Nathan Trent hat ein volles Programm

ESC-Hoffnung Nathan Trent und die Angst vor dem Kitsch

Mittwoch, 10. Mai 2017 | 13:05 Uhr

Auch wenn er für die Fernsehwelt das erste Mal Donnerstag in Erscheinung tritt – der Tag von Österreichs ESC-Vertreter Nathan Trent ist im ESC-Tross von Kiew auch jetzt schon mehr als gefüllt. Schließlich stehen zwischen Autogrammstunden und Interviewmarathons unzählige Kurzauftritte in der ganzen Stadt am Programm eines Song-Contest-Kandidaten.

Meet and Greet mit Fans im Euro Fan Cafe, ein Auftritt auf der Party der israelischen Delegation im Euroclub, ein paar Lieder auf der Fanzone im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt, zahlreiche Proben in der Halle und die dort stattfindenden Probenshows – Urlaub ist das ESC-Vertreterleben wahrlich nicht. Da tut es gut, dass mittlerweile Nathans italienische Großmutter Addis und seine Mutter Mizar nach Kiew gekommen sind, um auf Sohnemann respektive Enkel aufzupassen. Und auch Hermine Poppeller, Österreichs Botschafterin in der Ukraine, hatte eine Auge auf den 25-Jährigen. So lud sie Dienstagabend zu einem Empfang in die Botschaft zu selbst gebackener Sachertorte.

“Der Song Contest ist für die Ukraine eine Möglichkeit, sich als sehr buntes, sehr aufgeschlossenes Land zu präsentieren”, unterstrich Poppeller in ihrer kleinen Ermunterungsrede die Bedeutung des TV-Großevents für das heurige Ausrichterland: “Wir hören von der Ukraine oft im Bezug auf die Probleme – die kennen wir alle. Aber es ist wichtig, die Ukraine als europäisches Land zu sehen.”

Nathan Trent bedankte sich wenn schon nicht mit Selbstgebackenem, so mit einer Großpackung Manner-Schnitten samt Aufdruck “Nathan mag man eben”. Müde ist er angesichts des Trubels zwar schon, wie er im APA-Interview verriet. Aber dafür geht sich kitschtechnisch alles aus.

APA: Sie tragen einen dicken Künstlerschal. Muss Österreich zittern?

Nathan Trent: Ach, mir geht es so weit gut. Ich bin einfach nur müde, was ich beim Reden merke. Der ganze Körper ist müde, aber ich bin jetzt nicht krank.

APA: Sind Sie denn jemand, der auf der Bühne den letzten Push bekommt?

Trent: Ich bekomme immer einen Push auf der Bühne und muss mich dann selbst bremsen. Ich will immer mehr und noch mehr. Man übernimmt sich dann und verbrät zu viel. Das habe ich bei den Proben gelernt. Der ESC ist ja zwar auch ein Livekonzert, zugleich aber auch eine große Fernsehshow. Wenn man nicht genau gleich in die Kamera schaut, fällt das unheimlich auf. Der ständige Wechsel ist da immer ziemlich tricky – vor allem, wenn man so schasaugert ist wie ich.

APA: Sie treten auf der Bühne als Mann im Halbmond auf. War das Ihre Idee?

Trent: Ich habe mich da zu 100 Prozent eingebracht. Die Leute wollen eine Show – und ich auch. Da der Song Midtempo ist, geht sich aber keine große Choreografie aus. Ich wollte deshalb mit dem Halbmond ein Symbol: Er ist in der Luft, er ist Hoffnungsbringer und ein Zeichen für den Glauben an sich selbst. Das ist die Essenz meines Songs. Man kann viel reininterpretieren. Oder sagen: Es ist der Mond.

APA: Hilft solch ein ikonografische Bild bei einer frühen Starnummer?

Trent: Ich habe jetzt schon von vielen gehört, die gesagt haben, dass der Song mit dem Halbmond in Erinnerung bleiben kann. Bei der ersten Probe war es mir noch zu kitschig, sehr mädchenhaft, weil es zu Pink war. Ich habe nicht gedacht, dass es sich mit dem Kitsch ausgeht – es geht sich aber aus, weil es pur ist. Und jetzt bin ich echt glücklich.

Von: apa