Lauda wurde mit seiner roten Kappe zum Phänomen

Formel-1-Legende Niki Lauda feiert 70. Geburtstag

Freitag, 22. Februar 2019 | 14:13 Uhr

Andreas Nikolaus Lauda ist sein voller Name. Weltberühmt geworden ist Österreichs dreifacher Formel-1-Weltmeister und Flug-Unternehmer aber als “Niki” Lauda. Geprägt hat ihn auch sein rotes “Kapperl”, das ihn zum Phänomen und bekanntesten lebenden Österreicher neben Arnold Schwarzenegger gemacht hat. Sechs Monate nach seiner Lungentransplantation wird Lauda am Freitag, 22. Februar, 70 Jahre alt.

“Ich bin noch immer da und komme mit Vollgas zurück”, wandte sich Niki Lauda via ORF-Radiosender Ö3 an die Öffentlichkeit. “Es war etwas rumpelig, aber es ist alles geschafft”, meldete sich Österreichs Formel-1-Legende bei Moderatorin Claudia Stöckl.

Auf Ö3 berichtete auch der behandelnde Arzt Walter Klepetko vom Wiener AKH über den aktuellen Gesundheitszustand Laudas. “Es geht Niki Lauda erfreulich gut. Die Infektion Anfang des Jahres war doch ein herber Rückschlag, aber wir sind dabei, das zu kompensieren und wieder aufzutrainieren”, sagte Klepetko.

Laudas derzeitiger Tagesablauf stehe “ganz im Zeichen des Trainings und des Aufbaus, mit Muskelstärkungs- und Koordinationsübungen. “Herr Lauda ist sehr aktiv dabei. Wir sind sehr zuversichtlich, dass es uns gelingen wird und wir schon in absehbarer Zeit dort sein werden, wo wir schon zu Weihnachten waren.”

Über die Zukunft des Mercedes-Managers meinte Klepetko: “Es ist realistisch, dass er wieder zu den Rennen gehen wird. Aber er wird sicher nicht bei jedem Rennen dabei sein und vor allem nicht beim Saisonstart in Melbourne dabei sein – ein Transkontinentalflug, das ist nicht das Ziel. Letztendlich wird er selber entscheiden zu welchem Zeitpunkt er sich fit und stark genug fühlt, um wieder in den Formel-1-Zirkus einzusteigen.”

Eines ist laut Klepetko aber schon jetzt klar: Bei Menschenansammlungen wird sich Lauda in Zukunft mit einer Atemmaske schützen müssen. “Große Menschenansammlungen sind immer eine potenzielle Gefahr für Infektionen. In diesem Fall wird es angebracht sein, dass er eine Maske trägt, um sich vor einer direkten Infektionsmöglichkeit zu schützen.”

Die gute Nachricht lautet: “Im Prinzip könne ein lungentransplantierter Patient aber wieder eine ganz normale Lebensqualität erreichen.” Lauda sei ein “Stehaufmännchen”. “Es ist bewundernswert, wie kooperativ, zäh und motiviert er durch das Ganze geht. Er wird wie alle Transplant-Patienten immer ein Patient bleiben, er braucht kontinuierliche Betreuung, aber er sollte den Grad der Unabhängigkeit erreichen, dass ihm die volle Lebensqualität ermöglicht sein wird.”

Niki Lauda, den “Mann mit der roten Kappe” und dem unfallvernarbten Kopf, kennt man auf der ganzen Welt. Geboren wurde Lauda am 22. Februar 1949 in Wien als Sohn einer Industriellenfamilie. Dass er sich wegen seiner Motorsport-Leidenschaft mit einem Teil der wohlhabenden Familie überwarf, konnte die letztlich größte österreichische Autorennfahrer-Laufbahn nicht verhindern. Lauda finanzierte sich über Bankkredite selbst und legte eine von Rundstreckenrennen über die Formel 3 und Formel 2 bis in die Formel 1 führende Karriere hin.

In der “Königsklasse” debütierte Lauda im August 1971 als 21-Jähriger in einem March auf dem Österreichring. Lauda war für die österreichische Volksseele quasi die logische Fortsetzung jener Aufbruchstimmung, die durch Jochen Rindts Tod 1970 und die schwere Augenverletzung von dessen Schulkollegen Helmut Marko nur zwei Jahre später empfindliche Rückschläge erlitten hatte.

