Das Prinzip Dampfwalze zur Perfektion getrieben

Die Idles sind mehr als nur ein Soundgewitter

Dienstag, 22. September 2020 | 13:00 Uhr

Eines vorweg: Diese Jungs sind nicht so, wie sie klingen. Wütend, brutal und leicht psychotisch kommt der Sound der Idles daher. Die Songs klingen, als prügle sie einem ein betrunkener Preisboxer in einer Bristoler Hinterhof-Bar direkt ins Gesicht – und direkt danach brechen alle in hysterisches Lachen aus. Ihr neues Album erscheint am 25. September. Auf ihrem dritten Album “Ultra Mono” haben die fünf Briten das Prinzip Dampfwalze zur Perfektion getrieben.

Im Opener “War” etwa schieben verzerrter Bass, kreischende Gitarre und stampfende Drums gleich von Beginn an ordentlich an. Sänger Joe Talbot schreit und wütet mit kratziger Stimme darüber.

Was die Idles aber wirklich zu einer der spannendsten Bands der Insel macht, ist das, was zwischen dem Soundgewitter hängen bleibt. Da sind zum einen die Texte und der Hang zum schwarzen Humor und zu schrägen Bildern. Wer startet sein Album schon mit phonetischen Kriegsgeräuschen? “Whaching!” (das Schwert), “Clack clack clack a clang clang” (die Pistole) oder “Tuka tuk tuk tuk tun tuka!” (die Bedienung einer Drohne) – um nur einen Auszug aus dem Textbuch zu zitieren.

Und da ist zum anderen der erkennbare Wille, Klischees mit der Gitarre zu zertrümmern. Denn so bärtig und tätowiert die fünf Musiker auch sind, so breitbeinig ihr Sound klingt, so ekstatisch ihre Liveshow ist – so viel kehren sie auch von ihrer Verwundbarkeit nach außen.

Die eigene toxische Männlichkeit, mentale Gesundheit, die Totgeburt von Talbots erstem Kind, das alles sind Themen, die die Idles schon beackert haben. Sie selbst sagen in einem “Guardian”-Interview: “Als Rockband subversiv zu sein, bedeutet, liebevoll zu sein und Mitgefühl und Empathie zu zeigen.”

Ja, die Idles walzen mit “Ultra Mono” alles nieder. Aber immer mit dem Ziel, auf den Trümmern zarte Pflänzchen der Liebe und des Gemeinschaftsgefühls zu säen.

Von: APA/dpa