Dido meldet sich mit "Still On My Mind" zurück

Dido mit neuem Album: “Musik ist wie eine Religion für mich”

Dienstag, 05. März 2019 | 12:41 Uhr

Dido, Popikone der 2000er-Jahre, meldet sich im Streaming-Zeitalter mit dem starken Album “Still On My Mind” zurück. Darüber hinaus geht die Londonerin zum ersten Mal seit 15 Jahren auf Tournee und kommt am 11. Mai nach Wien. “Musik ist wie eine Religion für mich”, sagte die 47-Jährige im APA-Interview. “Ich denke immer in Songs. Ich habe mich mein ganzes Leben lang in Liedern ausgedrückt.”

Erste musikalische Schritte ins Rampenlicht hatte Dido als Backgroundstimme bei Faithless, der Band ihres Bruders Rollo Armstrong, gemacht. Ihr offizielles Solodebüt “No Angel” stürmte dann um das Millennium die Albumcharts. Dass Eminem in seinem Smash-Hit “Stan” den Chorus von Didos “Thank You” sampelte, befeuerte den Erfolg. Mit “White Flag” aus dem zweiten Album “Life For Rent” landete Dido 2003 erstmals in Österreich auf dem ersten Platz der Hitparade.

Die Abstände zwischen den folgenden Veröffentlichungen wurden größer, auf “Still On My Mind” mussten die Fans von Dido, die 2011 erstmals Mutter wurde, sechs Jahre warten. “Ich habe auch nach der Geburt meines Sohnes Lieder geschrieben, aber diese nicht für gut befunden”, erklärte Dido beim Gesprächstermin in Berlin die künstlerische Pause. “Ich schreibe ja meist über Konflikte und schwierige Situationen im Leben – und mit einem Baby konnte ich mich in solche nicht hineinversetzen, weil ich ständig nur Liebe verspürte.”

“Still On My Mind” bringt die typischen Dido-Trademarks ins Jahr 2019, der Sound klingt modern, ohne dass sich Dido neu erfinden musste. “Ich habe mir darüber nicht so viele Gedanken gemacht”, betonte die Engländerin irischer Abstammung. “Manche Songs produzieren sich quasi von selbst. Es reicht eine gute Idee, der Rest kommt von allein. Wenn ich an einem Song arbeite, sagt er mir, wie er zu klingen hat. Ich höre dauernd Musik, und natürlich bleiben angesagte Sounds hängen, die mich vielleicht im Unterbewusstsein beeinflussen. Aber das ist eher ein Unfall und weniger Plan.”

Auch wenn es Dido nicht stört, wenn die Songs einzeln oder in Playlists gehört werden, sei “Still On My Mind” als Gesamtwerk gedacht. “Für mich zählt immer noch das Album. Ich habe mir über die Reihenfolge der Lieder wirklich den Kopf zerbrochen”, betonte die Sängerin. “Wir hatten zahlreiche Songs fertig, und ich wollte jene auswählen, die am besten zusammenpassten. Einige starke Stücke sind daher nicht auf dem Album gelandet. Durch die Renaissance von Vinyl gibt es sogar eine A- und eine B-Seite”, lachte sie.

Mehr als 21 Millionen physikalische Tonträger hat Dido von ihrem Debüt verkauft – eine Zahl, von der Popstars mittlerweile kaum zu träumen wagen, geht es doch heute in erster Linie um Klicks und Streams. Probleme mit dem Umbruch im Musikkonsum hat Dido keine: “Streaming ist eine tolle Sache. Da entscheiden die Fans selbst, was sie hören wollen, nicht eine Plattenfirma oder die Radios. Und was Playlists betrifft: Vielleicht entdeckt man so einen Song, den man auf einem Album überhört hätte. Ich habe jedenfalls nie Angst vor Veränderungen gehabt.”

Für viele Menschen sind Didos Lieder Teil des Soundtracks ihres Lebens geworden. Ob sie auch ein Vorbild für manchen Fan sei, wisse sie nicht: “Es ist zumindest noch niemand auf mich zugekommen und hat mir das gesagt. Aber ich bin stolz darauf, wer und wie ich bin. Ich habe nichts zu verstecken, bin sehr direkt und in meinen Songs ehrlich.”

Bleibt am Ende des Interviews noch die Frage, ob Dido ihre Ziele als Musikerin erreicht habe: “Mein Anspruch an mich selbst war immer, einen noch besseren Song zu schreiben. Daher: Nein, ich werde vermutlich in diesem Bestreben sterben”, antwortete der bodenständige Popstar mit einem Schmunzeln.

Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA

INFO: Internet: https://www.didomusic.com – Konzertinfos: http://go.apa.at/wa9HNGHQ

Von: apa