Beim WM-Debüt kam Lauda nicht ins Ziel. Es war dennoch der Beginn einer weltweit einzigartigen Karriere mit dramatischem Feuer-Unfall 1976 sowie den drei Weltmeistertiteln 1975, 1977 und 1984. Eine Motorsport-Karriere, der Lauda nach seinem endgültigen Rücktritt 1985 eine turbulente wirtschaftliche Laufbahn als Flugunternehmer folgen ließ.

Es sind neben den 25 Grand-Prix-Siegen in der Formel 1 sowie den unternehmerischen Erfolgen aber vor allem auch die dramatischen Ereignisse, die Lauda zu einer Ausnahme-Erscheinung gemacht haben. Etwa der schwere Feuerunfall am 1. August 1976 auf dem Nürburgring, nach dem der regierende Weltmeister aus Österreich bereits die Letzte Ölung erhalten hatte und dennoch 42 Tage später in Monza schon wieder am Start war. Um die Unfallnarben am Kopf zu verdecken, begann er, eine rote Kappe aufzusetzen.

Der Unfall just an dem Tag, an dem auch die Wiener Reichsbrücke einstürzte, hat sich in die rot-weiß-rote Zeitgeschichte eingebrannt. Viele Österreicher wissen und wussten lebenslang, wo sie damals waren. Noch schlimmer kam es 1991 mit dem Absturz einer Lauda-Air-Maschine.

Es war die Kämpfernatur und Stehaufmännchen-Mentalität, die Lauda immer wieder in den Sattel gehoben hat. Und wenn er abstieg, dann aus eigenem Gutdünken. Wie etwa 1976, als er am Ende eines hochdramatischen Jahres mit zunächst privatem Traktor- und dann dem Feuer-Unfall den möglichen WM-Titel kampflos aufgab, weil es ihm im abschließenden Regenrennen von Fuji zu gefährlich war. James Hunt wurde mit einem Punkt Vorsprung Weltmeister. Die damalige Rivalität zwischen Lauda und dem Briten wurde im 2013 uraufgeführten Spielfilm “Rush” dramatisiert nacherzählt.

1977 wurde Lauda zum zweiten Mal auf Ferrari Champion, weshalb man ihn in Italien bis heute verehrt. In diesem Jahr startete er auch seinen ersten Versuch als Airliner. Erst mit zwei Chartermaschinen, dann ab 1979 mit der Lauda Air, mit der er dem damaligen staatlichen Monopolisten AUA Konkurrenz machen wollte. Deshalb beendete er nach diesem Jahr auch erstmals seine Formel-1-Karriere während des Trainings in Kanada mit dem berühmten Satz, er wolle “nicht mehr im Kreis fahren”.

Stattdessen widmete sich Lauda dem Aufbau der eigenen Fluggesellschaft. 1982 kehrte er aus Promotion-Gründen aber in den Motorsport zurück. 1984 holte der nunmehrige McLaren-Fahrer mit nur einem halben Punkt Vorsprung seinen dritten WM-Titel, ein Jahr später war es dann aber endgültig vorbei mit der Königsklasse. Denn nach den anfänglichen Problemen mit den Behörden hatte er schon Ende dieses Jahres doch noch eine erweiterte Konzession erhalten und startete noch einmal mit der Lauda Air durch. 1990 ging diese an die Börse.

Wie im Sport hatte Lauda auch in der Fliegerei dunkelste Momente zu überstehen. Den bittersten am 26. Mai 1991, als eine Boeing 767 seiner Luftlinie nach dem Start in Bangkok abstürzte und 223 Menschen in den Tod riss. Ende 2000 zog sich Lauda, der nebenher weiter in der Formel 1 tätig war – als Ferrari-Berater (1993 bis 1995) fädelte er dort etwa das Engagement von Michael Schumacher ein – aus der Geschäftsleitung der Lauda-Air zurück. Die Airline wurde 2001 von der AUA zur Gänze geschluckt. Da war Lauda schon Rennleiter und später ein etwas glückloser Teamchef bei Jaguar in der F1.

