The Prodigy erfüllte die Erwartungen

Avenged Sevenfold und Prodigy mit Bravour am Nova Rock

Samstag, 16. Juni 2018 | 08:44 Uhr

Die beiden Headliner am zweiten Tag des Nova Rock in Nickelsdorf im Burgenland mögen nicht die Originellsten gewesen sein. Aber Avenged Sevenfold und The Prodigy erfüllten ihre Rolle mit Bravour. Auch wenn der Publikumszuspruch hinter manch vergangener Festivalausgabe zurückblieb, war die Leistung auf den Bühnen doch durchwegs ansprechend – was man davor nicht von allen Bands behaupten konnte.

Avenged Sevenfold legten in dieser Hinsicht ein Best-of hin – der gesamten Rockhistorie. Böse Zungen behaupten ja gerne, dass die US-Band eigentlich nur kopiert. Aber letztlich setzt sie ihre Zutaten sehr überzeugend zusammen, wenn etwa “God Damn” ordentlich aus den Boxen schepperte oder “Buried Alive” Eingängigkeit mit Härte kombinierte. Ob man letztlich ankommt oder nicht, liege auch an den Fans, wie Gitarrist Zacky Vengeance vor dem Gig gegenüber der APA zu verstehen gab. “Sie diktieren, wie die Shows ablaufen.” In dieser Hinsicht war das Nova-Rock-Publikum offenbar eher auf statische Performance eingestellt – erst nach einigen Nummern kam Bewegung in die Bude.

Mit Feuerfontänen, einem überdimensionalen Totenschädel bei “Hail to the King” und reichlich Feuerwerk zum Abschluss von 90 druckvollen Minuten taten Avenged Sevenfold jedenfalls das ihre, um zu überzeugen. “Du gehst da raus und gibst dein Bestes – egal, wie viele Leute vor dir stehen”, meinte Vengeance. “Manchmal bist du nervös, manchmal nicht. Aber du musst sie überzeugen.” Eine Aufgabe, die schlussendlich auch gelungen ist. Und neue Anhänger können sich durchaus auf einiges gefasst machen, arbeite man doch an neuem Material. “Die Reise geht einfach weiter, und wir versuchen einen kreativen Weg zu finden, um alle zufriedenzustellen. Wir wollen das gleiche Album nicht zwei Mal abliefern, was mit der Zeit natürlich schwieriger wird. Aber dieser Herausforderung stellen wir uns”, so der Musiker, der auch zu verstehen gab: “Kreativität ist in einer Band immer auch Kompromiss.”

Solche gab es bei den Breakbeat-Punks von The Prodigy nicht, die Briten nehmen nämlich keine Gefangenen: subversiv, laut, grell, böse, mitreißend ist die Gruppe. “The Day Is My Enemy” heißt der Titelsong ihres jüngsten Albums. Und als genau dieser Track mit einer ungeheuren Wucht, begleitet von einer grell-hysterischen Lichtshow, aus den Boxen kam, nein detonierte, da zweifelte man nicht an dem Zusatz “The Night Is My Friend”. Finster bellte Einpeitscher MC Maxim Reality ins Mikro, wie ein Derwisch, der die Sonne scheut, tänzelte Sänger Keith Flint herum, während die Band um das Gehirn Liam Howlett elektronische Musik mit Rock ungehemmt paarte.

Die Cyberpunk-Hymne “Omen” hatte das Set eröffnet, Maxim Reality rief vor einer futuristischen Kulisse seine “Nova People” zu sich. Immer wieder und wieder. “Nasty” fuhr wenig später in die Magengruben, “Wild Frontier” klang nicht weniger rau, roh, derb und doch voller Finesse und von einem unwiderstehlichen Beat begleitet, eine kunstvolle Watschen sozusagen. Darf’s noch ein bisserl härter sein: “Roadblox” explodierte förmlich. Die bösen Buben unter den Dancefloor-Klassiker, gut im Set verstreut, zündeten wie erwartet: “Firestarter”, “Breathe”, “Smack My Bitch Up” – The Prodigy sind eine Macht.

Überraschend viele Leute hat auch Rapper Jugo Ürdens angezogen. Das junge Aushängeschild der Wiener Rapszene nutzte gemeinsam mit Kollege Einfachso den sonnigen Nachmittag auf der Red Bull Stage und ließ bei Nummern wie “Yugo” die Hände in die Luft gehen. “Ich dachte, es funktioniert gar nicht. Dann das!”, schmunzelte der sympathische Musiker nach seinem Gig. “Super, es war echt was los.” Dass um ihn seit einiger Zeit ein ganz schöner Rummel entstanden ist, nimmt Ürdens relativ gelassen. “Ich bin ja noch echt überschaubar von der Größe. Es ist schön, dass es wächst, aber eben sehr kontinuierlich und angenehm.”

Im Oktober steht dann endlich das Debüt des Rappers in den Läden. Derzeit wird noch an den letzten Stücken gefeilt, der Abgabetermin naht. Während also Acts wie Moneyboy und Yung Hurn auch in Deutschland mit ihrer zeitgenössischen Deutung von Hip-Hop reüssieren konnten, kündigt sich hier der nächste Durchstarter an, der sampelbasierte Rapkunst mit modernen Zügen zusammenführt. “Wo ich mich seh?”, runzelte Ürdens auf die entsprechende Frage die Stirn. “Das kann ich gar nicht sagen. Ich hoffe schon, dass es etwas Eigenes ist.” Jedenfalls funktioniert es in der Szene offenbar ebenso gut wie auf einem Rockfestival. Chapeau!

Ziemlich zeitgleich ließen auch Arch Enemy nichts anbrennen und brachten genau das auf die Pannonia Fields mit, was ihre Fans erwarten – Melodic-Death-Metal für die Massen. Sängerin Alissa White-Gluz grölte sich im engen Leder durch alte und neue Songs, die Kollegen an den Instrumenten fegten so heftig wie ein nordburgenländisches Sturmtief durch die Gehörgänge. “Wir haben bereits 100 Shows mit dem neuen Album (‘Will To Power’, Anm.) gespielt. Wir haben jetzt genug Selbstsicherheit, was das aktuelle Material betrifft”, sagte Bandgründer und Gitarrist Michael Amott vor dem Auftritt. Man will ihm gar nicht widersprechen.

Auch die schönste Party verträgt einen Schuss Sozialkritik. Dafür waren heute auf der Blue Stage Rise Against und auf der Red Stage Bad Religion zuständig. Über die sich für Tierrechte einsetzenden Punk-Hardcore-Combo aus Chicago freuten sich nicht nur die Betreiber der Veggie-Stände, die stattliche Menge vor der Bühne hatte Spaß – es ging wild zu. Auch bei den älteren Kollegen aus Los Angeles wurde, wenn auch nicht so heftig, getanzt. Bad Religion haben über die Jahrzehnte nicht an Relevanz verloren. Denn wenn man auch den Sound keinen großen Experimenten aussetzt, so überzeugen (wie auch in Nickelsdorf) die Spielfreude und die Botschaften der Truppe um den promovierten Evolutionsbiologen (der mittlerweile auch wie ein solcher ausschaut) Greg Graffin am Mikro.

Relaxed und stilsicher gab sich Gentleman, der mit seinen Reggae-Rhythmen aus dem Rockfestival für einige Zeit ein Sunsplash machte. Man dankte für die eleganten Farbtupfer und die sonnengetränkten Songs an einem Tag, dessen Programm über weite Strecken ein wenig belanglos und zerfahren wirkte. Anders formuliert: Der Nova-Freitag hatte gute Momente, ein paar schlechte – und wenig außergewöhnliche. Wer sich daran störte, konnte aber immerhin noch auf Late-Night-Act Otto und sein komödiantisches Programm hoffen.

Von: apa

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