Flotte Seifenkiste in der Schönbrunner Wagenburg

“Doppeladler” Habsburg will Formel-3-Europameister werden

Mittwoch, 09. Mai 2018 | 12:41 Uhr

Österreichs “größter” Nachwuchsmotorsportler trägt einen berühmten Namen und den Doppeladler auf dem Helm. Ferdinand Habsburg ist nicht nur Urenkel des letzten Kaisers, der 20-Jährige bringt mit 1,85 m auch eine beachtliche Körpergröße mit. Riesengroß ist auch die Begeisterung, mit der Habsburg am Wochenende in sein zweites Formel-3-Jahr geht. Dort soll am Saisonende der Titelgewinn stehen.

Eine Woche nach der DTM (Lucas Auer) beginnt mit der europäischen Formel-3-Meisterschaft eine weitere Motorsport-Serie, in der ein Österreicher Mitfavorit ist. Ausgenommen Rene Binders Teilzeit-Engagement in der Indy-Car-Serie ist Habsburg 2018 sogar der Österreicher in der höchsten Formelsportserie. “Ich kenne nun alle Strecken und Carlin ist das beste Team am Grid”, lauten die Gründe des Kaiser-Urenkels, die für einen Habsburgerischen Titelgewinn sprechen könnten. “Der Titel ist das Ziel und sicher wichtiger, als einzelne Rennen zu gewinnen.”

Schon als Kind hat sich Habsburg brennend für Motorsport interessiert. Noch vor dem Eintritt ins Teenager-Alter ist der multisportive “Lulatsch” endgültig beim Kart hängen geblieben. Erster Mentor war Alexander Wurz. Habsburgs Formel Renault, mit dem er 2014 für das Lechner-Team seine erste volle Rennsaison absolviert hat, steht heute in der Wagenburg des ehemaligen Familienbesitzes Schönbrunn.

Weil Ferdinand Zvonimir Maria Balthus Keith Michael Otto Antal Bahnam Leonhard Habsburg-Lothringen damit auf seine Weise die Familiengeschichte fortsetzt, wird dem Ganzen ab 23. Mai ebendort eine eigene Ausstellung gewidmet, in der Habsburgs 2014er-“Art-Car” neben der Zweispänner-Kutsche von Kaiser Franz aus 1814 sowie dem 45-PS-Automobil von Kaiser Karl aus 1914 zu sehen ist. “So etwas macht mich unheimlich stolz”, sagt der in Salzburg geborene, in Zagreb getaufte und in Wien lebende Sohn von Karl und Francesca Habsburg.

Der große Name Habsburg ist für Ferdinand keine Bürde. Im Gegenteil. “Ich liebe es, Habsburger zu sein. Es ist eine große Ehre, diesen Namen zu haben und ein großes Gefühl, wenn dich die Leute darauf ansprechen. Es ist wie ein dickes Geschichtsbuch, in dem du auf eine leere Seite selbst etwas schreibst.”

Gäbe es in Österreich das Adelsverbot von 1919 nicht, wäre Habsburg ein “Kaiserlicher Kronprinz und Erzherzog von Österreich”. Natürlich wird mit dem Thema kokettiert. So vermarktet sich der auch in Ungarn gern gesehene und stets mit Startnummer 62 antretende Jung-Rennfahrer selbst als “Double Eagle 62”. Seine Rennschuhe sind gelb und schwarz, auch das eine Anspielung auf die Monarchie. Auf der Helm-Hinterseite prangt zwischen seinen Initialen F und H ein “v”. Dies als Abkürzung für “von” auszulegen, wäre natürlich irreführend und zudem verboten, so Habsburg schmunzelnd.

Habsburg könnte das feine Leben eines jungen Prinzen führen, arbeitet vielmehr aber hart daran, in einem der gefährlichsten Jobs der Welt erfolgreich zu sein. Dafür geht er schon mal den ganzen Winter nach Neuseeland Autorennen fahren. 2016 kam er so in vier Serien auf fast 60 Saisonrennen, inklusive Pole und Platz zwei in Monaco. 2017 absolvierte er seine erste volle F3-Saison.

Heuer ist Habsburg erstmals auch Langstrecke gefahren, hat mit Platz fünf in Daytona gleich groß aufgezeigt. Natürlich möchte er in die Formel 1 und dort auch die Geschichte der Österreicher in der Königsklasse fortsetzen, sagt der junge Mann, der nicht Kaiser werden kann. “Die Formel 1 war immer eine meiner Lieblingsserien und es wäre ein Traum, dort zu fahren. Es gibt aber auch so viele andere Serien, die unfassbar interessant sind. Dort überall zu starten, Rennen zu gewinnen und zu zeigen, dass ich ein guter Rennfahrer bin, wäre der Obertraum.”

Die Gegenwart heißt Formel 3 und dort geht es im französischen Pau erstmals zur Sache, im September fährt man gemeinsam mit der DTM auch in Spielberg. Habsburg liebt Stadtkurse, hätte im Vorjahr nach Spa mit Macao fast noch einen Klassiker gewonnen. So richtig stark fühlt sich Habsburg aber in den ganz schnellen Passagen, “in denen man besonders viel Eier braucht”.

Wie etwa Kurve 7 in Zandvoort. “Ein richtiger Old-School-Kurs. Der Red Bull Ring ist toll, hat aber so viel Auslauf, dass du dich nirgendwo richtig anscheißt. Wenn du in Zandvoort abfliegst, kannst du sicher sein, einen Riesen-Unfall zu haben”, ist Habsburg überzeugt. “Dieses Adrenalin, wenn du es in Zandvoort als Einziger mit Vollgas geschafft hast, kurz vor dem Abflug, und eine geniale Runde hinbekommen hast, ist unbeschreiblich. Ein Wahnsinn.”

Dies sind Dinge, die er seiner Mutter lieber nicht erzählt. Sofern sie es nicht ohnehin miterlebt, wie seinen meterhohen Überschlag 2015 in Silverstone. “Die Sorge der Eltern existiert immer, auch wenn das Kind über die Straße geht”, beruhigt Habsburg. “Je weniger Fahrer ich vor mir habe, umso sicherer ist es”, lautet sein Plan. Letztlich sei es vor allem Eigenverantwortung. “Motorräder wären mir viel zu gefährlich.”

Zumindest seine gute Erziehung wird ihm im Pulverdampf der Formel 3 nicht im Weg stehen. “Ich habe als Teenager gut gelernt, wie ich ein egoistischer, aggressiver Rennfahrer auf der Strecke und ein Gentlemen daheim sein kann. Denn wenn ich den Rennfahrer mit nach Hause genommen habe, hat mir meine Mutter sofort eine Watsch’n gegeben.”

Außerdem hätten ihm seine beiden Schwestern stets die Hölle heiß gemacht. Die ältere, Eleonore, ist heute nicht nur Juristin und gefragtes Model, sondern auch mit dem ehemaligen Formel-1- und nunmehrigen Formel-E-Piloten Jerome d’Ambrosio aus Belgien und damit einem Berufskollegen ihres Bruders liiert.

Von: apa