Weiterhin scheint alles offen für Conchita Wurst

Conchita startet neues Projekt unter dem Namen WURST

Freitag, 08. März 2019 | 13:53 Uhr

Conchita lebt: Die Kunstfigur von Tom Neuwirth, mit der er 2014 für Österreich den Sieg beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen geholt hat, existiert weiter. Daneben gibt es künftig aber auch WURST: So ist das neue Electroprojekt betitelt, von dem heute mit “Trash all the Glam” auch der erste Song veröffentlicht wurde. Das Spiel mit Geschlechterrollen zieht sich aber auch hier fort.

So ist im ersten Video von WURST eine komplett in Latex gehüllte Figur zu sehen, die sich auf Treppenstufen einer Wiener U-Bahn-Station rekelt. Dabei geht es durchaus lasziv zur Sache. Wenig später taucht diese Person in sportlicher Kleidung auf den Rolltreppen auf, das Gesicht weiterhin komplett verhüllt. Eindeutigkeit ist also offenbar nicht die Sache von WURST, wobei die stimmliche Inszenierung zu den markanten Electroklängen nicht ganz so melodramatisch wie zuletzt bei Conchita ausfällt. Ein neues Album ist laut Aussendung von Sony Music jedenfalls bereits eingespielt und gemeinsam mit Produzent Albin Janoska sowie Komponistin Eva Klampfer entstanden.

Fest steht damit: Conchita und WURST sollen künftig parallel existieren, womit Tom Neuwirth beide Bühnenpersönlichkeiten trennt. Conchita als “höfliche und feminine Medien-Ikone”, die laut dem Labelstatement weiterhin für “hervorragend fesselnde Live-Unterhaltung mit ihrem Mix aus Glam-Pop und Diven-Songs” sorgen soll. Und WURST andererseits als “der maskuline, kompromisslose Electro-Newcomer, der sich um keine andere Meinung zu scheren scheint”. Gerade in den Songtexten werde nun mehr von Neuwirth und seinem Leben preisgegeben.

Es ist jedenfalls der nächste Schritt in der Karriere des steirischen Künstlers: Als Jugendlicher nahm er an der ORF-Castingshow “Starmania” teil und landete hinter der späteren Gewinnerin Nadine Beiler auf dem zweiten Platz. In der Folge war er Mitglied einer kurzlebigen Boyband (jetzt anders!), bevor sich der Absolvent der Grazer Modeschule seiner Kunstfigur widmete. Als Dragqueen Conchita Wurst respektive später Conchita gab es einige Auftritte, auch die Teilnahme an einer weiteren ORF-Show (“Die große Chance”), bevor der Song Contest zum bestimmenden Thema wurde.

Die Teilnahme 2012 war Conchita noch verwehrt, da sie sich in einer Vorausscheidung den Trackshittaz geschlagen geben musste. Weitere Fernsehengagements folgten, bevor sich der ORF 2014 direkt und ohne öffentliche Vorauswahl für Conchita als ESC-Teilnehmerin entschied. Und es sollte sich auszahlen: Trotz mancher Kritik aus dem eigenen Land und speziell osteuropäischen Staaten gelang ihr mit “Rise like a Phoenix” der überraschende Triumph in Kopenhagen.

Seitdem hat sich Conchita stark für die LGBTQ-Community eingesetzt, zwei Alben veröffentlicht und beim heimischen Poppreis Amadeus mehrere Auszeichnungen abgeräumt. Dennoch deutete Neuwirth zuletzt mehrfach einen Abschied von der Kunstfigur ab, was auch von einer teils männlicheren Erscheinung unterstrichen wurde. Stattdessen sind nun aber beide Seiten gleichermaßen an die Öffentlichkeit getreten.

Von: apa