Marilyn Monroe am Cover des Playboy

Erinnerungen eines Fotografen an Marilyn

Mittwoch, 07. Juli 2021 | 09:05 Uhr

Die Monroe nackt am Pool – diese Bilder sind 1962 um die Welt gegangen. Fotograf Lawrence Schiller schildert in dem großformatigen Band “Marilyn & Me”, wie seine ikonischen Aufnahmen entstanden. Das Buch gibt in Wort und Bild aber nicht nur einen spannenden Einblick in die Arbeit eines Fotografen im Zeitalter vor dem Internet, sondern auch in das Innenleben des Stars aus einer etwas anderer Perspektive. Schiller hatte bis kurz vor Monroes Tod Kontakt zur Schauspielerin.

Der Mann hinter der Kamera, der u.a. den mutmaßlichen Mörder von John F. Kennedy, Lee Harvey Oswald, in Dallas fotografierte und das letzte Interview mit dessen Mörder Jack Ruby führte, begann früh, die Ereignisse seines Lebens auch auf Tonband festzuhalten. Daher konnte Schiller für “Marilyn & Me” auch mehr als nur kommentierende Texte abliefern. Mit vielen Zitaten gespickt, blickt er in den die Abbildungen begleitenden Essays auf seine Begegnungen mit der Monroe zurück, bringt ihre Stimmungsschwankungen und Unzufriedenheit wie auch ihre Professionalität auf den Punk – aus der Sicht eines Menschen, der gut mit dem Star auskam, aber doch berufliche Distanz wahrte.

Naturgemäß stehen Fotos im Fokus eines Bildbandes. “Marilyn & Me” präsentiert daher Bilder von dem Filmsets von “Machen wir’s in Liebe” und “Someting’s Got To Give” – teilweise in Schwarz-Weiß mit einem faszinierenden Wechselspiel aus Hell und Dunkel. Schiller erweckt auch bei gestellten Aufnahmen den Eindruck, man erlebt einen intimen Moment mit – etwa wenn Monroe mit ihrem Filmpartner ein Skript durchgeht oder auf einem Sofa ausruht, während ihre ebenso legendäre Schauspiellehrerin Paula Strasberg durch die Szene huscht. Es ist erstaunlich, wie Monroe, im Clinch mit ihrem Studio und deshalb verärgert, mit der Kamera kokettiert und trotz aller persönlicher Probleme stets “Die Monroe” bleibt.

Das Glanzstück sind Bild einer nackt im Pool Schwimmenden bzw. am Beckenrand sitzenden Marilyn – mit viel Haut, aber trotzdem alles andere als das, was man heute als freizügig bezeichnet. Die Dreharbeiten stockten gerade, das Studio wollte die wohl ewig unterschätzte Schauspielerin los werden, die Monroe landete aber mit den Bildern einen unglaublichen PR-Coup und war zurück im Geschäft. Schiller erzählt, wie diese Session inszeniert wurde, wie er die Exklusivrechte sicherte und den Vertrieb organisierte, damit reich wurde.

Das Happy End blieb in Marilyn Monroes Leben aus. Schiller zieht seine eigenen Schlüsse und ergänzt diese mit Fotos vom 5. August 1962. Denn er war anwesend, als man die Leiche der Ikone aus ihrem Haus holte – als Fotograf, ganz seinem Beruf verbunden. Und doch gelingt es Schiller gerade mit seiner Sachlichkeit in Wort und Bild, viel an Emotionen zu transportieren.

(S E R V I C E – Lawrence Schiller, “Marilyn & Me”, Taschen Verlag, Hardcover, 23,2 x 31,6 cm, 1,85 kg, 200 Seiten, 50 Euro, www.taschen.com)

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz