Der 75-Jährige spielte ein stimmungsvolles Kammerkonzert

Art Garfunkel: Kammerkonzert im “Wohnzimmer” Konzerthaus

Mittwoch, 19. Juli 2017 | 05:50 Uhr

Art Garfunkel – die glockenhelle Stimme des Erfolgsduos Simon and Garfunkel aus den 1960ern/1970ern – wandelt nicht mehr zu Fuß durch Amerika, sondern wieder auf Solopfaden als Sänger: Der 75-Jährige spielte am Dienstagabend ein stimmungsvolles Kammerkonzert, irgendwie fast wie im “Wohnzimmer” des glücklicherweise gar nicht so Großen Saales des Wiener Konzerthauses. Fein, berührend, nostalgisch.

“Ich kann irgendwie gar nicht glauben, dass ich diesen Job immer noch mache”, lächelte Garfunkel am Anfang. “Aber es ist ja eben keine Arbeit, sondern eine Sucht.” Und es war kein weiter Weg bis zum ersten ganz großen Song aus seiner Mega-Karriere mit Paul Simon: “The Boxer”. Besonders faszinierend: Das ist ja ein Lied, das im Studio für damalige Verhältnisse aufwendigst produziert wurde – Art Garfunkel genügt in Wien die dezente Begleitung von Keyboarder Dave Mackay und seinem Langzeit-Gefährten Tab Laven an der akustischen Gitarre.

Garfunkels magische hohe Stimme und seine Aura schaffen eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Er schickt zunächst das wenig bekannte, fragile “Perfect Moment” nach, ehe der nächste Megahit folgt: “Scarborough Fair” verbreitet sich magisch im Dunkel des Konzerthauses, und Garfunkels Stimme fliegt leicht wie eine Daune von sanftem Wind bewegt durch den Raum. Der Song wurde 1967, vor 50 Jahren, aufgenommen – unglaublich.

Der Sänger verneigte sich auch vor einigen Kollegen mit Tributes: Randy Newman, einem seiner Lieblings-Songwriter, und vor allem dem im Vorjahr verstorbenen Phil Everly von den legendären Everly Brothers (mit “Let It Be Me”). Doch trotz zwölf – gar nicht schlechter, aber kommerziell mit Simon and Garfunkel nicht zu vergleichender – Solo-Alben weiß der New Yorker natürlich, dass das Publikum vor allem nach den großen Hits giert – kein Problem: “Homeward Bound” unmittelbar vor der Pause, ganz grandios “Bright Eyes” im zweiten Teil und selbstverständlich “Sound Of Silence”, übrigens in einer erfrischenden Uptempo-Version. Und mit der lässigen Einleitung: “Nun kommt der Song, der mein ganzes verdammtes Leben verändert hat.”

Denn natürlich waren die Jugendfreunde Paul Simon und Art Garfunkel nicht schon seit der Geburt berühmt – Garfunkel erwähnte eher beiläufig Zeiten, in denen er sich mit Simon und dessen Freundin in London und Paris als Straßenmusiker durchschlagen musste. So wie er auch ganz nebenbei erzählte, dass der in den vergangenen Jahren die USA von Osten nach Westen komplett zu Fuß durchwandert hat und danach dann auch noch Europa vom westlichen Irland bis nach Istanbul. Das passt irgendwie perfekt zu seiner Kunst und seiner Persönlichkeit: Er ist stets auf leisen Sohlen unterwegs und einfach ein nice guy.

Typisches Beispiel: Nach dem Ende des zweiten Sets raunte Art Garfunkel verschmitzt zu Gitarrist Tab Laven hinüber: “Spielen wir noch ‘Brigde Over Troubled Water’ – ohne das lassen sie uns ohnedies nicht gehen.” Und natürlich war auch dieser Song ganz großartig. Momente, die man festhalten muss – wie heißt es in einem von Art Garfunkels Gedichten, die er zwischendurch einstreute: “Tomorrow it’s over, tonight is all”.

Von: apa

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