Für "Mein linker Fuß" (1989) erhielt er den ersten Oscar

Daniel Day-Lewis gibt das Schauspielen auf

Mittwoch, 21. Juni 2017 | 10:58 Uhr

Oscarpreisträger Daniel Day-Lewis, einer der meistgefeierten Darsteller seiner Generation, hört mit dem Schauspielen auf. Der 60-Jährige “wird nicht länger als Schauspieler arbeiten”, sagte seine Sprecherin Leslee Dart dem Branchenmagazin “Variety”. Der britisch-irische Star sei seinen Mitarbeitern und den Zuschauern über die vielen Jahre “unglaublich dankbar”.

Dart sprach von einer “privaten Entscheidung”, die Day-Lewis nicht weiter kommentieren werde. Die Ankündigung überrascht und schockiert in Hollywood. Mit Day-Lewis geht eines der größten Filmtalente aller Zeiten. Der Meister des sogenannten Method Acting, bei dem mit Erinnerungen an eigene Erlebnisse gearbeitet wird, ist bekannt dafür, dass er bei der Auswahl seiner Rollen sehr wählerisch vorgeht. Bis zur Erschöpfung bereitete sich der Schauspieler schließlich auf seine Rollen vor, spielte mächtige Präsidenten, brutale Bandenführer und skrupellose Geschäftsmänner mit einer umwerfenden Intensität, die ihm drei Oscars als bester Hauptdarsteller einbrachte – das gelang sonst keinem.

Für seine Rolle des verkrüppelten irischen Künstlers und Schriftstellers Christy Brown in dem Film “Mein linker Fuß” (1989) soll Day-Lewis selbst monatelang nur mit einem Fuß geschrieben, getippt und gemalt haben. Für diese Leistung erhielt er den ersten Oscar. Der zweite folgte für die Rolle als raffgieriger Ausbeuter in dem düsteren Öldrama “There Will Be Blood” (2007). Für seine Präsidenten-Darstellung in Steven Spielbergs Historiendrama “Lincoln” nahm er 2013 den dritten Preis entgegen.

Bis in die Bartspitzen eignete er sich die Figur des Abraham Lincoln an. Gleich nach dem Oscar-Gewinn stellte der Schauspieler hinter den Kulissen aber eine Pause in Aussicht: “Ich will eine Weile gar nichts machen”, sagte Day-Lewis. Erst recht keine historische Figur spielen, setzte er grinsend hinzu. Stattdessen ging es zurück zu seiner Familie auf eine Farm in Irland. Seit 1996 ist er mit der Filmemacherin Rebecca Miller verheiratet, der Tochter des amerikanischen Autors Arthur Miller. Das Paar hat zwei Söhne. Auch aus seiner Beziehung zu der Schauspielerin Isabelle Adjani hat er einen Sohn.

Fans werden Day-Lewis aber noch auf der Leinwand bewundern können: Erst kürzlich trat er für seinen nun möglicherweise letzten Film wieder vor die Kamera. Der Film von Paul Thomas Anderson mit dem vorläufigen Arbeitstitel “Phantom Thread” soll im Dezember in den US-Kinos anlaufen. Day-Lewis spielt darin einen Modedesigner in den 1950er-Jahren, der sich in der Londoner High Society bewegt.

1957 als Sohn des britischen Dichters Cecil Day-Lewis und der Schauspielerin Jill Balcon in London geboren, war Day-Lewis schon als Schüler von der Schauspielerei “als perfekter, einziger der Flucht offenstehenden Welt” fasziniert. Er spielte in Schulaufführungen mit und erhielt als Zwölfjähriger seine erste Filmrolle in John Schlesingers “Sunday, Bloody Sunday”. Danach wandte er sich zunächst dem Theater zu und kehrte erst mehr als zehn Jahre später zum Film zurück.

Begeisterte Kritiken erntete er für seine Rolle in dem Queer-Drama “Mein wunderbarer Waschsalon” (1985) von Stephen Frears. Darauf folgten “Zimmer mit Aussicht” und “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins”. Endgültig als internationaler Star etablierte er sich mit der Hauptrolle in “Der letzte Mohikaner” (1992). Für diesen Film übte er mit historischer Ausrüstung den Bau von Kanus und die Jagd.

Seine Rolle in dem Politdrama “Im Namen des Vaters” (1993) brachte ihm eine weitere Oscar-Nominierung ein. Für den Film “The Boxer” (1997), in dem er den ehemaligen IRA-Kämpfer Danny Flynn spielte, nahm er professionelles Boxtraining. Fünf Jahre ließ er sich danach Zeit, um wieder vor die Kamera zu treten. Für Martin Scorsese verwandelte er sich in “Gangs of New York” in Bill the Butcher, den meisterhaft böse gespielten Bandenanführer im New York der 1860er-Jahre. Er wurde mit einer weiteren Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller belohnt.

Nach mehreren langen Auszeiten können Fans zumindest hoffen, dass Day-Lewis seinen Rückzug von der Schauspielerei womöglich in einigen Jahren noch einmal überdenken könnte.

Von: APA/dpa

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