Auch Herbert Pixner hat es nicht leicht

Coronavirus: Ruhende Tiroler Kulturszene sucht Krisenauswege

Donnerstag, 02. April 2020 | 11:30 Uhr

Große Teile der Tiroler Kulturszene befinden sich derzeit durch die Corona-Krise und dem Verbot von Veranstaltungen in einem unfreiwilligen Ruhemodus. Der ansonsten erfolgsverwöhnte Herbert Pixner etwa beklagt massive Einbrüche bei den Ticketverkäufen für seine im Hochsommer anstehende Tournee, Kulturvereine kämpfen ums Überleben.

Die freischaffenden Pianistin Rita Goller beispielsweise hat derzeit kein Einkommen. Das vorzeitige Wintersaisonende in Tirol kam für sie überraschend. “Ein Schock” sei es gewesen, sagte Goller im APA-Gespräch. Nicht zuletzt deshalb, weil für sie im März und April viele relativ gut bezahlte Hotel-Gigs angestanden wären. “Auch Gagen aus in diesem Jahr bereits gespielten Hotel-Konzerten sind noch ausständig”, berichtete sie.

Vergleichbar stellt sich die Situation bei Herbert Pixner dar. “Mir sind natürlich Konzerte weggebrochen, beispielsweise beim Jazzfest Wien oder bei den Wiener Festwochen”, hielt Pixner gegenüber der APA fest. Im Moment könne man zwar Tickets für Pixner-Konzerte im August kaufen, aber nur wenige Menschen schlügen derzeit zu. “Alle sind vorsichtig, weil man nicht weiß, wie und ob die Konzerte stattfinden können”, hält der aus Südtiroler stammende Wahlnordtiroler fest.

Auch Studioaufnahmen seien derzeit unmöglich, meinte Pixner, der auch Chef eines Plattenlabels in Innsbruck ist. “Unsere Musik lebt von der gemeinsamen Studioarbeit und vom Zusammenspiel”, so Pixner. Wegen der Ungewissheit in Bezug auf die kommende Tournee und der Labelsituation habe er sechs seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen.

Gegenwärtig sieht auch Karlheinz Siessl, künstlerischer Leiter des freien Ensembles “Orchester der Akademie St. Blasius”, wenig Hoffnungsschimmer für freiberufliche Musiker. “Die freien Musiker, die ansonsten fast jeden Abend bei uns oder in anderen Orchestern gespielt haben, sind sehr verzweifelt”, streicht er heraus. Wenn man nicht nebenbei Musiklehrer sei, müsse man derzeit mit einem “finanziellen Totalausfall” leben. Auf CD-Verkäufe könnten Musiker in diesem Segment auch jetzt kaum hoffen: “Man verkauft heutzutage eigentlich nichts mehr”.

Auch Tiroler Kulturvereine kämpfen um ihre Existenz. “Wir gehen davon aus, dass das schrittweise Zurückfahren der Corona-Maßnahmen zuletzt bei Kulturveranstaltungen passiert”, meinte Helene Schnitzer, Geschäftsführerin der TKI – Tiroler Kulturinitiativen. Kulturschaffende und Kulturvereine bräuchten jetzt Klarheit: “Viele wissen gar nicht, wo sie genau ansuchen müssen”, so Schnitzer. Auch gebe es darüber hinaus Unsicherheiten bei Vereinen, ob Veranstaltungen, die online durchgeführt statt abgesagt werden, überhaupt “anerkannt und damit weiterhin gefördert werden”, so Schnitzer.

Unisono sind sich jedenfalls alle dabei einig, dass Livestreams keine dauerhafte Lösung während der Krise sein können. Pixner bezeichnet diese als “zweischneidiges Schwert, weil wir Musiker auch vom Livekontakt leben” während Goller festhält, dass “gratis keine Lösung” darstelle. Siessl rät Musikern und Künstlern generell gar zum Rückzug statt zu ständigen Gratisstreams: “Es wäre jetzt sicherlich sinnvoller, wenn man Projekte angeht, die einen hohen künstlerischen Wert und für die Zeit nach der Krise Bestand haben”.

Auf einen Zeitraum, in dem es wieder Veranstaltungs- und Kunst-Normalbetrieb geben wird wollte sich niemand wirklich festlegen. “Wir hoffen auf Herbst”, sagte Siessl schließlich. “Im Moment können wir nur abwarten”, sagte Goller leicht resignativ dazu. Hoffnungsvoller gab sich hingegen Pixner: “Ich hoffe, dass wir im August spielen können”.

Einen anderen kreativen Ansatz haben die seit Mitte März geschlossenen Tiroler Landestheater für ihre Kostümschneiderei gefunden. Wie auch schon in anderen Häusern, nähen hier sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun Gesichtsmasken aus kochfesten Baumwollstoffen, die von der Wirtschaftskammer samt Schnittmuster zur Verfügung gestellt wurden. Ziel ist, binnen drei Wochen rund 7.200 Masken zur Verteilung an die Wirtschaftskammer Tirol zu übergeben.

Von: apa

Bezirk: Burggrafenamt