Ute Bock verstarb am Freitag nach kurzer schwerer Krankheit

Flüchtlingshelferin Ute Bock 75-jährig verstorben

Freitag, 19. Januar 2018 | 16:09 Uhr

Die bekannte Flüchtlingshelferin Ute Bock ist tot. Nach kurzer schwerer Krankheit starb sie Freitagfrüh 75-jährig im Kreise ihrer Schützlinge im Ute Bock Haus, teilte die von ihr gegründete Initiative mit: “Jetzt, da sie nicht mehr bei uns ist, gilt es die Arbeit von Frau Bock fortzuführen.” Mit Bestürzung reagierten Politik und Zivilgesellschaft auf den Tod von Ute Bock.

Bis zur letzten Sekunde habe sich ihr ganzes Denken und Handeln um das Wohlergehen geflüchteter Menschen gedreht, hieß es. Der Erfüllung ihres größten Wunsches, eines Tages überflüssig zu werden, sei man gerade in Zeiten wie diesen ferner denn je. “Tugenden wie Zivilcourage, Solidarität und Menschlichkeit hat uns Frau Bock Zeit ihres Lebens gelehrt”, hieß es: “Ohne viele Worte hat sie einfach gehandelt, sich selbst hat sie dabei nie geschont.”

Von Bundespräsident Alexander Van der Bellen abwärts wurde die Verstorbene am Freitag gewürdigt. “Eine große Frau ist von uns gegangen”, betonte Van der Bellen. Mit Ute Bock, Trägerin des goldenen Verdienstzeichens der Republik, verliere Österreich einen außergewöhnlichen Menschen. “Sie setzte sich Zeit ihres Lebens und bedingungslos für Flüchtlinge, für Menschen in Not ein”, meinte er: “Ute Bock hat uns gezeigt, was Menschsein bedeuten kann. In ihren Projekten wird ihr Engagement weiterbestehen.”

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) würdigte Ute Bock im Kurznachrichtendienst Twitter als “eine der bekanntesten & engagiertesten Flüchtlingshelferinnen. Ihr langjähriger Einsatz & ihre Zivilcourage haben unser Land geprägt & verdienen unseren Respekt. Ich drücke den Angehörigen & Freunden meine tiefe Anteilnahme aus”.

Seitens des Parlaments brachte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) seine Betroffenheit zum Ausdruck. “Ute Bock war, ist und bleibt ein leuchtendes Beispiel für Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft. In tiefer Anerkennung für ihre menschlichen Leistungen hoffe ich, dass ihre Haltung vielen von uns als Vorbild dient”, teilte er via Social Media mit.

SPÖ-Chef Christian Kern bezeichnete Bock als “moralische Instanz, deren Lebenswerk und unbedingtes Engagement beispielgebend ist. Mit Ute Bock verlieren wir eine ebenso starke wie mutige Frau, für die selbstlose Hilfe für die Schwächsten in der Gesellschaft immer eine Selbstverständlichkeit war”.

Auch die Wiener Politik reagiert mit Trauer und Bestürzung auf das Ableben von Ute Bock. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) würdigte die Flüchtlingshelferin als “überzeugte Humanistin, die ihren Kontrahenten in Zeiten von Hass und Missgunst mit Warmherzigkeit und Nächstenliebe getrotzt hat”. Das Angebot der Stadt Wien, die Verstorbene in einem Ehrengrab beizusetzen, lehnte Bocks Familie “aus Gründen der Privatheit” ab, wie das Büro des zuständigen Kulturstadtrats Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) mitteilte.

Tief betroffen zeigte sich NEOS-Vorsitzender Matthias Strolz: “Mit Ute Bock geht eine starke Frau, die in beeindruckender Art und mit unerschütterlicher Überzeugung für Menschlichkeit und Mitgefühl gestanden ist”, sagte er, und: “Unsere Republik verabschiedet sich von einer moralischen Instanz.” Für die Liste Pilz trauerte Menschenrechtssprecherin Alma Zadic um Bock: “Ihre Stimme wird fehlen.”

Auch der grüne Bundesvorstand bedauerte das Ableben. “Sie war eine kraftvolle, beharrliche und herzliche Kämpferin und langjährige Verbündete in Sachen Menschenrechte, gerade für Menschen, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind”, betonen Bundessprecher Werner Kogler und Bundesvorstandsmitglied Alev Korun.

Bei der FPÖ, die der Flüchtlingshelferin stets mit vehementer Ablehnung begegnet war, herrschte indes Schweigen zu ihrem Tod.

Würdigende Worte kamen vom Flüchtlingshochkommissariat UNHCR und der Caritas. “Ute Bock war für mich eine beeindruckende Frau und ein mutiger Mensch”, reagierte Caritas-Präsident Michael Landau: “Es liegt an jeder und jedem Einzelnen von uns, diesem Vorbild zu folgen und uns für Menschen am Rande der Gesellschaft einzusetzen. Ute Bock wird fehlen. Sie fehlt schon jetzt.”

Auch zu einer Gedenkveranstaltung wurde bereits aufgerufen: Am 2. Februar soll um 17 Uhr am Heldenplatz in Wien ein “Lichtermeer für Ute Bock” stattfinden, hieß es auf einer via Social Media verbreiteten Einladung des Vereins “Flüchtlingsprojekt Ute Bock” und von “Bock auf Kultur”.

Von: apa