Die Trauer ist groß

Blumen und Tränen für Aretha Franklin

Freitag, 17. August 2018 | 14:17 Uhr

Blumen und Tränen für Aretha Franklin: An zahlreichen Orten in den USA haben Fans und Weggefährten am Donnerstag die verstorbene Soul-Legende gewürdigt. Die New Bethel Baptist Church in Detroit, in der Franklins Vater einst Pastor war, verwandelte sich in einen Ort der Trauer.

Zahlreiche Menschen legten dort Blumen, Luftballons oder Plüschtiere nieder. Trauernde beteten auf den Kirchenbänken. Auch der prominente Pastor und Bürgerrechtler Jesse Jackson begab sich in die Baptistenkirche. Er sagte einem örtlichen Fernsehsender: “Die Erde hat heute sehr viel Musik verloren.” Franklin habe stets viel gegeben. “Wir danken ihr so sehr. Wir vermissen sie schon jetzt so sehr.”

“In einem der dunkelsten Momente unseres Lebens können wir nicht die angebrachten Worte finden, um den Schmerz in unseren Herzen auszudrücken”, erklärte Franklins Familie in einer Mitteilung. “Wir haben unsere Matriarchin verloren, den Fels unserer Familie”, hieß es. “Wir haben eure Liebe für Aretha gefühlt und es hilft uns zu wissen, dass ihr Erbe weiterleben wird.” Informationen zu Trauerveranstaltungen und zum Begräbnis würden zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt.

Im Motown-Museum in Detroit, das über das berühmte Musik-Label informiert, lag ein Kondolenzbuch aus. Fans bekundeten darin ihre Trauer um die Sängerin aus, die am Donnerstag im Alter von 76 Jahren an Krebs gestorben war. Auch auf dem Hollywood Walk of Fame wurde der Sängerin gedacht. An ihrem Stern legten Fans Blumen und Botschaften nieder.

Der Bürgermeister von Detroit kündigte an, dass auf zahlreichen Veranstaltungen an die berühmte Bürgerin der Stadt erinnert werde. Einzelheiten nannte er nicht.

Auch die Trauerbekundungen berühmter Kollegen rissen nicht ab: Die britische Sängerin Annie Lennox, die in den 80er Jahren mit Franklin das Duett “Sisters Are Doin’ It For Themselves” sang, würdigte Franklin als “unvergleichliche” Sängerin. “Selbst Superlative reichen nicht aus”, um sie zu beschreiben, schrieb die Eurythmics-Sängerin.

Die Sängerin Barbra Streisand erklärte, es sei “schwer sich eine Welt ohne sie vorzustellen”. “Sie war nicht nur eine ausgezeichnete Sängerin, sondern ihr Einsatz für die Bürgerrechte hat die Welt nachhaltig geprägt.” Auch die Sängerin Diana Ross äußerte sich bestürzt. Popstar Mariah Carey twitterte, Franklin habe mit ihrer Musik und ihrem Einsatz für Bürgerrechte “mir und vielen anderen die Türen geöffnet”.

Die Sängerin Bette Midler schrieb auf Twitter, mit Franklin sei “die großartigste Stimme in der amerikanischen Populärmusik verstummt”. Der Beatles-Musiker Paul McCartney twitterte, Franklin habe “uns alle so viele Jahre lang inspiriert”. Rockstar Mick Jagger bezeichnete die Soul-Legende als inspirierend. “Wo man auch war, sie hat dich immer in die Kirche gebracht”, teilte der Frontmann der Rolling Stones mit.

Auch der amtierende und zwei frühere US-Präsidenten trauerten öffentlich um Franklin. “Sie war eine großartige Frau, mit einem wunderbaren Geschenk von Gott, ihrer Stimme”, schrieb US-Präsident Donald Trump beim Kurznachrichtendienst Twitter. “Sie wird vermisst werden!” Sein Vorgänger Barack Obama würdigte Franklin gemeinsam mit seiner Frau Michelle per Mitteilung: “Mit ihren Kompositionen und ihrem unübertroffenen musikalischen Können hat Aretha die amerikanische Erfahrung definiert. In ihrer Stimme konnten wir unsere Geschichte fühlen”, schrieben die Obamas. “Sie hat uns dabei geholfen, uns verbundener zu fühlen, hoffnungsvoller und menschlicher. Und manchmal hat sie uns auch nur dabei geholfen, alles zu vergessen und zu tanzen.”

Ein weiterer früherer US-Präsident, Bill Clinton, trauerte ebenfalls gemeinsam mit seiner Frau Hillary um Franklin. Die Sängerin sei “einer der größten Schätze Amerikas” gewesen. “Mehr als 50 Jahre lang hat sie unsere Seelen berührt.” Der britische Sänger Elton John bezeichnete Franklin als “bedeutendste Soul-Sängerin aller Zeiten”. “Der Verlust von Aretha Franklin ist ein Schlag für all diejenigen, die echte Musik lieben: Musik vom Herzen, von der Seele und der Kirche”, schrieb John bei Instagram.

Die Musikerin Carole King, die gemeinsam mit Franklin den Hit “(You Make Me Feel Like) A Natural Woman” geschrieben hatte, kommentierte bei Twitter: “Was ein Leben. Was eine Hinterlassenschaft! So viel Liebe, Respekt und Dankbarkeit.” Der Schauspieler Hugh Jackman schrieb, Franklin sei “eine der großartigsten Sängerinnen aller Zeiten” gewesen. “Du wirst von allen vermisst werden.”

Schon vor einigen Tagen war bekanntgeworden, dass Franklin schwer erkrankt sei und Hospizpflege erhalte. Freunde und Wegbegleiter wie der Sänger Stevie Wonder und der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson hatten die Musikerin daraufhin in ihrem Haus in Detroit besucht. Aktivisten hatten Mahnwachen und Kirchen Andachten angekündigt. Zahlreiche Prominente schickten Genesungswünsche.

Die 1942 in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee geborene Franklin wurde mit Titeln wie “Respect”, “Chain of Fools” und “I Say a Little Prayer” berühmt. Für ihren von Gospel und Jazz beeinflussten Soulgesang wurde sie mit 18 Grammys ausgezeichnet. Mehr als 100 Lieder von ihr schafften es in die Charts.

Franklin wurde als erste Frau 1987 in die Rock&Roll Hall of Fame aufgenommen und sang unter anderem für die früheren US-Präsidenten Barack Obama, Jimmy Carter und Bill Clinton, sowie bei der Beerdigung des Bürgerrechts-Aktivisten Martin Luther King. Das Musikmagazin “Rolling Stone” kürte sie 2010 zur “besten Sängerin aller Zeiten”. Wegen Flugangst war sie seit vielen Jahren fast ausschließlich nur noch in Amerika aufgetreten und auch dort immer weniger. Im Februar 2017 hatte Franklin ihren Rückzug aus dem Musikgeschäft angekündigt.

Von: APA/ag.