DJ Mannix hat seine ersten Gigs bereits fixiert

DJ-Pult statt Politbühne: Mannix legt wieder auf

Dienstag, 08. Juni 2021 | 06:17 Uhr

Der virusbedingte Stillstand in Sachen Nachtleben ist zumindest partiell vorbei. Nun steht auch die Zunft der Plattenaufleger in den Startlöchern – wie der Wiener DJ Mannix. Er hat seine ersten Gigs bereits fixiert. 1974 geboren und seit den 1990er-Jahren in der Wiener Clubszene aktiv, hat er spezielles Gepäck mit dabei: Ein Album, an dem er sieben Jahre lang gearbeitet hat. Langweilig wurde Manfred “Mannix” Kling aber auch im Lockdown nicht. Was an der Politik liegt.

Denn Kling ist, wenn er sich nicht gerade der Musik widmet, als Pressesprecher des Wiener NEOS-Vizebürgermeisters Christoph Wiederkehr im Einsatz. Zuvor war er viele Jahre lang für die Volkspartei tätig und hat unter anderem das Stadtfest der Stadt-VP mitorganisiert.

Beats und Regler gehören aber ebenfalls schon lang zum Leben jenes Mannes, der gar nicht wirkt wie jemand, “der Nachtschwärmer in Euphorie versetzen kann”, wie die “Presse” kürzlich konstatierte. Doch Kling ist in der Szene kein Unbekannter. In den 1990er-Jahren hat er bereits im Volksgarten aufgelegt und im längst verschwundenen Virgin Megastore gehörte er zur Stammbesetzung in der dortigen DJ-Kabine. Später wurde er dort Leiter der Dancefloorabteilung.

Sein Album “Standing Right Here” vereint Soul, House und Funk – und das alles in der entspannten Variante. Die Songs hat er selbst geschrieben, abgesehen vom Titelsong, der von der US-amerikanischen R&B-Sängerin Melba Moore stammt. Die Platte wird ab September im Handel erhältlich sein, über die Bandcamp-Seite des Künstlers (https://mannix2.bandcamp.com/ ) kann sie allerdings schon jetzt erstanden werden. Und auch all jene, die sich über Crowdfunding an der Entstehung des Werks beteiligt haben, dürfen es schon ihr Eigen nennen. Auch Singles wurden schon ausgekoppelt.

Sieben Jahre hat DJ Mannix an dem Album gearbeitet, wie er im APA-Gespräch berichtete. “Mir ist das Live-Element in den Tracks sehr wichtig. Wenn du Live-Musiker featurest, dauert das länger. Und der andere Punkt ist, dass ich einen Hauptjob immer hatte, da war nicht immer die Zeit dafür.” Begonnen hat das ganze mit einigen Tracks, die nicht für ein Album geplant waren: “Irgendwann kommt der Gedanke, wo du sagst: Jeder Artist soll einmal ein Album gemacht haben.”

Er wolle nach Möglichkeit nicht mit vorhandenem Material arbeiten, sondern lasse die Vocals einspielen. Was im digitalen Zeitalter dann doch einfacher geht, wie er anmerkt: “Früher war das so, wenn du eine Vocal-House-Diva aus Baltimore hattest, dann ist die hergeflogen, hat was eingesungen und ist dann wieder abgereist. Und du musstest das alles zahlen. Jetzt ist das easy geworden.” Man sei über Skype in Kontakt, die Nummern werden in den Studios der Künstlerinnen und Künstler aufgenommen.

Und es sei auch unkomplizierter geworden, mit bekannten Leuten in Kontakt zu treten – auch weil nicht mehr so viel Geld in der Musik steckt wie früher und die bezahlten Engagements weniger werden. Für das Album gab es eine Liste von Artists, die er um Mitwirkung bat. “Einen große Prozentsatz hab ich auch bekommen, manche auch nicht”, wie er berichtete.

Auch ein kleines Orchester wurde engagiert, wenn auch aus Kostengründen nicht in Wien. Eingespielt wurde der Take mit Musikern in Zagreb – für den Titelsong: “Ich wollte das ähnlich dem Original machen. Für mich war das faszinierend, weil ich immer einen Live-Part in allen Produktionen hatte, Live-Bass oder Live-Gitarre. Aber Violinen oder Oboen ist schon noch einmal ganz was anderes.” In der 1970er-Jahren sei das nichts außergewöhnliches gewesen. “Das rechnet sich aber heute nicht mehr.”

Dass er ein Fan der goldenen Ära von Disco ist, daraus macht Manfred Kling keinen Hehl. Damals sei noch viel mehr Zeit in einzelne Nummern investiert worden: “Heute kannst du einen Track in einer halben Stunde machen.” Dass er versuche, sich der Arbeitsweise der Pioniere anzunähern, werde auch honoriert. “Dann kriegst du eben auch Leute wie den Mike Maurro, der jetzt ‘Standing Right Here’ remixed hat.” Der New Yorker DJ ist bekannt für Bearbeitungen von Aufnahmen aus der Disco-Epoche und hat sich auch dem von Mannix eingespielten Cover gewidmet.

Das Album evoziert jedenfalls Bilder jener Orte, an denen man derartige Klänge gerne hört – also von Meer oder Strand samt dazugehöriger Bar. Derartige Destinationen waren in den vergangenen Monaten meist unerreichbar waren. Für dessen Schöpfer wird es jedoch bald eine Rückkehr dorthin geben. Es würden schon Anfragen eintrudeln und er sei auch schon gebucht, etwa in Spanien oder Italien. Es würde sich dabei um Open-Air-Events handeln.

“Andere Länder handeln offenbar schneller und ambitionierter”, befand er. Mannix urgiert Perspektiven für Clubs und Nachtgastronomie – womit sich der Kreis mit der Politik schließt, da dies auch pinke Forderungen sind. “Ich glaube, dass die Sehnsucht von den Jugendlichen, aber auch von den Älteren, wieder wegzugehen und wieder einmal auf die Pauke zu hauen, schon groß ist. Wir sehen ja aktuell, dass auch aufgrund der momentan niedrigen Inzidenz und den vielen Entbehrungen, die Jugendliche während der Pandemie mittragen mussten, die Dämme immer mehr brechen.”

Dies sei ein Stück weit auch verständlich und könne wahrscheinlich nur durch eine offene, mit Regeln versehene Nachtgastronomie und das Wegfallen der Sperrstunde wirklich eingedämmt werden: “Dazu müssten aber die gesetzlichen Bestimmungen geändert werden.” Die Öffnungen in der Gastronomie seien ein guter und wichtiger Schritt. Das Problem sei, dass man den Nachtgastronomen nicht wirklich eine Perspektive geben könne. Ob es im Herbst wieder möglich sein werde, wie früher zu feiern, sei schwierig zu sagen. Darum sei der Sommer nun so wichtig.

“Gerade hier muss man dafür sorgen, dass ein bisschen etwas aufgeholt werden kann.” Im vergangenen Jahr gab es in den Sommermonaten durchaus die Möglichkeit, aktiv zu werden, wie er erzählt. Mannix selbst absolvierte etwa eine Residency im Kursalon. Was nur outdoor möglich war: “Man musste halt früher Schluss machen. Aber ich habe generell nie verstanden, warum man erst um 2.00 Uhr weggeht. Die Reaktionen waren auch bei Beginnzeiten um 18.00 Uhr positiv.”

Der Lockdown wurde unter anderem mit Streaming-Aktivitäten überbrückt. Mannix hat auch eine eigene Sendung auf Radio Superfly. Streaming selbst sei im Prinzip gut angenommen worden, es habe es ich jedoch rasch eine Hürde ergeben: “Du hast das Problem mit den Rechten. Facebook etwa schaltet dich stumm, wenn sie erkennen, dass du nicht die Rechte für den Song hast.” Das mache DJs das Leben schwer und habe dazu geführt, dass die Streaming-Aktivitäten der Szene eher zurückgegangen sind – auch wenn sich einzelne Portale diesbezüglich mit den Labels geeinigt hätten.

Von: apa