Von Teese war in ihrer Show nur selten auf der Bühne

Burlesque-Star Dita Von Teese feierte in Wien Freizügigkeit

Mittwoch, 21. November 2018 | 10:39 Uhr

Dita Von Teese ist ein Phänomen: Unter dem Label Burlesque hat die US-Amerikanerin in den vergangenen 20 Jahren die Striptease-Kunst zu neuem Leben erweckt. Zwei Drittel ihrer Fans sind laut eigener Aussage Frauen. Dieses Bild bestätigte sich am Dienstagabend in der ausverkauften Wiener Stadthalle, wo die Männer zur Staffage gerieten – oder aber als Mitglieder der schwulen Community feierten.

Dazu trug vor allem einer bei: Der in der US-Schwulenszene gehypte Comedian Jonny McGovern (Künstlername: The Gay Pimp) übernimmt in der “The Art of the Teese”-Show die (ausgedehnte) Rolle des Conférenciers. Mit riesigen, mit Worten wie “Yaaaay” oder “Juicy” bedruckten Fächern heizt er dem Publikum ein, begrüßt “Damen, Herren und alle dazwischen” und wird nicht müde, mit seiner betont tiefen Stimme auf die Sexiness des Abends zu verweisen: “Dies hier ist euer Safe Space: Hier und nur hier ist es euch erlaubt, mit offenem Mund auf Brüste zu starren.”

Als die 45-jährige Dita Von Teese, die vielen wohl als Ex-Frau des Schockrockers Marilyn Manson ein Begriff sein dürfte, schließlich ihren ersten (von nur vier) Kurzauftritten hinlegt, wird deutlich, warum es sich hier nicht einfach um eine aufgeblasene Strip-Show handelt: Von Teese nimmt mit ihrer Mischung aus Old-Hollywood-Eleganz, perfekter Körperbeherrschung und fühlbarer Selbstbestimmtheit von der ersten Sekunde an gefangen. Mit ihrer schwarzen Haartolle, blutroten Lippen und blassem Teint erinnert sie an einstige Diven wie Hedy Lamarr, die auch sie selbst oft als Vorbild nennt.

Glitzerkleid, Korsage und Büstenhalter fallen bereits nach wenigen Minuten, bevor Von Teese ihre berühmte Martini-Glas-Szene mit einem Bad im schaumgefüllten Champagnerglas variiert. Flankiert wird sie dabei von zwei Tänzern, die die abgelegten Kleidungsstücke liebevoll entgegen nehmen. Doch nach diesem starken Auftakt heißt es gleich wieder warten, und zwar lange: Nach einer schier endlosen Einlage von Jonny McGovern überlässt Von Teese die Bühne einer ganzen Reihe von Kolleginnen, die in ihren Auftritten eigentlich nur deutlich machen, welche Klasse die “Queen of Burlesque” besitzt.

Mehr wie eine schlüpfrige Turnstunde wirkt die Einlage des “Texas Sweethearts” Ginger Valentine, die am Ende fast nackt in einem riesigen Herz-Gerüst herumrutscht. Ihr folgt die Australierin Zelia Rose, die in einem mit Bananen bestückten Röckchen herumwackelt, bevor schließlich der Marilyn Monroe-Verschnitt Gia Genevieve eine Hausfrauennummer (ebenfalls im Wasser, aber diesmal in der Badewanne) hinlegt. 50 Minuten nach Beginn der Show geht der Vorhang dann wieder für Dita auf, die sich aus ihrem fliederfarbenen Trenchcoat schält, um sich schließlich auf einer Chaiselongue zu “Lazy” zu räkeln. Für die nun folgende Pause rät Jonny McGovern wenig zweideutig, sich auf den Toiletten abzureagieren.

Der Höhepunkt des Abends folgt zu Beginn des zweiten Teils: Zu Klängen aus Tschaikowskys “Schwanensee” erscheint Von Teese im schwarzen Tutu und vollführt den folgenden dramatischen Schwanen-Strip fast komplett auf Spitze. Eine liebevolle Hommage an Von Teeses Liebe zum Ballett, bezeichnete sie sich doch einmal in einem Interview “eigentlich als gescheiterte Ballerina”. Da ist es dann ein ziemlicher Bruch, wenn McGovern im Anschluss wieder von “Dickpics” spricht und Selfies mit dem Publikum macht, bevor er die “Ladies and Gays” im Publikum auf die folgende “male objectification” vorbereitet. Unter großem Jubel tritt der Tänzer Jett Ador als Zorro auf und verlässt die Bühne erst wieder, als er nur mehr mit seinem Säbel bekleidet ist.

Als “beautiful and powerful” wird der nächste Gast angekündigt, und der hat es in sich: Die füllige New Yorkerin Dirty Martini versetzt ihre Kurven gekonnt in Schwung und zeigt, was man mit Körbchengröße F so alles anstellen kann. Vor dem großen Finale wird McGovern noch einmal (so etwas wie) politisch und sinniert, ob es nicht schlagartig zum Weltfrieden führen würde, wenn Dita Von Teese in Kriegsgebieten auftreten würde. Zumindest zur Präsidentin der USA könne man sie wählen, “und ihre Brüste zum Vizepräsidenten. Alles ist besser, als der jetzige.”

Und so ist die vierte und letzte Von-Teese-Nummer des Abends auch ganz amerikanisch, wenn sie im Cowboy-Outfit mit Spielzeugpistolen hantiert und schließlich entkleidet auf einem Plüsch-Rodeo Platz nimmt. Da ist sie wieder, diese Mischung aus Selbstbewusstsein, Unnahbarkeit und Glamour. Das Publikum, das in allen Altersgruppen und Outfits in die Stadthalle gepilgert war, bejubelte nach zweieinhalb Stunden einen Abend der Gegensätze, der sexuellen Freizügigkeit und der Selbstbestimmtheit.

Von: apa

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