Spira hat nie an die Zukunft gedacht

Elizabeth Spira über das “Liebesg’schichten”-Erfolgsformat

Dienstag, 19. Juni 2018 | 17:53 Uhr

“Einmal muss Schluss sein.” Das sagte Elizabeth T. Spira noch vor wenigen Monaten über das ORF-Erfolgsformat “Liebesg’schichten und Heiratssachen”. Kurz vor dem Start der 22. Staffel der Kuppelshow (ab 16. Juli immer montags auf ORF 2) klingt das wieder anders und will sich die Fernsehmacherin nicht festlegen. Mit der APA sprach Sie über Langlebigkeit, Voodoozauber und Vorstellungen von Liebe.

APA: Frau Spira, die “Liebesg’schichten” gibt es nun seit 1997. Hätten Sie sich damals gedacht, dass das Format so langlebig sein wird?

Elizabeth T. Spira: Ich habe nie an die Zukunft gedacht. Meistens war ich in der Gegenwart schon ziemlich Zeit knapp. Wer solche Sendungen macht weiß, wie nervös man wird, wenn etwas nicht gleich funktioniert. Daher denkt man keinesfalls an die Zukunft, denn dann würde man sich umbringen. Man denkt an das Morgen, das auch schon fast zum Selbstmord treibt. (lacht)

APA: Blicken Sie eigentlich gelegentlich zurück auf die bisherigen Staffeln?

Spira: Nein, ich blicke nie zurück. Ich bin die Tochter eines Kommunisten und blicke daher immer nur nach vorne.

APA: Wie hat sich die Liebessuche in diesen zwei Jahrzehnten verändert?

Spira: Viele suchen heute über den Computer. Als wir angefangen haben, gab es das überhaupt noch nicht. Irgendwer hat uns zwar gesagt, das wird kommen. Aber ich dachte mir nur: So ein Blödsinn. (lacht) Es hat sich herausgestellt, dass die Computer eine große Konkurrenz von uns sind – oder wir eine kleine Konkurrenz sind sie. Ich glaube auch, dass die Leute deswegen zuhause hocken. Als ich jung war, sind wir ja einfach in ein Lokal gegangen und haben uns gegenseitig aufgerissen, wenn wir uns gefallen haben. Und da gab es ziemlich viele Leute! Ich verstehe gar nicht, wieso das heute so ein Problem sein soll.

APA: Welche Aufgabe übernehmen die “Liebesg’schichten”?

Spira: Ich kann mit Leuten reden. Es gibt oft sehr Vereinsamte, die schon lange mit niemandem mehr geredet haben und die das wahrscheinlich fast nicht zusammenbringen. Mit mir geht es, weil ich eine Fremde bin und trotzdem eine Bekannte. Irgendwie hat man mich geholt, aber gleichzeitig zittert man vor mir – aber ich weiß, wie man die Leute streicheln muss. Es ist natürlich etwas ganz anderes, ob du jemanden über die Öffentlichkeit suchst und das gesamte Dorf schaut zu, oder ob du in ein Lokal gehst. Aber jetzt ist es offenbar wahnsinnig kompliziert, was ich nicht verstehe. Das ist in der Konsumwelt übrig geblieben: Die Leute wollen Absicherung. Sie trauen sich nicht mehr raus und selber initiativ werden. Das muss gefördert werden.

APA: Wie brechen Sie in solchen Fällen das Eis?

Spira: Das schaffen wir schon. Aber das verrate ich Ihnen nicht, sonst können Sie es auch. (lacht)

APA: Wie bleiben die “Liebesg’schichten” für Sie selber frisch und spannend?

Spira: Ich habe genug Humor, dass mir das alles Spaß macht. Und ich lerne einen Haufen von Menschen kennen, die entweder traurig, witzig oder komisch sind, die oft eine völlig spannende Vorstellung von Liebe haben. Da hättest du nie gedacht, dass es genau das sein könnte. Außerdem fahre ich mit einem netten Team und am Abend gehen wir gut essen.

APA: Hat sich eigentlich Ihre eigene Vorstellung von Liebe durch die Sendung verändert?

Spira: Nein, eigentlich nicht. Ich war ja schon vorher verheiratet. Ich bin mit meinem Mann schon ewig lang zusammen, was sich für eine 68erin eigentlich gar nicht gehört. (lacht)

APA: Der Erfolg Ihrer Sendung reißt nicht ab, jedes Jahr wieder schalten Hunderttausende ein. Denken Sie gelegentlich an die Quote?

Spira: Natürlich nicht, aber natürlich schauen wir immer. (lacht) Das Problem ist eigentlich das Wetter: Wenn es regnet, haben wir Glück, weil dann schaut eine Million zu. Wenn es nicht regnet, was der Sommer ja manchmal bietet, sind es nur 800.000. Das ist für anderes vielleicht viel, für uns aber nicht. Also machen wir Voodoozauber, dass es nur am Montag regnet. Aber manchmal gelingt es uns nicht.

APA: Im März haben Sie gemeint “Einmal muss Schluss sein”. Ist es jetzt soweit? Beziehungsweise wie viel Lust machen Ihnen die “Liebesg’schichten” noch?

Spira: Das hängt davon ab. Manchmal überhaupt nicht, im Moment aber schon. Aber wenn Sie mich morgen fragen, kann es schon wieder ganz anders sein. Man ist nicht jeden Tag gut gelaunt, man liebt nicht jeden Tag gleich, man macht nicht jeden Tag gern seinen Job. Manchmal kann man nicht ohne ihn leben, ein andermal denkt man sich: Wenn das nur schon alles vorbei wäre! Es ist also alles drinnen.

APA: Ich kann Sie also jetzt nicht festnageln, wie es weitergeht?

Spira: Nein, Sie werden mich nicht festnageln. (lacht)

APA: Aber spielen Sie mit dem Gedanken, wie es sein wird, wenn die “Liebesg’schichten” aufhören?

Spira: Dann hat man Zeit und man kann auf Urlaub fahren. Das wäre schon ganz schön, einmal ans Meer zu fahren. Obwohl es andererseits natürlich viele Touristen im Sommer gibt.

Von: apa

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