Der Unfall bei "Wetten, dass...?" ist mittlerweile sieben Jahre her

Ein Sturz veränderte sein Leben: Samuel Koch wird 30

Donnerstag, 28. September 2017 | 09:06 Uhr

Samuel Koch dürfte der bekannteste Rollstuhlfahrer Deutschlands sein. Er hatte versucht, ein fahrendes Auto auf Sprungfedern zu überspringen – live in der ZDF-Show “Wetten, dass..?” am 4. Dezember 2010. Sein Sturz veränderte sein Leben. Seitdem ist er querschnittsgelähmt. Am Donnerstag wird der Schauspieler und Buchautor 30 Jahre alt.

Seine Schauspiel-Ausbildung schloss er in Hannover ab, engagiert ist er in Darmstadt. Im August 2016 hat er seine Schauspielerkollegin Sarah Elena Timpe (32) geheiratet.

Inzwischen, fast sieben Jahre nach dem Sturz, hat er mit dem Unfall ein bisschen Frieden gemacht. “Ich glaube zwar erst mal nicht, dass die Zeit alle Wunden heilen kann”, sagt er. “Aber ein Stück weit ist da schon etwas dran. Ich kann heute etwas gelassener und ruhiger auf damals zurückschauen.” Alles habe er aber noch nicht verarbeitet oder gar überwunden. “Nach wie vor ärgert es mich natürlich manchmal, dass ich bei der Wett-Aktion zugesagt habe. Ich bin aber noch nicht an dem Punkt, an dem ich sagen kann, der Unfall hat diesen oder jenen Sinn.”

Ohne Hilfe kommt Koch praktisch nicht aus, ob Zuhause oder unterwegs. “Wenn ich im Bett liege und schlafe, dann schon”, sagt er mit einem Lachen. “Wenn ich auf der Bühne bin und in den Automatismen eingebaut bin, dann auch. Aber vor und nach solchen Phasen brauche ich schon Hilfe.”

An Heilung denke er schon. “Ich würde sagen, ein heimliches, stilles, unterbewusstes Hoffen. Sei es auf die Forschung, die rasend voranschreitet oder auf irgendwas, was außerhalb der Schulmedizin liegt, was nicht erklärbar ist.” Zieht er Zuversicht aus seinem christlichen Glauben? “Wenn man so will, schon. Ich glaube, dass es mit Sicherheit Dinge gibt, die nicht erklärbar sind. Dass es Dinge gibt, die die Schulmedizin nicht erklären kann. Ohne dies mir täglich ins Bewusstsein zu rufen: Es schwingt schon mit.”

Zum Ensemble des Staatstheaters Darmstadt gehört Koch seit September 2014. “”Faust” von Goethe, der “Prinz von Homburg”, Roller in Schillers “Räubern”, Sam in “Der Ruf der Wildnis” – Samuel Koch spielt in jeder Spielzeit tolle Rollen”, teilten Intendant Karsten Wiegand und Schauspieldirektor Oliver Brunner mit. “Er schafft es auf der Bühne, dass seine Figuren zugleich eine ungeheure Klugheit und ein dunkles Geheimnis haben. Das macht Theater spannend und aufregend.”

Der Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA/Hamburg), Jörg Löwer meinte: “Diversität in Bezug auf Menschen mit Behinderung, Geschlecht, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sollte eine Selbstverständlichkeit werden. Das Ziel kann nur sein, dass Samuel Kochs Arbeit als Schauspieler relevant ist und nicht seine Arbeit als Schauspieler im Rollstuhl.”

Dass sein Körper auf der Bühne nicht mitspielt, versucht Koch zu kompensieren, wie er erzählt. “Natürlich. Manchmal habe ich es da leichter als die anderen Schauspieler. Weil ich nicht ablenke, wild gestikuliere. Ich habe den Fokus, was der Gedanke eigentlich will. Da bin ich nach wie vor im positiven Sinne reduziert.” Er konzentriere sich auf “die Stimme, die gedankliche Klarheit.”

Schauspielen sei für ihn ein wesentlicher Lebensinhalt. “Zwischendurch hatte ich gesagt, es gibt wohl kaum etwas Naiveres oder Dümmeres, als in meinem Zustand das Schauspielstudium fortzuführen. Mittlerweile muss ich sagen: Das war eigentlich das Beste, was ich machen konnte. Wo sonst kann man in einem Beruf arbeiten nur mit Hilfe von seinen Gedanken, seiner Fantasie und seiner Stimme.”

Als ein größeres Projekt hat Koch einen gemeinnützigen Verein geplant. “Bei dieser Aufgabe soll es um die Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen gehen, die Ähnliches erlitten”, beschreibt er das Projekt auf seiner Internet-Seite. “Das geht peu à peu voran”, sagt er dazu. “Etwas mit einem anderem Tempo, als wenn andere Leute daran hauptberuflich arbeiten würden. Wir wollen das auf ein gutes Fundament gebaut wissen. Da lassen wir uns lieber mehr Zeit, als es zu schnell zu machen.”

Von: APA/dpa

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