerpunkt sind erneut Serien.

INFO: www.berlinale.de

Von: APA/dpa