Ungleiches Duo trat in St. Margarethen vor gut 5.000 Besuchern auf

Englishman traf Reggaespaß: Sting und Shaggy im Steinbruch

Donnerstag, 28. Juni 2018 | 10:00 Uhr

Kann das gut gehen? Wenn die großen Namen Sting und Shaggy aufeinandertreffen, ist das auch eine Zusammenführung höchst unterschiedlicher Welten. Zwar hat der frühere Police-Sänger stets eine ausgeprägte Affinität für Reggae an den Tag gelegt, Fans beäugten das erste gemeinsame Album “44/876” aber sehr kritisch. Am Mittwoch musizierte das Duo mit Band im Römersteinbruch St. Margarethen.

Was sich vorweg festhalten lässt: Nicht nur aufgrund der versierten Sting-Musiker im Rücken – darunter neben Drummer Josh Freese natürlich auch das Vater-Sohn-Gespann Dominic und Rufus Miller an den Gitarren – wurde der Auftritt bedeutend weniger peinlich, als man sich das ausmalen mochte. Bei leichtem Nieselregen und mit kaum Verspätung betrat das ungleiche Paar Sting und Shaggy die Bühne, der eine mit dem obligaten Bass um die Hüfte, der andere im stylischen Outfit und mit griffbereiter Jamaika-Fahne.

Zum Einstieg servierten sie einen “Englishman in New York”, bei dem sich Shaggy gleich in Szene setzen durfte. Denn obwohl die Setlist stark von Sting- und Police-Nummern geprägt war, funkte der 49-Jährige immer wieder hinein, schnappte sich eine Strophe hier und einen Refrain dort. Sein eigenes Oeuvre wurde alsbald mit “Oh Carolina” bedient, und es zeigte sich schnell: Musikalisch freute man sich zwar auf “Message In A Bottle” und Co, wenn es um die Partystimmung ging, war aber der Jamaikaner nicht zu schlagen.

So wurde Hit an Hit gereiht, gab Sting den fest an seinem Platz verwurzelten Takt- und Ideengeber, während Shaggy die Bühne abgraste und schließlich beim gemeinsamen Song “To Love And Be Loved” die gut 5.000 Anwesenden im Steinbruch zum Aufstehen bewegen konnte. Ab diesem Zeitpunkt wurde getanzt, geklatscht, mitgesungen – zwar aufgrund der äußeren Umstände immer wieder schaumgebremst, aber durchaus lustvoll.

Wie sehr sich Sting in seinem Schaffen von Reggae beeinflussen ließ, kam mehrfach deutlich zur Geltung – besonders bei Stücken wie “Walking On The Moon”, während wiederum Songs vom Kaliber eines “If You Love Somebody Set Them Free” an diesem Abend besonders funky geboten wurden. Die Mischung aus ernsthaftem Musizieren und leichtfüßiger Unterhaltung lief lange auf Hochtouren, auch wenn sich langjährigen Sting-Anhängern wohl bei dem ein oder anderen schiefen Ton von Shaggy innerlich etwas zusammenzog.

Wie viel Spaß es den beiden allerdings macht, zusammen unterwegs zu sein, offenbarte “Crooked Tree”: Sting hüllte sich dafür ins Knastoutfit, während Shaggy den gestrengen Richter mit Robe und weißer Perücke gab. Das nicht weit entfernte Mörbisch ließ grüßen. Als am Ende des regulären Sets Lieder wie “Hey Sexy Lady”, “Boombastic” und “Roxanne” quasi nahtlos ineinander übergingen, durcheinandergeworfen und verschränkt wurden, war das schon eine harte Sache, die man erst verdauen musste.

Dem Jubel tat das aber keinen Abbruch: Im Zugabenteil folgte ein peitschendes “Desert Rose”, dem Shaggy kurz zuvor noch das knackige “It Wasn’t Me” entgegensetzte. Aber wieso nicht ein Weltmusik-infiziertes Stück über verlorene Liebe und Sehnsucht mit einem Seitensprung-Song kreuzen? Berührungsängste kennen Sting und Shaggy sichtlich nicht. Nach nicht ganz zwei Stunden war der Spuk dann vorbei, und man konnte festhalten: Wir waren dabei, es hat Spaß gemacht. Ob man auf einer Wiederholung hofft, muss hingegen jeder für sich selbst entscheiden.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz