Der Nino aus Wien veröffentlicht am Freitag sein zehntes Album

Der Nino aus Wien und “der Kampf gegen die eigene Faulheit”

Mittwoch, 10. Oktober 2018 | 10:05 Uhr

Nino Mandl alias Der Nino aus Wien hat keinen Stress – und trotzdem gehört der Wiener Musiker zu den umtriebigsten Vertretern der heimischen Popszene. Am Freitag erscheint sein neues, schlicht selbstbetiteltes Album, das alle seine Vorzüge neuerlich vereint. Mit der APA sprach er zuvor über Jubiläen, die eigene Faulheit und seine “Anti-Musik”. Im November geht Der Nino aus Wien auch auf Tour.

APA: Zehn Alben in zehn Jahren sind eine ordentliche Ausbeute. Denkt man als Musiker an so etwas, während man an neuen Songs arbeitet?

Nino Mandl: Eh oag eigentlich. (lacht) Mir ist es erst beim Aufnehmen aufgefallen, dass es ein Jubiläum sein könnte. Ich wollte immer viele Alben machen, und Problembär Records erlaubt es mir auch. Sie haben mir schon vor Jahren versichert, dass ich so viele Alben machen darf, wie ich will. Irgendwie mache ich lieber ein Album als keines. Ich fühle mich besser, wenn ich was mach’. Aber es sind ja nicht alle toll. (lacht) Es hätten sieben Alben auch gereicht, aber es hat schon gepasst.

APA: Ist die Kreativität für Sie wie ein innerer Drang?

Mandl: Schon, ja. Es ist halt die Bewegung, die wichtig ist. Ich bin eigentlich ein fauler Typ, der wenig machen muss. Wenn ich nichts machen würde, würde ich wirklich nichts machen. Deshalb mache ich lieber was. Anstatt auf der Couch zu sitzen und fernzuschauen probiere ich stattdessen doch lieber, ein Lied zu schreiben – weil es mir besser tut. Es ist ein Kampf gegen die eigene Faulheit, deshalb macht man so viele Alben.

APA: Gehen Ihnen auch mal die Ideen aus?

Mandl: Es fällt mir oft leicht, würde ich sagen. Aber ich mache mir auch keinen Stress, ich bin nicht sehr ehrgeizig. Wenn es passt, schreibe ich ein Lied, aber ich zwinge mich nicht dazu. Aber nehme ich eine Gitarre in die Hand, kommt eigentlich immer so was wie ein Lied raus, wenn ich mir ein bisserl Zeit nehme. Es arbeitet in mir wahrscheinlich eh die ganze Zeit, dadurch wird das Lied dann recht schnell geschrieben. Der Kopf arbeitet hin zum nächsten Lied. Aber andere Lieder brauchen auch ewig. Man ist schon genau, es geht um jedes Wort, da muss man aufpassen. Es ist ein bisschen eine Bastelei oder Schnitzerei.

APA: Mit dem Album zeigen Sie uns auch gewissermaßen Nino in Konzentration, es deckt die gesamte Bandbreite ab…

Mandl: Es gibt lange Lieder, einige mit Refrain – am Anfang wollte ich ja nur Strophenlieder schreiben. (lacht) Aber über die Jahre habe ich den Mut zum Refrain erweckt. Es macht auch mehr Spaß. Bridges gibt es auch. Es ist eh abwechslungsreich, vergleichsweise.

APA: Ist die musikalische Herausforderung wichtig für Sie?

Mandl: Ja, schon. Einfach, dass mir nicht fad wird. “Hirschstettner Lebensart” ist beispielsweise ein Lied, das ich so noch nie gemacht habe. Da habe ich auch den Text nicht aufgeschrieben, es ist ein Freestyle – hört man auch. Ich wollte einfach frei reden mit Gitarre und schauen, was rauskommt. Manchmal was Neues probieren ist schon gut.

APA: Gibt es dabei aber auch ein No-Go?

Mandl: Flöten. (lacht) Aber ich probiere einfach gerne aus, ich würde wahrscheinlich sogar Flöten ausprobieren. Schlager kann ich nicht, das ist meine Anti-Musik. Gerade diese modernen Schlager finde ich ganz schlimm. Und für Jazz bin ich zu blöd, das fällt auch weg. Für Techno wiederum bin ich offen, vielleicht mache ich mal eine Techno-Platte – wenn mir jemand hilft.

APA: Wie lange ist so ein Album, nachdem man es fertiggestellt hat, eigentlich präsent für den Künstler?

Mandl: Das ist schwierig. Man hört es oft, während man es aufnimmt. Jetzt, wo es rauskommt, habe ich es sicher einen Monat nicht mehr gehört. Ich habe nicht mal ein eigenes. Fünf habe ich bekommen, die habe ich aber alle verschenkt. Man schließt es schon auch ab auf eine Art. Man akzeptiert es, es passt. Ich muss mir das nachher nicht oft anhören. Wenn du die Lieder dann live spielst, verändern sie sich auch. Ich werde es mir in ein paar Jahren wieder anhören.

APA: In “Nur ein trauriges Lied” heißt es: “Es ist immer die falsche Zeit, in der man lebt und leibt…” Ist für Sie die jetzige Zeit eine gute, um Musiker zu sein?

Mandl: Es gäbe schlimmere Zeiten und Orte, wo man sein könnte mit der Art von Musik. Wien hat sich sehr gut entwickelt zu einer Musikantenstadt. Auch die Deutschen finden Wien cool und stellen sich vor, dass alle “Amore” schreien und ur viel saufen. Ein bisserl was Wahres ist auch dran. (lacht)

APA: Müssen Sie sich für Ihre Liveauftritte eigentlich motivieren?

Mandl: Ich spiele schon sehr gern. Jeder Auftritt ist neu und anders, wir spielen ja auch sehr verschiedene Sachen – von Sitzkonzerten bis zu Clubs. Aber es gibt natürlich auch schwierige Konzerte. Dennoch spiele ich jetzt lieber als früher. Irgendwie fühle ich mich allgemein ein bisschen wohler auf der Bühne, weil ich auch mehr Möglichkeiten habe, zu entertainen. Ich bin einfach gern unterwegs. Man kann wirklich schöne Sachen erleben, wenn man als Musikant durch die Länder fährt. Das ist schon ein ideales Leben.

APA: Ist Erfolg in diesem Zusammenhang ein Kriterium für Sie?

Mandl: Es ist schwierig, wenn du über Jahre Musik machst, und du hast gar keinen Erfolg. Sicher habe ich Glück, dass es ein bisserl rennt. Man ist schon auch abhängig von den Leuten, die auf ein Konzert kommen. Wenn keiner kommt, wäre es eindeutig fad. Aber es ist nicht so, dass man einen Hit schreiben muss. Ich will einfach nur machen, was mir gefällt und Spaß macht. Das kann so oder so klingen. Es gibt ja gar nicht so wenige Musiker, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Das freut mich sehr! Egal ob Voodoo Jürgens oder Wanda: Wien ist eine gute Stadt, Wien kann so verrückte Leute berühmt machen.

Von: apa