Netrebko sprach über ihren Sohn

Anna Netrebko: “Europa braucht mehr Kliniken gegen Autismus”

Montag, 08. Januar 2018 | 12:11 Uhr

Anna Netrebko, Mutter eines autistischen Sohnes, klagt über Mangel an medizinischen Instituten im Kampf gegen Autismus in Europa. Sie selber haben ihren neunjährigen Sohn Tiago in einem Zentrum für autistische Kinder in New York behandeln lassen, den ihr Metropolitan-Geschäftsführer Peter Gelb empfohlen hatte.

“Wenn man keine finanzielle Mittel hat, kann man nirgendwohin. Daher sollten sich Europas öffentliche Gesundheitsstrukturen in Bewegung setzen. In Wien sagte man mir, dass man mir nicht helfen könne, dass es für Tiago nichts zu tun gebe, dass sie für die Behandlung der Krankheit nicht ausgerüstet seien”, sagte Netrebko im Interview mit der Mailänder Tageszeitung “Corriere della Sera” am Montag.

“Als ich begriffen habe, dass Tiago anders als andere Kinder war, war ich verzweifelt. Der Sohn meiner besten Freundin hatte dasselbe Problem, und sein Zustand hatte sich verschlechtert. Heute ist Tiago eine andere Person. Er ist neun Jahre alt. In Wien besucht er eine normale Schule mit anderen Kindern”, sagte Netrebko.

In den USA sei ihr Sohn gut behandelt worden. Die US-Ärzte konnten seine Verschlossenheit gegenüber der externen Welt ohne Medikamente brechen. “Tiago liebt Züge, er zeichnet sie immer. Als Erwachsener will er U-Bahn-Fahrer werden”, berichtete Netrebko.

Ihr Mann Yusif Eyvazov unterstrich, dass er mit der Zeit Tiagos Liebe gewonnen habe. “Tiago hat begriffen, dass jeder seine Rolle hat. Die Mutter erlaubte ihm alles. Jetzt weiß er, dass es den guten und den bösen Polizisten gibt. (…) Mit zunehmendem Alter hat er begriffen, dass wir alles, was wir tun, für ihn tun”, sagte Eyvazov.

Von: apa