Räumt James Franco den Hauptpreis ab?

Francos “The Disaster Artist” als Favorit in San Sebastian

Freitag, 29. September 2017 | 14:39 Uhr

Am Samstag vergibt das 65. Internationale Filmfestival von San Sebastian seine diesjährigen Preise. Bis zum Donnerstag gab es keine klaren Favoriten. Doch dann landete US-Hollywoodstar James Franco mit seiner witzigen, hervorragend inszenierten Tragikomödie “The Disaster Artist” auf dem Festival in der nordspanischen Küstenstadt.

Der Film handelt vom Making-of zum Film “The Room” von Tommy Wiseau aus dem Jahr 2003. “The Room” ging als schlechtester Film aller Zeiten in die Filmgeschichte ein. Doch waren die Schauspieler so schlecht, die Dialoge so schlimm und die Drehbuchfehler so haarsträubend, dass der Streifen zum Kultfilm wurde und fast 14 Jahre in den US-Kinos lief. Die Interpretation von James Franco, der wie Tommy Wiseau nicht nur Regie führte, sondern auch den Hauptdarsteller Tommy Wiseau darstellt, war grandios. Zweifellos ist “The Disaster Artist” einer der ganz großen Favoriten für die Auszeichnung als bester Festivalbeitrag.

Doch auch die österreichische Regisseurin Barbara Albert hat mit ihrem neuen Historienfilm “Licht”, der am 10. November in Österreich anläuft, gute Chancen, das Rennen um die Goldene Muschel zu gewinnen. Hauptdarstellerin Maria Dragus (“Das weißen Band” von Michael Haneke) gilt für ihre herausragende Interpretation einer blinden Pianistin zudem als eine ernst zu nehmende Anwärterin für die “Silberne Muschel” als beste Schauspielerin.

Basierend auf Alissa Walsers Roman “Am Anfang war die Nacht Musik” erzählt Albert die wahre Geschichte der blinden Pianistin Maria Theresia Paradis, die im Wien des 18. Jahrhunderts durch die Behandlung des “Wunderheilers” Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) kurzzeitig wieder das Sehen erlernt, dabei aber auch ihre Virtuosität beim Klavierspielen verliert.

“Es handelt sich um einen herrlichen Film, der mit einer erstaunlichen Inszenierung die Durchleuchtung einer Epoche sowie der Situation einer Frau bietet, die auch auf die heutige Zeit übertragen werden kann. Zudem verfügt der Film über eine Hauptdarstellerin, die derzeit sehr auf sich aufmerksam macht. Ihre schauspielerische Leistung war wirklich beeindruckend”, meinte auch Festivaldirektor Jose Luis Rebordinos im Gespräch mit der APA.

Dennoch wird es die Jury unter Vorsitz von Hollywoodstar John Malkovich nicht leicht haben. Auch das rumänische Familiendrama “Pororoca” gehört zu den aussichtsreichsten Anwärtern auf die Goldene Muschel. Hauptdarsteller Bogdan Dumitrache gilt überdies neben Franco und dem Spanier Eneko Sagardoy aus dem baskischen Festivalbeitrag “Handia” als Kandidat für den Preis als bester Schauspieler.

Besonders stark zeigte sich in diesem Jahr das argentinische Kino. Das Adoptionsdrama “Una especie de familia” von Diego Lerman steht hoch im Kurs im Rennen um die Goldene Muschel, ebenso wie Protagonistin Barbara Lennie als beste Schauspielerin. Anahi Berneris argentinisches Prostitutions-Drama “Alanis” mit der grandiosen Interpretation von Hauptdarstellerin Sofia Gala Castiglione hat auch gute Chancen bei der Preisvergabe am Samstagabend.

Im Gegensatz zu Wim Wenders enttäuschendem Festivaleröffnungsfilm “Submergence” mit Alicia Vikander und James McAvoy in den Hauptrollen konnte unterdessen der deutsche Hollywoodregisseur Robert Schwentke mit seinem erschütternden Schwarz-Weiß-Kriegsdrama “Der Hauptmann” am Freitag in San Sebastian überzeugen. Elegant-bösartig präsentierten sich auch die “Ziemlich beste Freunde”-Macher Oliver Nakache und Eric Toledano mit ihrer Komödie “Le sens de la fete/C’est la vie!”. Große Chancen hat die witzige Verfilmung über eine Hochzeitscateringfirma wohl kaum. Doch in den kommerziellen Kinos dürfte es wieder ein Erfolg werden.

Mit Spannung wird am Freitagabend noch die Vorführung der französisch-japanischen Produktion “Le lion est mort ce soir” des Japaners Nobuhiro Suwa im offiziellen Wettbewerb erwartet. Unterdessen werden Penelope Cruz und Javier Bardem mit ihrem Venedig-Festivalbeitrag “Loving Pablo” die Sparte “Pearls” am Freitag schließen, in der neben Highlights anderer Festivals auch Michael Hanekes “Happy End” gezeigt wurde, der seine Premiere in Cannes feierte.

Das Filmfestival von San Sebastian, das neben Berlin, Cannes und Venedig zu den bedeutendsten Filmfestivals der Welt gehört, endet am Samstag mit der Vergabe der “Muschel”-Preise und dem Abschlussfilm “The Wife” mit Glenn Close und Jonathan Pryce in den Hauptrollen.

Von: apa

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