Der Musiker Mick Fleetwood

Erfolge und Exzesse: Schlagzeuger Mick Fleetwood wird 70

Samstag, 24. Juni 2017 | 10:17 Uhr

Er gründete die legendäre Band Fleetwood Mac vor 50 Jahren mit und ist immer noch dabei: Der lebensfrohe und übergroße Schlagzeuger Mick Fleetwood lebt nun seit fast 20 Jahren auf der hawaiianischen Insel Maui, wo er ein Restaurant und einen Andenkenladen besitzt. Am Samstag (24. Juni) feiert er seinen 70. Geburtstag.

Seine Glücksbringer sind zwei leicht anzügliche Holzkugeln, die an schmalen Lederriemen von seinem Gürtel hängen. “Gut um ins Gespräch zu kommen. Bis heute spiele ich nicht ohne sie”, schrieb der fast zwei Meter große, schlaksige Mick Fleetwood im “Daily Express”. Bei einem seiner ersten Gigs mit Fleetwood Mac klaute er vom hochangebrachten Wasserkasten die Kette für die Klospülung plus Kugeln und schlang sie sich um die Taille. Damit hatte er sein Markenzeichen gefunden. Selbst auf dem Cover für Fleetwood Macs größtes Hitalbum “Rumours” – 45-millionenfach verkauft – sind die Kugeln verewigt.

Für den Burschen aus Cornwall begann das Leben erst richtig mit 15, als ihm seine Eltern erlaubten, die Schule abzubrechen und Schlagzeuger zu werden. Der schüchterne Legastheniker zog bei seiner älteren Schwester ein und entdeckte Swinging London. Blues-Gitarrist Peter Green und Bassist John McVie nahmen ihn unter die Fittiche – zuerst in der Band John Mayall and the Bluesbreakers, dann gründeten sie 1967 Fleetwood Mac als Bluesband. Das Instrumental “Albatross” machte sie berühmt.

Viel später fragte er Peter Green, warum dieser ihn damals eingeladen habe, in der Band zu spielen, erinnerte sich Fleetwood in einem Interview des “Guardian” – am Schlagzeugspielen könne es nicht gelegen haben. “Er sagte: Du warst so unglücklich, Mick.” Bald darauf hatte Green selbst einen psychischen Zusammenbruch und verließ die Band 1970.

Die Musik wandelte sich von Blues zu Pop, Bandmitglieder kamen und gingen. Nur einer blieb – der Zwei-Meter-Mann mit Hut und Bart, Mick Fleetwood. Mit Hits wie “Go Your Own Way”, “Rhiannon” und “Don’t Stop” machten sie Millionen. Fleetwood Mac wurden bekannt für ihre Exzesse: Massen von Kokain, eine Flotte von Limousinen, rosa Zimmerwände in allen Hotels und ein weißer Konzertflügel, der überallhin mitzog.

Ihren größten Erfolg hatte die Band 1977 mit dem legendären Album “Rumours”, das sich 31 Wochen lang auf der Nummer Eins der amerikanischen Charts hielt – trotz oder möglicherweise wegen der vielen privaten Dramen: Während der Aufnahmen trennten sich Keyboarderin Christine und Bassist John McVie sowie Gitarrist Lindsey Buckingham und Sängerin Stevie Nicks. Mick Fleetwood ließ sich von seiner Frau scheiden und hatte eine Affäre mit Nicks, bevor er sie für ihre beste Freundin Sara Recor sitzen ließ. Zu manchen Zeiten redeten die Bandmitglieder nicht mehr miteinander.

Überhaupt, die Frauen: Nach sieben Jahren Ehe mit Sara heiratete Fleetwood seine erste Frau nochmals, mit der er bereits zwei Töchter hatte. Doch auch diesmal klappte es nicht. Seine vierte Ehe hielt am längsten – 20 Jahre bis 2015, aus dieser stammen Zwillingstöchter.

Im Juli spielen Fleetwood Mac auf zwei Festivals in Los Angeles und New York, und fürs nächste Jahr planen sie eine Welttour in der legendären “Rumours”-Besetzung. Mick Fleetwood macht sich Hoffnungen auf eine Wiedervereinigung auch im Studio: “Eins ist sicher – wir haben Dutzende von Songs”, sagte er der Musikzeitschrift “Rolling Stone”. “Sie sind wirklich gut. Und wenn wir Jahrzehnte später die Radieschen von unten betrachten, möchte ich nicht, dass jemand das Zeug hört und sagt: Das hätte rauskommen sollen!”

Von: APA/dpa

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