Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst mit einer druckvollen Darbietung

Bilderbuch brillierten zum Frequency-Auftakt

Freitag, 19. August 2016 | 07:40 Uhr

Die erwartete Partylaune zum Abschluss war am ersten Tag des Frequency Festivals in St. Pölten Deichkind zu verdanken. Mit der über Jahre bewährten Mischung aus Rap mit Technoanleihen und Humor waren die Hamburger eine sichere, aber fast zu souverän agierende Bank. Der “Tagessieger” auf der Hauptbühne, der Space Stage, sollte am Donnerstag dank der druckvollen Darbietung jedoch Bilderbuch heißen.

Ein Grund dafür war sicher die Motivation der Österreicher, die ihr Sänger Maurice Ernst recht kantig definierte: “Uns gibt es seit elf verschissenen Jahren, und jetzt stehen wir hier auf dieser Bühne”, lautete sein Kommentar zum verdienten Triumph der Oberösterreicher. Denn die derzeit am erfolgreichsten groovende Band heimischen Ursprungs zeigte mit ihrem bis zum Ende durchwegs gelungenen Gig, dass man sie ohne Bedenken zur Festival-Prime-Time auf die Zuschauer loslassen kann.

Insgesamt bot der Auftakt den Besuchern des VAZ-Geländes einen ausgewogenen musikalischen Mix: etwa Folk-Rock von den Lumineers aus den USA am frühen Abend auf der Hauptbühne, ebenso Härteeinlagen der australischen Metal-Corer Parkway Drive, oder verträumten, aber äußerst hymnischen Pop-Eskapismus der Franzosen M83 auf der kleineren Green Stage.

Parkway Drive verdienten sich zum Auftakt der zweiten Tageshälfte zumindest einmal den Titel “Berserker des Tages” – aber auch nur deshalb, weil sich ihnen im Bandreigen des ersten Tages keine Konkurrenz in der härteren Rocknische bot. Bei ihnen trafen melodische Gitarrenriffs auf den Schreigesang von Herrn Winston McCall – eine Kombi, die zumindest in den vorderen Reihen für gut befunden wurde.

Der Besucherstrom zum Festivalgelände war gegen 20.00 Uhr inzwischen auf dem Höhepunkt angelangt. Ein Blick in den Himmel ließ zu diesem Zeitpunkt Sorge über die Wetterlage aufkommen, doch die Wolkenfront brachte nur ein paar Regentropfen und dazu leichte Abkühlung. Der erste musikalische Höhepunkt des Abends hieß dann auf der Green Stage M83. Die französischen Vintage-Elektroniker brillierten bei ihrem Festival-Debüt in Österreich.

Die Formation mit dem Hang zu 70er-Synthie-Sounds ließ diese in St. Pölten anfangs erst einmal beiseite. In Bandformation war man angetreten, und zu Beginn ließ man der E-Gitarre den Vortritt, um dann die zugleich meist tanzbaren, wie auch hymnisch bis sphärischen Songs unter Mithilfe einer farbenfrohen Lichtshow zu präsentieren. Die eskapistische Spielart des Pop der Marke M83 wurde vom zunehmend euphorischen Publikum dankbar aufgenommen. Mit einem perfekten Finale verabschiedeten sich die Franzosen und verdienten sich so – zumindest unter den Connaisseuren – das Prädikat “superfantastisch”.

Mit einem funkigen Beginn ließen dann Bilderbuch auf der Hauptbühne mit dem Song “Schick Schock” aufhorchen. Es gab auch Sambarhythmen bei “Karibische Träume”, und die Band bewies mit ihrem Werk, dass sie die Pop- und Rockgeschichte gut kennt und es versteht, dieses Wissen auf dezente Weise zu ihren Gunsten zu verwenden. Eine Setlist ohne Hänger komplementierte den Triumph der 2005 gegründeten Band.

Die erste Bilanz jenseits der Musik fiel positiv aus: Die erhöhte Sicherheit, die sich durch mehr Personal und Kontrollen zeigte, führte laut Veranstalter zu keinen Einschränkungen beim Zustrom der Gäste. Ebenso konnte das Rote Kreuz von einer ruhigen ersten Nacht auf Donnerstag berichten. Die schlechten Nachrichten betreffen die Fans von Jennifer Rostock: Die deutsche Rockband muss ihren am Freitag angesetzten Auftritt wegen einer Erkrankung der Sängerin absagen.

www.frequency.at

Von: apa

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