Fitz sieht sich eher als "friedlichen Späthippie" denn als Rampensau

Die bayerische Kabarettistin Lisa Fitz wird 65

Donnerstag, 15. September 2016 | 15:37 Uhr

Der Großvater von Lisa Fitz schrieb Theaterstücke, Großmutter und Mutter waren Sängerinnen und ihr Vater Volksschauspieler und Komponist. Als Kind wollte sie Kasperl werden, aber nach einer Karriere als Sängerin, Moderatorin und Schauspielerin ist sie vor allem als Kabarettistin seit Jahrzehnten bekannt: Am Donnerstag feiert Lisa Fitz ihren 65. Geburtstag.

“65 ist eine unerhörte Zahl. Ich kann mich damit gar nicht identifizieren”, sagt die in Zürich geborene Fitz. Dabei habe sie großen Respekt vor dem Alter. “Es bedeutet für mich Wissen, Erfahrung, Lernen und Vorbild sein”. Überdies seien in ihrer Familie die Künstler mit dem Alter immer besser geworden. Ob das auch bei ihr so sei, müssten andere beurteilen.

Seit mehr als 40 Jahren steht Lisa Fitz mit scharfe Zunge, burschikosem Image, provokanter Gesellschaftskritik und bayerischem Dialekt auf der Bühne. Sie hat unter anderem den Deutschen Kleinkunstpreis, den Bayerischen Kabarettpreis und die Ludwig-Thoma-Medaille erhalten. Auch am Tag nach ihrem Geburtstag wird sie gut zwei Stunden beim 12. Rother Kabarettherbst Vollgas geben. Für ihr Programm “Weltmeisterinnen – gewonnen wird im Kopf” schlüpft sie gleich in vier Rollen: Als Putzfrau Hilde Eberl, als Feministin Inge von Stein, als CSU-Abgeordnete Gerda Wimmer und als Geheimagentin Olga Geheimnikowa gibt es mächtig Gesellschaftskritik. “Ich mache eigentlich vor keinem Thema halt”, sagt Fitz. Als Putzfrau reitet sie in Hexenmanier den Besen oder erläutert als Agentin die russische Gesellschaft in High Heels.

“Dabei bin ich von Haus eigentlich keine Rampensau, sondern ein friedlicher Späthippie”, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Aber die viele Tausend Auftritte hätten ihr Ego schon ordentlich entwickelt. Nach ersten Erfolgen als Sängerin moderierte sie auf Empfehlung ihres Vaters und Managers 1972 für den Bayerischen Rundfunk die Bayerische Hitparade. “Die Musik passte eigentlich gar nicht zu meinem Geschmack. Ich stand damals mehr auf die Beatles oder die Rolling Stones.” Zudem habe die Sendung ihr das Image der bayerischen Frohnatur eingebracht. Danach wollte sie eigene Wege gehen, nabelte sich endgültig vom Vater ab.

Ihre Ehe mit dem persisch-stämmigen Schauspieler und Musiker Ali Khan hat Fitz in den 1980er Jahren dann nachhaltig geprägt. “Er hat mein bis dahin gutbürgerliches Wohlbehalten auf den Kopf gestellt.” Die vielen rassistischen Beleidigungen, die sie nach der Hochzeit von angeblichen Fans bekommen hatten, hätten sie zunächst getroffen. “Mit dem Lied ‘Mein Mann ist Perser’ habe ich diesen Menschen all ihre Vorurteile vor den Kopf geworfen.” Sie habe gelernt, sich zu wehren, auch ihrem Ehemann gegenüber. “Als Frau eines Machos muss man im Nahkampf die Waffen schärfen und die Krallen ausfahren.”

Auf der Bühne ist diese rebellische Art zu spüren (“Ich kenne keine Frau, die das sagt, was ich sage”). Nur zu Hause, auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen im niederbayerischen Hebertsfelden, wo der nächste Nachbar mehrere Hundert Meter entfernt wohnt, schaltet sie richtig ab. “Ab und an steht plötzlich sogar ein Reh mitten auf dem Grundstück. Das ist eine wahre Idylle”, sagt die Kabarettistin. Wie lange sie noch im Rampenlicht stehen will, weiß Lisa Fitz selber nicht. “Bei Künstlern sind die Maßstäbe die Gesundheit und das Publikum.”

Von: APA/dpa

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