Trio Folkshilfe macht einen "Bahö"

Folkshilfe legt neue Platte vor

Dienstag, 12. September 2017 | 12:21 Uhr

Die Folkshilfe hat in den vergangenen Monaten viel erlebt: Nachdem sie 2015 bei der heimischen Vorauswahl zum Song Contest mitmachte, tourte die oberösterreichische Gruppe landauf, landab, machte von Belgien bis Italien die Straßen unsicher und hat ganz nebenbei an einem neuen Album gewerkt. “Bahö” heißt das Ergebnis, für das man laut Florian Ritt “ohne Barrieren und Einschränkungen” agierte.

“Uns ist genau das geglückt, was wir wollten”, resümierte Sänger und Ziehharmonikaspieler Ritt im APA-Interview das bisher Erreichte. Der Song Contest sei “ein cooler Aufschrei” gewesen, gleichzeitig war es für das Trio aber klar, dass man den eigenen Weg weiterverfolgen will. “Wir waren ja schon vorher eine Band. Also kam das Debütalbum und dann folgten knapp zwei Jahre Tour.” In dieser Phase verdeutlichte sich auch: Das Engagement wird intensiver, die Zeiten zum Luftholen kürzer.

Eine Folge davon war der Ausstieg von Gitarrist Mathias Kaineder im Vorjahr, um sich stärker seiner Familie und einem weiteren musikalischen Projekt zu widmen. “Ein Prozess ging da zu Ende und ein neuer fing an”, meinte Ritt mit Verweis auf den neben ihm sitzenden Paul Slaviczek, der nun diverse Sechssaiter bedient. Und der neue Kollege musste gleich einräumen: “Ich habe das schon bis zu einem gewissen Grad unterschätzt.” Damit sprach er die Intensität an, die die Teilnahme am Projekt Folkshilfe derzeit erfordert. “Da steckt schon enorm viel Arbeit dahinter.”

Mit einer ersten Tour im vergangenen Jahr sowie dem Einspielen der Songs für Album Nummer zwei hat sich das aber eine Spur gelegt. “Jetzt habe ich mein Platzerl auf diesem Boot gefunden”, schmunzelte Slaviczek. Und wenn man die zehn neuen Stücke hört, dann wird schnell klar: Die Harmonie zwischen den drei Musikern – Drummer Gabriel Haider komplettiert die Formation – passt. “Bahö” ist im Vergleich zum Debüt noch einmal eine Spur verspielter, nimmt sich mehr Freiheiten und sitzt nur ganz selten still.

“Es war uns wichtig, dass es aus unserer Dreier-Feder heraus entsteht”, hielt Ritt fest. “Und jetzt ist es da, es ist ein Ausrufezeichen.” Als Arbeitstitel fungierte noch “Ecken und Kanten”, weil man unbedingt neue Wege gehen wollte. “Das Gefühl, etwas Neues zu machen, gibt uns auch Rückenwind. Wir ließen einfach unsere verschiedenen Stile einfließen. Was rausgekommen ist, macht uns eine große Freude”, so Ritt. “Immer wenn es anstrengend wird, muss man sich das vor Augen halten.” Nicht zuletzt das Tourleben sei mitunter fordernd. “Aber das ist gleichzeitig schon auch Halligalli. Es ist die Ernte und macht Spaß.”

Dabei versteht es die Band, auf dem Boden zu bleiben und authentisch zu wirken. “Wir inszenieren uns nicht großartig”, pflichtete Ritt dem bei. “Das passiert heute ja oft auch im Livegeschäft. Aber wir wollen einfach zu dritt Musik machen. Wenn alle Parameter zusammenkommen, diese Dinge ineinandergreifen, dann kann man im Trio eine ziemliche Wucht erzeugen.” Dementsprechend sei der Sound über die vergangenen Monate weiter gewachsen und gereift. “Wie beim Hausbau: Wir haben ein Grundstück, haben den Keller gemacht und die Fassade. Nun kann man langsam die Zimmer einrichten.”

Neben dem Klang ist der Folkshilfe schließlich auch der Inhalt wichtig. Beispielsweise wenn sich Wahlkämpfe scheinbar endlos in die Länge ziehen, dann setzt das Trio dem ein “So bitte ned” entgegen. “Jeder putzt sich ab, jeder zeigt auf wen anderen”, umriss Ritt seinen Ärger. “Der erste Song heißt wiederum ‘Gemma’, da geht es um ein Zusammenrücken. Das bedeutet die Folkshilfe für uns. Wir stehen für ein Europa. Offenbar sind wir aber schon so daran gewöhnt, dass man alles wieder vergisst.” Letztendlich will die Gruppe “definitiv etwas Lebensbejahendes” vermitteln.

Und dabei will man sich treu bleiben. “Wir müssen nicht die Botschafter der Volksmusik oder alpenländischen Kultur sein, genauso wenig aber müssen wir über-hip sein”, ist sich Ritt über die besondere Stellung der Band im Klaren. Seine Antwort auf die oft zwischen den Stühlen verortete Position? “Wir machen, wonach uns ist. Wir sind keine Konzept- oder Fashionband.” Davon kann man sich im Herbst bei einer umfangreichen Tour überzeugen, die am Freitag (15.9.) in Kufstein beginnt.

Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA

INFO: Folkshilfe auf Tour in Österreich: 15.9. Kufstein, 16.9. Scheibbs, 11.10. Graz, 12.10. Salzburg, 19.10. Wien, 20.10. St. Pölten, 27.10. Dornbirn, 17.11. Linz; www.folkshilfe.at

Von: apa

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