Heute wird A. S. Byatt 80 Jahre

Autorin A. S. Byatt wird 80

Mittwoch, 24. August 2016 | 11:36 Uhr

Sie erhielt den wichtigsten britischen Literaturpreis – den Man Booker Preis – für ihre Akademiker-Romanze “Possession” (Besessen) und wurde von der Queen in den Adelsstand erhoben. Im Herbst wird ihr für ihr Lebenswerk der renommierte niederländische Erasmus-Preis überreicht.

Wirklich bekannt wurde Antonia Susan Byatt, kurz A. S. Byatt, jedoch durch den jahrzehntelangen Kleinkrieg mit ihrer Schwester Margaret. Die beiden Grandes Dames haben eine Reputation innerhalb des britischen Literaturbetriebs wie einst die rivalisierenden Hollywoodstars und Schwestern Joan Fontaine und Olivia de Havilland.

“Ich erinnere mich an die Ankündigung meiner Schwester, keine weiteren Bücher oder Romane mehr zu schreiben”, vertraute Dame Antonia Duffy – ihr offizieller Titel – dem britischen “Telegraph” an, als ein weiterer Roman ihrer Schwester herauskam. Sie habe der Presse gleich gesagt, dass das eine Lüge sei. “Und es stellte sich heraus, dass ich richtig lag.”

Am 24. August feiert die weltbekannte Autorin A. S. Byatt ihren 80. Geburtstag. Vielleicht mit einer Runde Snooker, denn sie liebt diesen Sport wegen des Dramas in jeder Partie: “Es gibt eine Geschichte, und das Ende ist wirklich unbekannt, bis es da ist.”

Geboren wurde sie als Antonia Susan Drabble am 24. August 1936 in der verrußten Stahlstadt Sheffield als ältestes Kind eines Kronanwalts und einer ehrgeizigen und dominanten Mutter. Diese hatte sich aus dem Arbeitermilieu zur Elite-Universität Cambridge hochgekämpft, doch dann die Karriere für ihre vier Kinder aufgegeben. Die Wut der Mutter über ihr Hausfrauendasein warf einen schrecklichen Schatten über Byatts Kindheit.

Als Kind verschlang sie Tennyson, Scott, Dickens und Austen. Aus dieser Zeit stammt ihr Besessen-Sein von Sprache und Geschichten, die sich durch ihr gesamtes Leben und Werk zieht. Aber selbst als Zehnjährige hatte Byatt schon das Gefühl, mit ihrer jüngeren Schwester Margaret konkurrieren zu müssen: “Meine Mutter mochte Maggie viel lieber”, erinnerte sich Byatt 1991 in einem freimütigen Interview der New York Times an die Atmosphäre in dem Quäker-Haushalt. “Ich hatte immer das Gefühl, als wäre mir jemand auf den Fersen, und egal was ich machte, ich war nie gut genug.”

Die drei Jahre jüngere Margaret Drabble galt lange Zeit als die erfolgreichere Schwester: Sie stand bei der Royal Shakespeare Company auf der Bühne – unter anderem als Zweitbesetzung für Vanessa Redgrave – und schrieb ihr erstes Buch, weil sie sich während ihrer Schwangerschaft langweilte. Bestseller wie “The Millstone” und “Jerusalem The Golden” folgten. Ärgerlich für Byatt (sie behielt den Namen ihres ersten Mannes als Autorennamen), die sich zum Schreiben getrieben fühlte, aber hauptberuflich als Unidozentin und Literaturkritikerin arbeitete – und nach vier recht erfolglosen Romanen nur als Margaret Drabbles Schwester bekannt war.

Ab 1990 änderte sich das schlagartig, als Byatt den renommierten britischen Man Booker Preis für ihren fünften Roman “Besessen” erhielt. Ein Überraschungserfolg, denn bisher war sie eher bekannt für Weitschweifigkeit und Pedanterie als für elegante, unterhaltsame Leichtigkeit.

Zwei junge Literaturwissenschaftler entdecken in dem Buch eine versteckte Liebesgeschichte zwischen ihren beiden Forschungsobjekten, zwei viktorianischen Dichtern. Während sich zwischen den beiden Akademikern ebenfalls eine Romanze anbahnt, durchkreuzen sie ein Komplott ihrer amerikanischen Kollegen. Der Schmöker verbindet eine literarische Detektivgeschichte und Uni-Satire mit Liebschaften in zwei Jahrhunderten und ist vollgestopft mit erfundener viktorianischer Poesie, Briefen und Tagebucheinträgen. In ihrer Dankesrede nannte Byatt ihren Roman eine “Geschichte über das Lesen”.

“Besessen” machte sie über Nacht in der angelsächsischen Welt bekannt, die Queen ehrte sie mit dem CBE-Verdienstorden, internationale Preise folgten, die Geschichte wurde mit Gwyneth Paltrow verfilmt. Byatt feierte ganz bescheiden, kaufte sich einen Anrufbeantworter und ein paar Bücher und fuhr künftig Taxi. Schließlich wurde sie 1999 in den Adelsstand erhoben. Damit hatte sie endlich ihre Schwester Margaret überholt.

Sie veröffentlichte weiterhin alle paar Jahre, darunter “Der Turm zu Babel” (1996), “The Little Black Book of Stories” (2003), “Das Buch der Kinder” (2009), und erhielt Preise und Ehrendoktorwürden, doch keines ihrer Bücher erreichte wieder die Breitenwirkung von “Besessen”. Fans lieben ihren wohlüberlegten Umgang mit Sprache und ihren Tiefgang. Kritiker werfen ihr die vielen literarischen Anspielungen vor, ihren gekünstelten Stil.

Auch ihr neuestes Werk “Peacock & Vine” über den Kunstgewerbler und Literaten William Morris und den spanischen Maler Mariano Fortuny spaltete die Leserschaft. Sie selbst, schrieb in der Einführung, A.S. Byatt habe stets diejenigen bewundert, “bei denen Leben und Kunst sich nicht unterscheiden lassen.” Ein Motto, dem sie selbst immer treu geblieben ist.

Von: APA/dpa

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