Weinstein soll es "an menschlichem Einfühlungsvermögen" gefehlt haben

Anklage im Weinstein-Prozess: “Muster eines Raubtiers”

Freitag, 14. Februar 2020 | 18:39 Uhr

Die Verteidigung beschuldigt die mutmaßlichen Opfer, die Anklage will Harvey Weinstein lebenslang hinter Gitter bringen: Im Finale des Vergewaltigungsprozesses hat die Staatsanwaltschaft dem Ex-Filmmogul schwere Sexualverbrechen vorgeworfen. Im Verfahren gegen den früheren Hollywood-Produzenten prangerte Staatsanwältin Joan Illuzzi am Freitag in ihrem Schlussplädoyer Weinsteins Machtmissbrauch an.

“Der Angeklagte war der Herr des Universums und die Zeugen waren nur Ameisen, auf die er ohne Konsequenz treten konnte”, sagte Illuzzi. Sie betonte den “Mangel an menschlichem Einfühlungsvermögen” Weinsteins für seine mutmaßlichen Opfer. Er habe es mit Kalkül auf die unbekannten Frauen abgesehen, die in der Filmbranche aufsteigen wollten, dort aber keine guten Verbindungen gehabt hätten. “Keine dieser Frauen wusste voneinander. Das ist das Muster eines Raubtiers. Isoliere, isoliere, isoliere sie”, sagte Illuzzi. Sie wollte damit erklären, warum die Frauen ihre Anschuldigungen erst Jahre, manchmal Jahrzehnte später erhoben hatten. Sie hätten gedacht, sie seien die Einzigen – “und er ist ein Riese”. Die Zeuginnen hätten kein Motiv, über Weinstein zu lügen.

Seit 2017 haben Weinstein mehr als 80 Frauen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In dem aufsehenerregenden New Yorker Prozess geht es seit Jänner aber vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oral-Sex gezwungen und eine weitere Frau 2013 vergewaltigt haben. Bei einer Verurteilung durch die Jury droht ihm Gefängnis bis ans Lebensende – eine Entscheidung könnte schon nächste Woche fallen. Der Prozess gilt als Meilenstein der MeToo-Ära, die von dem Fall ausgelöst wurde.

Am Donnerstag hatte bereits die Verteidigung ihre letzten Worte an die zwölf Geschworenen gerichtet und die Zeuginnen der Anklage scharf angegriffen. “In ihrem Universum sind Frauen nicht verantwortlich für die Partys, an denen sie teilnehmen, die Männer, mit denen sie flirten, die Entscheidungen, die sie für ihre eigene Karriere treffen, die Flugtickets, die sie akzeptieren”, hatte Weinsteins Chefanwältin Donna Rotunno zur Darstellung der Anklage gesagt und damit den mutmaßlichen Opfern eine Mitschuld gegeben.

Rotunno hob auch angebliche Widersprüche in den Vorwürfen der Zeuginnen hervor und appellierte an die Juroren, ihren “gesunden Menschenverstand” zu benutzen. Der Angeklagte sei unschuldig. Gleichzeitig versuchte die Verteidigung, einer möglichen Vorverurteilung ihres Mandanten entgegenzuwirken, und machte Druck auf die Geschworenen, unvoreingenommen zu urteilen. “Es ist keine einfache Aufgabe, eine der wichtigsten, die jemals von ihnen verlangt werden wird”, sagte Rotunno. Der Prozess sei kein “Beliebtheits-Wettbewerb”: “In diesem Land sind es unbeliebte Personen, die Jurys am meisten brauchen.”

Der Auftritt von Staatsanwältin Illuzzi vor der Jury am Freitag war energisch und mitunter wütend, ihre Rhetorik lebhaft. Während ihres Plädoyers ging sie direkt vor der Bank mit den Geschworenen auf und ab, flüsterte manchmal fast, um dann wieder laut zu werden. Mehrfach machte sie scharfe, sarkastische Bemerkungen und provozierte damit ein Lachen im Saal.

