Dornhelm feiert am 17. Dezember seinen 70. Geburtstag

Dornhelm: “Versuche, die Konvention auf den Kopf zu stellen”

Dienstag, 12. Dezember 2017 | 12:48 Uhr

Von Wien nach Hollywood: Was für viele ein Traum bleibt, ist Regisseur Robert Dornhelm gelungen. Oscarnominierung, Emmy-Auszeichnung und Projekte mit den Größen der Branche säumen seine Karriere. Am 17. Dezember feiert Dornhelm, dessen neuer Zweiteiler “Maria Theresia” zu Weihnachten auf ORF 2 läuft, seinen 70. Geburtstag. Davor sprach die APA mit ihm über Erfolg, Herausforderungen und Preise.

Frage: Herr Dornhelm, mit “Maria Theresia” haben Sie sich wieder einem historischen Stoff gewidmet. Haben diese Themen für Sie einen besonderen Reiz?

Robert Dornhelm: Diese Antwort kann ich mit meinem Geburtstag und meinem Leben verbinden: Es ist die Einfallslosigkeit der Produzenten gewesen. Machst du einmal einen erfolgreichen Genre-Film, kommt das nächste Angebot zu einem anderen Genre-Film. Und plötzlich bist du der Spezialist! Mein Hintergrund ist genau das Gegenteil, ich komme ja aus dem Dokumentarfilm. Realismus, Natürlichkeit, kein Licht, normale Kleidung – das war früher immer meine Handschrift. Ich habe versucht, im Realismus die Poesie zu finden und sie nicht zu schaffen, damit ich sie dann abfilmen kann. Die Stärke des Realismus ist etwas, das ich in diesen künstlichen Welten, die ich erst erschaffen muss, oft vermisse. Ich versuche immer, die Konvention auf den Kopf zu stellen. Aber ich beklage mich überhaupt nicht! Es ist ein unwahrscheinliches Privileg, dass ich die große Leinwand bekomme und die guten Budgets.

Frage: Und wie gehen Sie damit um, wenn das einmal nicht der Fall ist?

Dornhelm: Es geht auch darum zu wissen, wie man mit Wasser Ölbilder malt. Man muss ökonomisch arbeiten können. Dieses Stück meines Handwerks habe ich gelernt, wenngleich ich mich immer noch als Jungfilmer sehe. Das sage ich nicht aus Koketterie. Manchmal gelingt es mir besser. Ich bin einige Male eingeladen worden zu unterrichten. Das mache ich immer anhand von Beispielen. Von Null anzufangen, wie macht man einen Film? Das weiß ich ja selber nicht. Ich erlerne es im Prozess.

Frage: Also sind Sie nach wie vor ein Suchender?

Dornhelm: Wenn man es weiß, dann kannst du gleich in der Bank arbeiten. Auch da weißt du, was rauskommt. Das würde mich aber langweilen. Es geht um das Abenteuer. Bei “Maria Theresia” war das ganz besonders der Fall. In vier Sprachen zu drehen und zu glauben, das würde automatisch einen Sinn ergeben, das war ein Glücksspiel. Kommt dabei etwas heraus oder wird es hölzern und steif bleiben?

Frage: Im Lauf Ihrer Karriere haben Sie unterschiedlichste Medien bedient – vom Kino übers Fernsehen bis zur großen Opernbühne. Was muss eine Aufgabe mitbringen, damit sie für Sie interessant wird?

Dornhelm: Angst. Dass ich nicht weiß, was dabei herauskommt. Je weiter entfernt es von mir ist, desto größer ist die Herausforderung und desto mehr spornt es mich an. Als man mich gefragt hat, ob ich einen Bergsteigerfilm machen will, dachte ich: Ich war ja noch nie so hoch oben. Aber letztlich spornte es mich an. Haben hingegen andere etwas vorbestimmt, und ich soll es nachmachen – das liegt mir nicht. Natürlich ist das eine total anständige Arbeit. Aber ich mache diesen Beruf, um möglicherweise auch Fehler machen zu dürfen. Die Überraschung muss bleiben! Dann empfinde ich das auch als Spiel, das gut oder schlecht ausgehen kann. Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass ich zur Arbeit gehe.

