Autorin Michaela Kastel mit dem Namen der Hauptfigur

Düster, mit Tiefgang: Kastels Thriller “Mit mir die Nacht”

Dienstag, 19. Oktober 2021 | 06:25 Uhr

“Mit mir die Nacht” heißt Michaela Kastels neuer Thriller, der auf ihrem vor einem Jahr erschienenen Werk “Ich bin der Sturm” aufbaut. Vom Erzählstil her an ein Comic-haftes Film-Noir-Genre angelehnt, von einer düsteren Grundstimmung getragen und in der Erzählung selbst surreal oder zumindest die Fantasie anregend, nimmt das im “emons”-Verlag erschienene Buch Leserinnen und Leser mit einer gewissen Sogwirkung auf den Vergeltungsfeldzug der Hauptfigur Madonna mit.

Wenn auch im Ton nicht unbedingt an reale Ereignisse erinnernd, hat Madonnas – in beiden Büchern dargelegte – Geschichte ein reales und sehr ernstes Grundthema: Gewalt an Frauen, Zwangsprostitution und Femizid. Mitreißend in der Ich-Form geschrieben, rückt Madonnas Fokus von den in “Ich bin der Sturm” im Vordergrund stehenden erlittenen Qualen nun zum Thema Rückkehr und Rache. Madonna muss in ihre “Hölle” zurückkehren, möchte aber die Hetzjagd auf sie beenden. Wie kann das gelingen und welche Rolle spielt dabei Jaxx, der selbst einer der “Teufel” ist?

Neben dem Motiv Rache stehen der Kampf zwischen Gut und Böse sowie menschliche Abgründe im Mittelpunkt der Erzählung, wie die Autorin selbst anmerkt. Kastel, eine Mittdreißigerin, die für den Roman “So dunkel der Wald” mit dem von Sebastian Fitzek gestifteten Viktor Crime Award ausgezeichnet wurde, merkt auch an, dass sie das Geschilderte in ihren Formulierungen oft “bewusst überzeichnet” – und das mit Erfolg: Man wird beim Lesen in die Handlung hineingezogen und wandelt gemeinsam mit der Hauptfigur irgendwo zwischen realer Welt und Hölle. Zunehmend lässt man dabei die eigene Fantasie spielen, filtert aber auch die der weitgehend surreal erscheinenden Handlung zugrunde liegenden realen Themen heraus.

Somit tut “Mit mir die Nacht” das, was gelungene Fiktion tun soll: es nimmt die Lesenden mit in eine ganz eigene Welt, zieht sie in den Sog der Handlung hinein, regt einerseits die subjektive Vorstellungswelt an, andererseits auch die an realen Phänomenen orientierte Gedankenwelt. Nachdem Kastel das alles auf hohem sprachlichen Niveau gelungen ist, kann man “Mit mir die Nacht” als einen lesenswerten Thriller mit reichlich Tiefgang bezeichnen.

(S E R V I C E – Michaela Kastel: “Mit mir die Nacht”, emons-Verlag, 285 Seiten, 20,60 Euro)

Von: apa

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