In ihrer Rede stellte Illuzzi heraus, wie sehr sich die Geschichten der mutmaßlichen Opfer ähneln, unter anderem bei der Beschreibung über Weinsteins Wutanfälle und Drohungen ihnen gegenüber. Zudem betonte sie, wie Weinstein mithilfe eines Teams von Privatdetektiven versucht hatte, die mediale Berichterstattung zu unterbinden, die den Skandal um ihn 2017 ins Rollen brachte.

In den vergangenen Wochen hatte die Staatsanwaltschaft in dem Verfahren versucht, mithilfe von insgesamt sechs Hauptzeuginnen in teils drastischer Detailtiefe ein Muster Weinsteins offenzulegen – das eines Mannes, der seine Macht in der Filmindustrie systematisch ausnutzte, um sich junge Frauen gefügig zu machen. Der Frauen für Sex Karrierehilfe versprach und sie bei einem Nein zum Geschlechtsverkehr zwang und vergewaltigte.

Weinstein streitet die Vorwürfe der Anklage ab und spricht davon, dass jeglicher sexueller Kontakt einvernehmlich gewesen sei. Der 67-Jährige war am Morgen mit einem Lächeln in den Gerichtssaal gekommen und grüßte – wie immer tief über seine Gehhilfe gebeugt – eine Frau im Zuschauerraum. Er selbst hatte im Prozess die Aussage verweigert. Seine Anwälte hatten im Prozess die Strategie verfolgt, Zweifel an den Zeuginnen zu säen, und stellten sie als Frauen dar, die den einst mächtigen Weinstein wegen seines Geldes oder Einflusses in Hollywood ausnutzten.

Insgesamt hatten 28 Zeugen in dem Prozess ausgesagt, von der Verteidigung wurden weitere sieben Personen gehört. Ab Dienstag kommender Woche sollen sich die zwölf Geschworenen zu Beratungen zurückziehen, um über Schuld oder Unschuld Weinsteins zu entscheiden.

Mehr als 80 Frauen haben Weinstein seit 2017 sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In dem Prozess, der seit Anfang Jänner läuft, geht es im Kern aber nur um zwei Fälle: Weinstein wird vorgeworfen, 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oral-Sex gezwungen zu haben, eine andere Frau soll er 2013 vergewaltigt haben. Der Prozess gilt als Meilenstein der MeToo-Ära, die von dem Fall ausgelöst wurde.

Von: APA/dpa

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4 Kommentare auf "Anklage im Weinstein-Prozess: “Muster eines Raubtiers”"


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brunner
brunner
Superredner
3 Tage 10 h

Solche Typen gibts noch und nöcher in Führungsetagen…

lottchen
lottchen
Grünschnabel
2 Tage 20 h

da hast du sicher recht, aber es entscheidet schon die frau ob es ihr wirklich wert ist sich für eine bessere position, geld usw. herzugeben und sich darauf einzulassen… leidenschaft vortäuschen ist ja kein problem… auch frauen setzen ihre waffen ein um ihre ziele zu erreichen. für welchen preis? nachher kann man nicht dem mann die schuld geben…

mmhm_sel_schu
mmhm_sel_schu
Tratscher
2 Tage 21 h

Ich will das hier nicht verharmlosen, aber wird auch daran gedacht, dass viele Frauen solche Dinge für ihre Karriere in kauf nehmen um Filmstars und Supermodels zu werden? Ich denke sehr viele wissen genau af was sie sich da einlassen und nehmen es in Kauf für Ruhm und Geld. Eben die moderne Prostitution.
Die Victoria secret models schweigen auch alle für ruhm usw….

lottchen
lottchen
Grünschnabel
2 Tage 20 h
ich stimme dir voll und ganz zu… ist es eine vergewaltigung wenn eine junge frau die mit einem sehr reichen und einflussreichen mann freiwillig alleine auf ein hotelzimmer oder in ein appartment geht und das sogar mehrmals? ich finde nicht. hatten sie selber nicht auch einen hintergedanken damit etwas zu erreichen? es gäbe auch eine hotelbar oder ein öffentliches lokal.. er hat seine positoin sicher ausgenützt aber diese frauen sind heute auch dank ihm millionenschwer und berühmt… jetzt plötzlich nach 15 jahren? sie hätten auch einfach wieder gehen können und einen normalen beruf lernen… nach dem motto ich war jung… Weiterlesen »
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