Das Werk des Jubilars ist mannigfaltig

Der König des Horrors: Autor Stephen King wird 75

Mittwoch, 21. September 2022 | 11:44 Uhr

Er hat Haustiere und Kleinkinder auf Friedhöfen aus den Gräbern steigen lassen. Er verwandelte Autos und Bernhardiner in US-amerikanischen Vorstädten zu Monstern. Er hat das friedliche Image von Clowns nachhaltig beschädigt. Vor allem hat er Hunderten Millionen Menschen über Jahrzehnte ordentlich Angst eingejagt: Stephen King, einer der erfolgreichsten Autoren der Welt und bekannt als “König des Horrors”, wird am 21. September 75 Jahre alt.

Seine Schreckensbilanz: 40 Romane, über 100 Kurzgeschichten, Novellen, Drehbücher, Gedichte, Essays, Kolumnen und Sachbücher. Sein ganzes Leben lang verbrachte Stephen King damit, den Menschen eine ordentliche Gänsehaut zu verpassen. Nach Angaben seines Verlags hat der Mann aus dem US-Bundesstaat Maine mehr als 400 Millionen Bücher in mehr als 40 Sprachen verkauft. Aber gruselt er sich auch selbst? Er achte zumindest darauf, dass seine Füße nachts nie aus der Bettdecke herausragten, verriet er bei seinem Auftritt in der Talkshow von Markus Lanz im Jahr 2013. “Wenn du drunter bist, bist du sicher”, sagte er. “Aber wenn etwas herausragt, kann jederzeit jemand von unter dem Bett danach greifen.”

Wenn man Kings Geschichten liest, wie er immer wieder Alltägliches in Grauenhaftes verwandelt, kommt neben Bewunderung auch die berechtigte Frage auf, was im Hirn dieses Mannes vor sich geht. “Die Leute denken, ich sei ein sehr merkwürdiger Mensch. Das ist aber nicht korrekt. Ich habe das Herz eines kleinen Buben”, zitiert sein Verlag ihn. “Es steht in einem Glas auf meinem Schreibtisch.”

Schon als Kind liebt King Fantasy- und Horrorgeschichten und schreibt selbst. Er hatte damals Angst davor, was im Kasten lauerte, unter dem Bett und in der Dusche. “Wenn ich einen Schatten gesehen habe, dann war das für mich ein Monster, das kam, um mich zu packen.” Die Ängste habe er dann zu Papier gebracht und sich damit den Weg zum Psychiater gespart, erklärt er.

Er studiert Englisch, arbeitet Anfang der 70er-Jahre zunächst als Englischlehrer, kann davon aber kaum die Familie ernähren. Nachts muss er noch in einer Wäscherei arbeiten. In der wenigen Freizeit, die ihm bleibt, schreibt er Kurzgeschichten. Verleger schicken ihn weg. In einem Miet-Wohnwagen beginnt er schließlich mit dem Roman “Carrie” – und ist erstmal so unzufrieden mit dem Manuskript, dass es im Mülleimer landet. Seine Frau fischt es wieder heraus und ermutigt ihn, weiterzuschreiben. Die Geschichte über ein Mädchen mit telekinetischen Fähigkeiten, das beim Abschlussball durchdreht und sich an ihren Peinigern rächt, macht King berühmt.

Er schreibt Bestseller wie “The Shining”, “Es” und “Friedhof der Kuscheltiere”. Seine Werke werden weltberühmt, viele werden verfilmt. Es geht um übersinnlichen Spuk, aber auch immer wieder um das Grauen in uns selbst. Am Ende sind die Menschen die schlimmsten Monster. Literaturkritikern, die sein Werk gering schätzten, hielt er mal ganz uneitel entgegen, seine Bücher seien eben “das literarische Äquivalent eines Big Mac mit einer großen Portion Pommes”.

Auch seine eigene Biografie enthält Züge des Schreckens. In den 70ern rutscht er in die Alkohol- und Drogensucht ab, ist heute noch bei den Anonymen Alkoholikern. Im Sommer 1999 wird er von einem Betrunkenen angefahren und schwer verletzt. Aber nichts hält ihm vom Schreiben ab. “Meine Fantasie ist so gefährlich, als setze man ein kleines Kind ans Steuer eines Rennwagens”, sagt King über King. Und der Rennwagen läuft und läuft und läuft. King ist eine Horror-Produktions-Maschine im Dauerbetrieb. Dabei bleibt er seinem Stil treu, aber geht mit der Zeit. Protagonisten seiner jüngeren Werke lästern über Donald Trump und schauen Serien auf Netflix, leiden aber unter denselben inneren Kämpfen wie all die Generationen vor ihnen.

Gerade erst erschien sein neuer Roman, das Fantasymärchen “Fairy Tale”. Stephen King produziert auch mit Mitte 70 noch wie ein Besessener, rund 2.000 Wörter schreibt er am Tag. Mit seiner Frau Tabitha betreibt er eine eigene Radiostation und einen Verlag. Seine Kinder sind selbst Schriftsteller. Hat er Angst vor dem Tod? Nein, sagte er zumindest damals bei seinem Lanz-Auftritt. Angst vor Qualen und Schmerzen vielleicht, aber nicht vor dem Tod. Trotzdem: Er wäre gern noch eine Weile dabei.

(S E R V I C E – https://stephenking.com)

Von: APA/dpa

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