Regisseur Trocker (r.) mit "Die Einsiedler"-Stars Lust und Burkhard

“Einsiedler”-Regisseur Trocker über seine Südtirol-Hassliebe

Mittwoch, 24. Januar 2018 | 05:15 Uhr

“Die Einsiedler” erzählt von Albert (Andreas Lust), dessen Eltern ein entbehrungsreiches Leben auf einem ärmlichen Bauernhof in den Bergen führen. Er selber arbeitet mittlerweile im Tal, fühlt sich dort aber oft einsam. Im Interview mit der dpa spricht Regisseur Ronny Trocker über die Beziehung zu seiner Heimat und persönliche Erlebnisse, die in sein Spielfilmdebüt eingeflossen sind.

Frage: Sie sind in Südtirol aufgewachsen, leben aber seit Jahren nicht mehr dort. Was hat Sie dazu bewogen, für diesen Film zurückzugehen?

Ronny Trocker: Es gibt für mich so eine Art Hassliebe zu dieser Region. Ich finde es eine faszinierende Gegend, denn dort treffen sich verschiedene Sprachen und Lebensweisen. Wenn man da aufwächst, kommt man in den Genuss von beiden, das ist wie ein Schmelztiegel. Allerdings gibt es in solchen Regionen auch so eine Art Isolierung und Selbstbezug: “Wir deutschsprachige Minderheit” und so weiter. Man interessiert sich nur für sich.

Frage: Viele Menschen verbinden mit Südtirol schöne Urlaubserinnerungen. Sie zeigen aber eine sehr andere Welt…

Trocker: Ich wollte die Region mal klischeefrei porträtieren. Für den Tourismus sind die schönen Berge und schönen Fotos super. Aber für die Leute, die den Berg bearbeiten, ist der Berg ein Hindernis. Ich wollte diese Welt ohne Schnörkel zeigen.

Frage: Sind in den Film persönliche Erfahrungen eingeflossen?

Trocker: Ich bin selber in einem kleinen, modernen Touristenort aufgewachsen. Aber meine Mutter ist in einem sehr isolierten Bauernhof groß geworden. Als Kinder sind wir da alle drei Wochen den Großvater und Onkel besuchen gegangen. Und das war ein großer Kontrast zu dem, wie ich aufgewachsen bin. Der Bauernhof trug noch sehr archaische Züge. Da habe ich dieses Spartanische kennengelernt, das ist mit eingeflossen.

Ronny Trocker (39) ist in Südtirol aufgewachsen. Seine Muttersprache ist Deutsch. Mit 21 Jahren zog er nach Berlin, wo er unter anderem als Tontechniker arbeitete. Dann ging er für sein Filmstudium nach Argentinien und Frankreich und zog später nach Belgien. “Die Einsiedler” ist sein Debütfilm und lief im Vorjahr bei der Diagonale in Graz sowie den Filmfestspielen von Venedig.)

Von: APA/dpa