Neil Simon erhielt im Laufe seiner Karriere zahlreiche Auszeichnungen

Der König des Broadway: US-Dramatiker Neil Simon wird 90

Dienstag, 04. Juli 2017 | 10:41 Uhr

Das Komikerduo Jack Lemmon und Walter Matthau verhalf Neil Simon zum Welterfolg. “Ich hatte mit beiden zuvor schon separat an Filmen und Theaterstücken gearbeitet, aber zusammen waren sie wie Ehemann und Ehefrau, die wie Gegenpole sind”, erzählte Simon vor einiger Zeit dem britischen “Telegraph”. “Da kam der Humor her.”

“Als ich ‘Ein seltsames Paar’ geschrieben habe, habe ich an Jack als Ehefrau und Walter als Ehemann gedacht.” Von Gene Sacks 1968 verfilmt, wird das “seltsame Paar” zum Welterfolg, bis heute immer wieder neu aufgelegt und adaptiert. Überhaupt brachten die 60er-Jahre den Durchbruch für Simon, der am 4. Juli 90 Jahre alt wird. 1966 liefen gleich vier Stücke von ihm gleichzeitig am Broadway. Insgesamt sammelte Simon mehr Nominierungen für Oscars und Tonys als jeder andere Dramatiker und 1983 wurde sogar ein ganzes Broadway-Theater nach ihm benannt.

In seinen Komödien zeigt der 1927 im New Yorker Stadtteil Bronx geborene Simon das echte Leben: menschliche Schwächen, Fehler und Ängste, verpackt in witzgeladene Bühnenstücke und Filme. Die Mischung aus rasantem Sprachwitz und Tiefsinnigkeit hat dem Mann mit der großen Brille zum wohl populärsten Dramatiker der USA gemacht und ihm ein treues Publikum eingebracht, er bekam Golden Globes, Emmys, Tonys und sogar einen Pulitzer Preis (“Lost in Yonkers”). Kritiker allerdings belächeln seine Komödien teils bis heute als zu leicht und trivial.

Das stachelte Simon nur noch mehr an, sich auch mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. “Man kann die Vergangenheit nicht vergessen. Man muss sich mit ihr auseinandersetzen”, sagte er einmal. Als Kind der großen Depression war der Dramatiker als Sohn eines gescheiterten Geschäftsmannes geboren worden. Die schwermütige Atmosphäre seiner Kindheit zeichnete er später meisterhaft in Bühnenstücken wie “Brighton Beach Memoirs” (1983), “Biloxi Blues” (1985) oder “Broadway Bound” (1986) nach.

Humor half Simon durchs Leben. Sein älterer Bruder Danny hatte ihn früh als Autor entdeckt. Gemeinsam schrieben die beiden Sketche für Radio und Fernsehen. Danny ging nach Hollywood, Neil wurde erst im Theater und dann auch im Film berühmt. “Wenn mein Schlafzimmer sprechen könnte” (1961) wurde mit Frank Sinatra verfilmt. Nach langer Laufzeit am Broadway wurde “Barfuß im Park” mit Jane Fonda und Robert Redford im Kino ein Hit.

Auch im deutschsprachigen Raum gehören Simons Werke zum beliebten Repertoire. So lieferten die Kabarettisten Werner Schneyder und Dieter Hildebrandt 2001 mit der TV-Komödie “Sonny Boys” eine Neuinszenierung der 1972 uraufgeführten Geschichte um zwei pensionierte Kabarettstars. In Wien brachte im Vorjahr das Duo Stermann und Grissemann seine eigene Version des Klassikers auf die Bühne des Rabenhof Theaters. 2004 setzte die deutsche Erfolgsregisseurin Doris Dörrie (“Männer”) mit Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach nochmals den Klassiker “Ein seltsames Paar” in Szene.

Privat erlebte Simon viele Tiefschläge. 1973 starb seine erste Frau Joan Baim nach rund 20 Jahren Ehe. Dreimal heiratete er danach wieder, Diane Lander sogar zweifach. 2004 musste sich der Vater von drei Kindern einer Nierentransplantation unterziehen.

Der Broadway machte ihn zum Star, aber behandelte ihn nicht immer gut. 2009 wurde die Neuauflage von “Brighton Beach Memoirs” nach nur einer Woche wieder eingestellt. “Ich bin sprachlos”, sagte der Autor damals der “New York Times”. “Nach all den Jahren verstehe ich immer noch nicht, wie der Broadway funktioniert.” Die Lust am Schreiben hat er dennoch nicht verloren. “Das mache ich immer noch die ganze Zeit. Ob ich etwas zu Ende bringe oder nicht, ist mir egal. Ich habe Spaß dabei, ich bleibe dran.”

Von: APA/dpa

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