In Hörbigers neuem Film geht es um das Thema Sterbehilfe

Christiane Hörbiger hat Lebensfreude dank zwei kleiner Hunde

Donnerstag, 28. September 2017 | 09:33 Uhr

Christiane Hörbiger ist im Fernsehen seit Jahrzehnten die Dame vom Dienst. Älteren Zuschauern unvergessen ist die Wienerin etwa als Gräfin in der ZDF-Erfolgsserie “Das Erbe der Guldenburgs” (1987-1990). Doch seit einigen Jahren bricht die heute 78-Jährige mit diesem Bild. Und verkörpert auch alte, vom Leben gebeutelte Frauen.

Am kommenden Montag spielt Hörbiger etwa in Florian Baxmeyers ARD-Film “Die letzte Reise” zum Thema Sterbehilfe. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bleibt Hörbiger beim Thema Alter und Tod allerdings ein wenig einsilbig. Und blüht spürbar auf, als es um die schönen Dinge des Lebens geht.

Frage: Frau Hörbiger, ganz direkt gefragt: Ist Sterbehilfe etwas, was für Sie unter Umständen eines Tages infrage kommen könnte?

Antwort: Nein, für mich käme Sterbehilfe nicht infrage. Meine Gründe: Ich bin katholisch und bin gläubig. Ich meine nicht, dass man dem lieben Gott da ins Handwerk pfuschen sollte.

Frage: Sind Sie in Ihrem privaten Umfeld jemals mit diesem Thema konfrontiert worden?

Antwort: Nein, nie.

Frage: Halten Sie das Fernsehen für eine gute Plattform, um so ein ernstes Thema darzulegen?

Antwort: Ja, wo sollte man das sonst machen? Glauben Sie, dass es im Kino oder auf der Bühne passender wäre? Ach Gott, es gibt doch ganz ernste Themen, die das Fernsehen darbietet. Der Film ist kein Lustspiel, sondern wirft eine Frage auf, die sehr aktuell ist. Zum Beispiel wurde es gerade auch im Bundestag besprochen.

Frage: Wie stehen Sie zum Älterwerden an sich und der Tatsache, dass wir alle eines Tages sterben müssen?

Antwort: Es bleibt mir nichts anderes übrig, als es anzunehmen und das Beste daraus zu machen (lacht). Und ich habe keine Angst vorm Altwerden – nein, ich bin schon alt. Bis zu einem gewissen Grad gehört für mich auch Arbeit zu diesem Prozess. Arbeit hilft über alles hinweg. Es ist eine ganz, ganz wunderbare Sache – das wissen Sie ja von sich selbst.

Frage: Künstler genießen das Privileg, sehr lange arbeiten zu können.

Antwort: Solange man noch gesund ist und sich den Text merkt und es Leute gibt, Gott sei Dank auch in der ARD, die weiter mit mir arbeiten wollen, ist das okay. Aber das Publikum kann mich in Pension schicken.

Frage: Sie haben zeitlebens sehr schöne, damenhafte Frauen gespielt. Doch seit schon seit längerer Zeit scheinen Sie keine Probleme damit zu haben, der Kamera auch sozusagen nackte, nicht ganz so schöne Altersgesichter zu zeigen. Zum Beispiel auch 2015 als Obdachlose in Florian Baxmeyers Fernsehfilm “Auf der Straße”.

Antwort: Damit habe ich tatsächlich nicht das geringste Problem. Schon von der Bühne her – ich habe schon die Marthe Schwerdtlein gespielt, da war ich 30. Eine richtige Schauspielerin muss auch alt werden können. Persönliche Eitelkeit ist unprofessionell.

Frage: Bekommt man als Schauspieler nach so einem traurigen Film vielleicht Lust auf etwas ganz Lustiges?

Antwort: Ganz richtig – unbedingt! Den Wunsch hatte ich auch bei der ARD deponiert. Und nun haben die ARD und mein wunderbarer Produzent Markus Trebitsch mir ein wunderbares Buch angeboten – etwas Lustiges. Die Dreharbeiten beginnen so Februar/März nächsten Jahres, aber Konkretes darf ich natürlich nicht verraten.

Frage: Letztlich geht es in “Die letzte Reise” ja auch um Lebensfreude. So lernt die alte Dame von ihrem Schweizer Arzt gutes Essen und Trinken schätzen – und lässt sich dann ein tolles Gericht samt Wein ins Haus liefern. Was sind Ihre persönlichen Mittelchen, um die Lebensfreude zu pflegen?

Antwort: Meine zwei kleinen Möpse. Sie sind meine ganze Wonne. Und so zauberhaft, dass ich mich zum Beispiel geweigert habe, über Nacht hier in Hamburg zu bleiben, weil ich wieder zu denen zurück muss. Der eine heißt Loriot und der andere Vicco von Bülow. Wird aber nur Vicco genannt und ist wahnsinnig schlimm.

Frage: Es sind doch nicht etwa Abkömmlinge der Möpse des unvergessenen menschlichen Loriot?

Antwort: Nein, sind sie nicht!

Frage: Sind es aber auch Komödianten, Ihre Möpse?

Antwort: Sie sind einfach entzückend! In meinem Haus in Baden bei Wien sind sie draußen im Garten. Aber wenn ich in meiner Wohnung in Wien bin, gehe ich drei Mal täglich mit ihnen spazieren.

Frage: Damit ist das Thema Sport ja auch schon für Sie erledigt?

Antwort: Nicht ganz. 30 Kniebeugen am Morgen, das ist das Unangenehmste. Und dann drei Mal täglich mit den Hunden eine halbe Stunde spazieren gehen. All das sorgt für Lebensfreude.

ZUR PERSON: Christiane Hörbiger wurde 1938 in Wien als Tochter der Schauspieler Attila Hörbiger und Paula Wessely geboren. Ihr Debüt gab sie 1955 im Kinofilm “Der Major und die Stiere” unter der Regie von Eduard von Borsody, dem Großvater ihrer Kollegin Suzanne von Borsody. Zu ihren größten Kinoerfolgen zählte 1992 Helmut Dietls Satire “Schtonk!”. Im Jahr 2008 publizierte Hörbiger ihre Autobiografie “Ich bin ein weißer Clown”. Aus ihrer Ehe mit dem verstorbenen Schweizer Journalisten Rolf R. Bigler stammt ihr Sohn Sascha.

Von: APA/dpa