Das Schweizer Elektroduo gab sein Wien-Debüt in der Stadthalle

Charmante Dilettanten: Yello setzten in Wien auf Nostalgie

Donnerstag, 07. Dezember 2017 | 10:27 Uhr

Geduld ist eine Tugend. Im Fall des Schweizer Elektroduos Yello wurden die Fans aber über Gebühr auf die Probe gestellt. Knapp 40 Jahre hat es gedauert, bis Dieter Meier und Boris Blank erstmals für eine richtige Tour den Antrieb fanden. Am Mittwochabend gaben sie konsequenterweise ihr Wien-Debüt in der Stadthalle und erwiesen sich vor magerem Publikum als charmante Dilettanten mit Ohrwürmern.

Gekommen waren letztlich rund 2.500 Anhänger und Neugierige. Die Hochzeit von Yello liegt schließlich schon Jahre zurück: In den späten 70ern gegründet, gab es in den beiden darauffolgenden Jahrzehnten einige Hits, die über Amerika natürlich ihren Weg nach Europa fanden und ganz nebenbei Techno ankurbelten sowie die Popkultur infiltrierten. Denn selbst Spätgeborene dürften die markanten Klänge von “Oh Yeah” dank Serien wie “Die Simpsons” verinnerlicht haben.

Aber der Reihe nach: Zunächst gilt es bei Konzerten üblicherweise ja, entsprechende Stimmung zu erzeugen, für einen dynamischen Aufbau zu sorgen und die Meute vor der Bühne anzuheizen. Dass das nicht unbedingt im Erfahrungsschatz des 72-jährigen Meier und des 65-jährigen Blank zu finden ist, wurde leider recht schnell deutlich. Wobei sich der hinter einem digital aufgefetteten Pult thronende Soundtüftler nichts von seinem immer wieder vorgeschobenen Lampenfieber anmerken ließ – Blank war als Conferencier mindestens ebenso gut wie sein Kollege.

Im Kern wurden Songs von früher und heute bunt gemischt: So begeisterte etwa das umschmeichelnde “The Rhythm Divine”, während die Aktualität ihres Sounds besonders bei “Limbo” sowie “Lost In Motion”, einer Kollaboration mit Sängerin Fifi Rong, unterstrichen wurde. Und trotzdem: Wie Dandy Meier da auf der Bühne mit kleinen Schritten tänzelte, seine eher gesprochenen Texte in die weite (und leider ziemlich leere) Halle schickte, während Blank als Strippenzieher die Beats übereinandertürmte – das wirkte doch irgendwie gestrig.

Glücklicherweise konnte das Duo auf eine höchst versierte Runde an Musikern zurückgreifen. Gitarrist, Bläsersatz, Backgroundsängerinnen sowie ein Drummer und ein Percussionist verliehen Klassikern wie “Bostich” oder “Tied Up” einige Klangfarben, die eben doch nur im Live-Kontext zu vernehmen sind. Da war es dann auch einerlei, dass sich der minimale Bewegungsradius von Meier auf die Besucher zu übertragen schien oder die visuelle Auffettung mit Videos aus vergangenen Tagen eher mager ausfiel.

Denn klanglich ließen sich Yello – und das ist wohl dankenswerter Weise der größte Lernprozess nach dem heftig verrissenen Konzertdebüt in Berlin aus dem Vorjahr – nichts nachsagen: Der Bass wummerte, die Beats waren druckvoll und transparent, was sich letztlich auch in punkto Spaßfaktor niederschlug. Spätestens beim bereits erwähnten “Oh Yeah” sowie dem Schlusspunkt “The Race” wurden Voyeure und Fans gleichermaßen zufriedengestellt. Yello lieferten eine Nostalgieshow, zu der man tanzen konnte, aber auch schmunzeln durfte – unterhaltsam war es allemal.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz