Dolores Schmidinger schreibt derzeit an ihrem neuen Buch

Dolores Schmidinger feiert 70. Geburtstag

Mittwoch, 21. September 2016 | 15:08 Uhr

Ihren 70er hat sie kurzerhand vorverlegt: Eigentlich hat Dolores Schmidinger, Schauspielerin, Kabarettistin, Regisseurin und Autorin, am Dienstag (21. September) Geburtstag. Mit ihrem Programm “Einfach Schmidinger” feierte sie ihn bereits im vergangenen Mai und Juni im Kabarett Simpl. 2017 tritt sie im Rothneusiedlerhof wieder damit auf – bis dahin schreibt “Dolly” an ihrem nächsten Buch.

Das Schreiben ist für Schmidinger bereits Standbein Nummer 4. Schon ihre Theaterkarriere reicht von der legendären “Rozznjogd”-Uraufführung an der Seite von Franz Morak am Volkstheater (1971) bis zum Lehar Festival Bad Ischl, wo sie 2013 nicht zuletzt die Namensvetterin “Hello, Dolly!” inszenierte. Denn neben der Schauspielerei und dem Kabarett startete Schmidinger im vergangenen Jahrzehnt auch als Regisseurin durch.

Die 1946 in Wien geborene Tochter eines Staatsopernsängers und einer Lehrerin absolvierte neben einer Kosmetikerinnenlehre die Schauspielschule Krauss. Schon nach ihren ersten Engagements in Kellertheatern und in Gerhard Bronners Kabarett “Theater am Kärntnertor” trat sie in zahlreichen Kabarettsendungen im Fernsehen auf. 1965 wurde sie ans Volkstheater engagiert und spielte dort u.a. die Polly in Bertolt Brechts “Dreigroschenoper” und die Julie in Molnars “Liliom”.

Mit ihrem ersten Mann, dem Musiker Dai King, begann sie Lieder zu schreiben und feierte 1977 mit dem Liedprogramm “Gurken haben keine Tränen” ihren ersten größeren Erfolg. Es folgten weitere Shows, LPs, Musical-Engagements im Theater an der Wien (u.a. “Cabaret”) und Ausflüge nach Deutschland, u.a. ans Hamburger Thalia Theater. 1979 wurde Schmidinger Mitglied des Theaters in der Josefstadt, wo sie u.a. Shakespeare, Horvath und Nestroy spielte, aber auch Peter Turrinis “Grillparzer im Pornoladen” an der Seite von Otto Schenk (1994).

Mit “Immer bins i!” legte sie 1988 ihr erstes eigenes Kabarettprogramm vor, zwei Jahre später gelang ihr “Mit den Waffe(l)n einer Frau” der Durchbruch auf diesem Sektor. Es folgten u.a. “Die nackte Matrone”, “Domina im Ausverkauf” oder “Die Queraussteigerin”. Ein breites Publikum erreichte sie aber auch durch ihre zahlreichen Auftritte in Film und Fernsehen, u.a. in Houchang Allahyaris “I love Vienna” und den ORF-Serien “Kaisermühlenblues” oder “Ein echter Wiener geht nicht unter”.

Für Diskussionen sorgte sie wegen ihrer unübersehbaren Schönheitsoperationen – und verteidigt ihr gestrafftes Gesicht mit jener Offenheit und jenem Selbstbewusstsein, das sie immer schon ausgezeichnet hat. So sorgte die Mutter zweier Töchter 1995 für Aufsehen, als sie für ein Plakat der Aids-Hilfe nackt posierte. Offen äußerte sie sich aber auch über jüngere Liebhaber als Unterstützung beim Jungbleiben, ihre überwundene Alkoholsucht und Bulimie.

Ihr 1998 erschienenes Buch “Raus damit! Bulimie: ein autobiographischer Ratgeber” wurde zum Bestseller. 2009 unterzog sie sich in ihrem Programm “Endlich suchtfrei” einer Therapie gegen Kaufrausch. In “Ich war drüben” verarbeitet sie ihr persönliches Tunellerlebnis nach einem Sturz beim Christbaumaufputzen. 2014 ging sie mit “Im Bett mit dem Teufel” gar unter die Krimiautoren.

Schmidinger, die u.a. mit dem Karl-Skraup-Preis (1975), dem Nestroy-Ring der Stadt Wien (1988) und dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien (2003) ausgezeichnet wurde, hat seit 2005 ihrer vielseitigen Biografie auch eine erfolgreiche Regiekarriere hinzugefügt: Ihrem Regiedebüt bei den Leharfestspielen in Bad Ischl mit Millöckers “Bettelstudent” folgen u.a. Inszenierungen im Simpl, den Kammerspielen und im Kosmos Theater.

Mit “Zigeunerbaron” und “Der fidele Bauer” (2010) in Bad Ischl oder einem slapsticklastigen “Vogelhändler” in Linz (2008) etablierte sie sich als Operettenspezialistin. “Man attestiert mir die Fähigkeit, ohne weit hergeholte Konzepte einfach Geschichten zu erzählen, die trotzdem nicht verstaubt, sondern absolut heutig sind”, schreibt sie auf ihrer Homepage. Unbescheidenheit war schon immer ihre Stärke.

Von: apa

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