Frage: Was wäre für Sie heute noch Neuland?

Dornhelm: Ich möchte gerne unter Wasser gehen. Da gibt es auch ein Drehbuch. Ich bin früher wahnsinnig viel getaucht und hatte daher eine Idee für einen Film. Aber bis jetzt habe ich das noch nicht verwirklichen können. Es gab auch zwei Stoffe mit Richard O’Brien. Die sind wie ungeborene Kinder – ich habe sie gezeugt, denn die Bücher waren entwickelt, aber sie kamen nicht zur Welt. Es sind also ein paar Überbleibsel aus der Vergangenheit. Jetzt, wo ich etwas reifer geworden bin, interessieren mich schon große Stoffe. Früher waren mir Aquarell und Tuschzeichnungen lieber, ich habe den goldenen Rahmen und die Ölfarben nicht gebraucht. Die Knochen fand ich interessanter als das fertige Geschöpf.

Frage: Hat das jetzt auch mit der Selbstverständlichkeit zu tun, die Sie sich über die Jahre erarbeitet haben?

Dornhelm: Das Filmemachen empfinde ich nicht mehr als Herausforderung – damit meine ich das handwerkliche Machen des Films. Das ist wie bei jemandem, der viel schreibt und nicht mehr auf die Tastatur schaut. Wo gebe ich die Kamera hin, wie lösen wir die Szene auf? Das ist wie eine zweite Natur, da muss ich nicht viel nachdenken.

Frage: Schon für Ihren Debütfilm “Kinder der Theaterstraße” erhielten Sie eine Oscarnominierung. Über die Jahre sind viele Auszeichnungen hinzugekommen. Was sind Ihnen Preise wert?

Dornhelm: Null. Bei der Oscarnominierung habe ich zu allen Göttern gebetet, den Preis nicht zu bekommen. Das ist kein Schmäh. Die Peinlichkeit, auf die Bühne zu gehen und mich bei allen zu bedanken, hat mich mehr belastet. Natürlich ist die Auszeichnung nützlich, um den nächsten Job zu bekommen. Es ist ein Tool, um weiterarbeiten zu können. Meine Eitelkeit wird davon aber nicht befriedigt.

Frage: Seit bald einem Jahr regiert in Ihrer Wahlheimat USA Donald Trump als Präsident. Wie geht es Ihnen mit dieser Situation?

Dornhelm: Großartig. (lacht) Nein, es ist ein Alptraum, den ich langsam realisiert habe. Ich hoffe, dass er bald zu Ende geht. Ich konnte zunächst nicht glauben, dass er das wird. Das Böse siegt in einigen Ländern um uns: die hässliche Fratze des Kapitalismus von ihrer übelsten Seite, die menschenverachtend ist und nur den Reichen dient. Es ist eine traurige Entwicklung. Es gibt nur eine Lösung: Dass wir erkennen, dass wir alle Menschen sind und es besser wäre, wenn wir uns verstehen. Die Entwicklung in Richtung Nationalismus, Intoleranz und Zynismus ist mir äußerst zuwider, und daher lehne ich Herrn Trump aus vollem Herzen ab.

Robert Dornhelm wurde am 17. Dezember 1947 in Timisoara (Rumänien) geboren und emigrierte als 13-Jähriger mit seinen Eltern nach Wien. Ein Studium an der Filmakademie brach er ab, um sich dem Dokumentarfilm zu widmen und für den ORF zu arbeiten. Für seinen Debütfilm “Kinder der Theaterstraße” wurde er 1977 für einen Oscar nominiert. Es folgten Arbeiten mit Größen wie Jeff Bridges, Sally Kirkland oder Bill Pullman. 2013 inszenierte er erstmals eine Oper. Zuletzt war er mit dem Zweiteiler “Das Sacher” für den ORF erfolgreich. Sein neuer Historienfilm “Maria Theresia” ist am 27. und 28. Dezember um 20.15 Uhr auf ORF 2 zu sehen.)

Von: apa