Deshalb pendelte der rastlose Unternehmer bald auch wieder zur Fliegerei. 2003 übernahm Lauda die Mehrheit an der Aero Lloyd Austria und gründete eine neue Luftlinie, die 2004 Niki bzw. flyniki genannt wurde. In diesem Jahr war der umtriebige Lauda kurz auch ÖBB-Aufsichtsrat. 2011 verkaufte er seine Airline zur Gänze Air Berlin. 2012 wurde Lauda 10-prozentiger Anteilhaber und Aufsichtsratsvorsitzender beim Mercedes-Formel-1-Team.

Lauda hatte inzwischen (2008) Birgit Wetzinger, eine ehemalige Flugbegleiterin, geheiratet. Der Ehe entstammen die 2009 geborenen Zwillinge Max und Mia. Laudas Söhne aus erster Ehe mit Marlene Knaus, Lukas und Mathias, sind ebenfalls im Motorsport bzw. Management aktiv. Zu einem weiteren – unehelichen – Sohn hat Lauda laut eigenen Angaben wenig Kontakt. Birgit spendete Lauda 2005 und damit noch vor der Hochzeit eine weitere Niere. Die erste hatte er – als eine Folge des seinerzeitigen Feuer-Unfalls und der Medikamenten-Notwendigkeit – schon 1997 von Bruder Florian transplantiert bekommen.

Weil 2017 die Air Berlin selbst in die Insolvenz gerutscht war, eröffneten sich Lauda geschäftlich neue Chancen: Obwohl Niki, Filetstück in der Insolvenzmasse, schon fix der Lufthansa versprochen schien, entschied sich der österreichische Gläubigerausschuss im Jänner 2018 überraschend, Laudas Firma Laudamotion den Zuschlag für Niki zu erteilen. Zwei Monate später stieg Ryanair bei Laudamotion ein. Ende 2018 übernahmen die Iren Laudamotion zur Gänze.

Offenbar wusste Lauda über die Schwere seiner aktuellen gesundheitlichen Probleme, als er im Juli 2018 wegen eines Virus bzw. einer vermeintlichen Sommergrippe seinen Ibiza-Urlaub abbrach und sich in ärztliche Behandlung begab. Deshalb musste er auch die Grand-Prix-Rennen in Deutschland und Ungarn auslassen. Als der prominente Patient schon auf dem Weg der Besserung schien, kamen lebensgefährliche Komplikationen mit der 42 Jahre davor verätzten Lunge hinzu, was letztlich eine Organ-Transplantation im Wiener AKH nötig machte. Nach einer intensiven Reha wurde er im Herbst entlassen, musste im Jänner 2019 wegen einer Influenza aber wieder ins Krankenhaus.

Das öffentliche Interesse an Lauda und damit auch seinen gesundheitlichen Problemen ist auch deshalb so groß, weil sich der Wiener mit seiner direkten Art und der Neigung, zu fast allem Stellung zu beziehen, selbst zu einer höchst öffentlichen Figur gemacht hat. Lauda ist eine Kultfigur, ein Phänomen. “Niki ist nach dem Weggang von Bernie Ecclestone die größte Persönlichkeit im Formel-1-Fahrerlager”, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff unlängst über seinen berühmten Landsmann.

Das berühmte Kapperl ist für Lauda letztlich auch ein sehr gut bezahlter Werbegag geworden. Anfangs für Parmalat, am Ende für Novomatic, auch seine Flugzeugcrew musste phasenweise damit auftreten. Die Versuche, wegen der Sponsoren eine grüne bzw. schwarze Kappe zu tragen, wurden rasch wieder beendet. Bis 2017 und damit über 20 Jahre lang dauerte hingegen Laudas Tätigkeit als TV-Experte beim deutschen Sender RTL. Ende 2018 übernahm die irische Ryanair auch die letzten 25 Prozent der Niki-Nachfolge-Luftlinie Laudamotion, der Österreicher blieb aber Chairman.

Ehrungen, Auszeichnungen und eigene Geburtstage waren dem leidenschaftlichen Piloten, der selbst oft und gerne im Cockpit seiner eigenen Flugzeuge sitzt, laut eigenen Aussagen immer egal. Gut möglich, dass der deutlich ruhiger gewordene Grenzgänger dies mittlerweile etwas anders sieht.

Von: apa