Kohlhaase - erfolgreich in der DDR als auch in der BRD

Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase wird 88

Mittwoch, 13. März 2019 | 11:05 Uhr

Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase hat auf beiden deutschen Seiten Filmgeschichte geschrieben”. Davon legen Filme wie das Künstlerdrama “Solo Sunny” (1980), der tolle Halbstarkenfilm “Berlin-Ecke Schönhauser” (1957) und die lässige Prenzlberg-Romanze “Sommer vorm Balkon” Zeugnis ab. Am 13. März feiert Kohlhaase seinen 88. Geburtstag.

Der Autor, der auch den Nationalpreis der DDR und das Bundesverdienstkreuz bekam, nahm bereits 2010 einen Goldenen Bären der Berlinale für sein Gesamtwerk entgegen. Zuletzt zeichnete er für das Skript zu dem DDR-Requiem “In Zeiten abnehmenden Lichts” verantwortlich. Der einstige Starautor der DDR-Filmgesellschaft DEFA, der mit renommierten Regisseuren wie Konrad Wolf, Frank Beyer und Gerhard Klein zusammenarbeitete, hat wie manche andere ostdeutsche Filmautoren als SED-Mitglied auch die Schattenseiten der offiziellen SED-Kulturpolitik kennengelernt. Kohlhaase gehörte zu jenen DDR-Autoren von Rang, die nach dem Mauerfall von 1989 auch im jüngeren deutschen Film Anschluss fanden und Erfolg hatten.

Auch wenn Drehbuchautoren stets weniger als Regisseure beachtet werden, wurde Kohlhaase international bekannt – vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem 1982 gestorbenen Regisseur Konrad Wolf bei dem Antikriegsdrama “Ich war 19” (1968) und mit Frank Beyer bei “Der Aufenthalt” (1982).

Bei der noch heute verblüffend gesellschaftskritisch anmutenden Tragikomödie “Solo Sunny” von 1979 arbeitete der Drehbuchautor auch als Ko-Regisseur von Wolf mit. Für die Hauptdarstellerin Renate Krößner gab es auf der Berlinale 1980 im Westteil der Stadt sogar einen Silbernen Bären für ihre Darstellung der eigenwilligen, durch die DDR-Provinz tingelnden, aufmüpfigen Sängerin Sunny.

Der Film, der Kohlhaases Vorliebe für den schnoddrigen Berliner Tonfall erkennen lässt, wurde eines der berühmtesten Beispiele für die erneute Hinwendung des DDR-Films zum ostdeutschen Alltag nach den ersten mutigen, aber bald erstickten Versuchen der DEFA-Studios in den 60er Jahren.

“Solo Sunny” zeigt den Prenzlauer Berg in Berlin in den grauen Tönen des realen Sozialismus ebenso wie die melancholische Bohème-Stimmung und den trotzigen Lebenswillen des bunten Künstlervolkes zwischen den bröckelnden Fassaden. Der nach dem Mauerfall wieder aufgeblühte “Prenzlberg” sollte ein Vierteljahrhundert später auch den Hintergrund seiner vielgelobten Alltagskomödie “Sommer vorm Balkon” in der Regie von Andreas Dresen werden. Ein Kritiker (“Süddeutsche Zeitung”) nannte den Film sogar einen “klassischen DEFA-Film – eine letzte Blüte der großen Filmtradition der DDR”.

Wie hier zeigte auch die in Babelsberg noch kurz vor dem Mauerfall gedrehte Gaunerkomödie “Der Bruch” aus den ersten Nachkriegsjahren (mit Götz George in der Regie von Frank Beyer) deutlich Kohlhaases Handschrift und Vorliebe für den kleinen Mann mit Mutterwitz und Herz – und “Berliner Schnauze”. Mit Dresen arbeitete Kohlhaase auch 2009 bei der Insiderkomödie aus der Filmbranche “Whisky mit Wodka” zusammen. Volker Schlöndorff war der Regiepartner bei dem Terroristendrama “Die Stille nach dem Schuss” von 1999.

Von: APA/dpa