Der erste Teil der Trilogie von Lucas Palm "Transhumania. Der Suizid".

Aus Lucas Palms Krimi-Trilogie “Transhumania”

Dienstag, 05. Februar 2019 | 11:01 Uhr

Das hochaktuelle Thema künstliche Intelligenz steht im Zentrum der Trilogie “Transhumania” des in Wien geborenen Autors Lucas Palm. Der erste Band “Der Suizid” ist ein spannender, in Zürich spielender Krimi: Ein angesehener Historiker hat sich völlig überraschend im Zürcher Park Platzspitz erhängt. Sein Sohn David macht sich auf Spurensuche und stößt dabei auf ein illegales Forschungsprojekt.

Der in Wien lebende David Clezio, Historiker wie sein Vater, stellt auf der Suche nach Antworten nach dem völlig überraschenden Tod des Vaters fest, dass dessen 35 Jahre lang penibel geführte Tagebücher verschwunden sind. Er findet lediglich eine Notiz des Vaters, die mit den Worten endet, der Aufklärungskritiker Johann Georg Hamann habe mit seiner Befürchtung recht behalten: “Die fortschreitende Rationalisierung des Menschseins führt in gefährliche Gefilde. Gleichzeitig, und das ist das wahrhaft Große an Hamann, bestand er weiterhin darauf, dass der Mensch zu weit Höherem fähig ist, als nur seinen Verstand zu nutzen. Wir, die ewigen Kinder der Aufklärung, glauben ihm das bis heute nicht.”

Antworten zum Verbleib der Tagebücher und zum Grund für den Suizid erhofft sich David von dem undurchsichtigen Dr. Turimov, einem langjährigen Freund des Vaters, der offenbar etwas zu verbergen hat. Bei ihm entdeckt er das Protokoll eines Gesprächs zwischen seinem Vater und einer gewissen Sophia. Im Zuge der weiteren Handlung des Romans, der in sieben binär nummerierte Kapitel unterteilt ist, verdichten sich die Hinweise auf ein Forschungsprojekt zur Artifical Intelligence, in dem Sophia eine zentrale Rolle spielt.

Die Geschichte begibt sich ins Spannungsfeld zwischen Glaube und Wissenschaft, Wahrheit steht gegen Lüge, Emotion gegen Ratio. Die Ansichten Turimovs und seiner Geschäftspartner rütteln an Davids Prinzipien. Während sich sein Vater den Menschen als unantastbares Wesen vorstellte, will Turimov ihn technisch optimieren, was die Freundschaft der Männer zerrüttete. Denn diese Forschung eröffnet die Möglichkeit der Manipulation und ist, wie David bald feststellt, von handfesten Interessen geleitet.

Künstliche Intelligenz, die die digitale Revolution vorantreibt, und die weitere Optimierung des Menschen durch Technologie verändern unsere Welt stärker und schneller als der Fortschritt vergangener Jahrhunderte. Wohin führt uns das und haben wir diese “Geister” unter Kontrolle? Die Idee eines künstlichen Menschen durchzieht Philosophie, Literatur und Kunst seit jeher. Bei Palms “Transhumania” ist vieles davon nur angerissen, mehr wäre aber auf den nur 130 Seiten auch kaum möglich gewesen. Wie Brotkrumen bei Hänsel und Gretel verteilt der in Zürich aufgewachsene Autor geistesgeschichtliche und philosophische Verweise und Exkurse im Buch. Warum es nötig war, die Geschichte auf mehrere Bücher aufzuteilen, erschließt sich dem Leser nicht recht – am Umfang des Buchs kann es nicht liegen. Die wohl in Brüssel spielende Fortsetzung dürfte gern ausführlicher sein.

Von: apa