So kennt man den Berliner Bariton

Ausnahmesänger Max Raabe feiert seinen 55. Geburtstag

Dienstag, 12. Dezember 2017 | 17:41 Uhr

Die Zeiten, als Max Raabe “kein Schwein” anrief, sind schon lange vorbei. Seit rund 30 Jahren begeistert der ausgebildete Opernbariton mit seinem Sound der 20er und 30er Jahre und mit feinsinnigen Texten sein Publikum. Auch wenn Raabe, der heute 55 Jahre alt wird, seinen Stil gefunden hat, aufgeschlossen für Neues ist er immer.

So sorgten auf seinem aktuellen Album “Der perfekte Moment…wird heut verpennt” Annette Humpe und Peter Plate als Produzenten für frischen Schwung.

Tradition und Moderne im Einklang: “Selbstverständlich war es mir wichtig, dass man die Haltung aus dieser Zeit in die Gegenwart transportiert, aber die Musik, die Beats, die müssten modern sein, das war mir klar”, sagte Raabe im Interview der Deutschen Presse-Agentur. “Aber es sollte natürlich meinem Stil entsprechend sein, also ich will nicht auf einmal Popkünstler sein, sondern ich biege die Popmusik dann so, dass es zu mir passt.”

Doch wer steckt hinter der Figur Raabe, die so aussieht, als wäre sie für die Bühne geboren? Max Raabe erblickte in Lünen das Licht der Welt, debütierte im Kinderchor seiner Gemeinde, sammelte Erfahrung in der lateinischen Schola des von ihm besuchten Internats in Ost-Westfalen und der dort ansässigen Kantorei.

Mit 18 Jahren ging Raabe nach Berlin, wo er 1986 das Palast Orchester mitbegründete. Nach sieben Jahren an der Hochschule der Künste war er staatlich geprüfter Bariton mit der Lizenz zur Marathon-CD-Produktion.

Und während damals immer wieder neue Girlbands und Boygroups die Charts stürmten, fing er an, eine Nische zu besetzen: Lieder und Chansons der 1920er und 1930er Jahre, neu arrangiert. Doch es ist nicht nur die Musik, mit der Raabe die Konzertsäle füllt. Der “charming gentleman” vermittelt ein ganzes Lebensgefühl.

Dabei wirkt der Nostalgiker wie aus der Zeit gefallen: Blasierter Blick, pomadiges Haar, Frack mit Fliege. Eine Jeans hat er zuletzt mit 16 getragen. Auch seine Lieder aus den Goldenen Zwanziger Jahren sind reichlich retro. Und doch schafft es der Berliner Bariton, mit einer besonderen Mischung aus Steifheit, Charisma und leiser Ironie das Publikum zu begeistern.

Von: APA/dpa